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Anleger gegen Banker Aktionäre fordern Schadensersatz

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In Deutschland haben sich Union und SPD bereits geeinigt, die Haltefrist für Aktienoptionen von zwei auf vier Jahre zu verlängern. Das soll verhindern, dass Manager auf einen kurzfristigen Anstieg der Aktienkurse hinarbeiten und die langfristige Perspektive vernachlässigen – wie vor der Finanzkrise. Norbert Röttgen, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, hat zudem vorgeschlagen, die Hauptversammlung künftig über Managergehälter entscheiden zu lassen.

Klagewelle von Bankkunden. Boni-Systeme, die kurzfristige Gewinne belohnten, förderten nicht nur riskante Deals der Investmentbanker mit US-Hypotheken. Sie trugen auch dazu bei, dass im Privatkundengeschäft ein massiver Vertriebsdruck aufgebaut wurde. Bonushungrige Spitzenbanker gaben Druck nach unten weiter, zugleich wurden Bankberater immer stärker erfolgsabhängig bezahlt – und mussten wie im Akkord provisionsträchtige Fonds oder Zertifikate an den Anleger bringen.

Im Verkaufswahn war die Qualität der Anlageprodukte häufig Nebensache, wie sich jetzt zeigt. Die Zeche zahlten die Anleger. So liegen in Tausenden Privatdepots Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers, die nach deren Pleite wertlos sind. Ganz zu schweigen von maroden Film- und Immobilienfonds, die Banker vor allem wegen hoher Provisionen verkauften.

Auch an dieser Front sind Banken derzeit enorm unter Druck, sehen sich mit einer Klagewelle konfrontiert. Lehman-Anleger müssen vor Gericht allerdings beweisen, dass sie falsch beraten wurden – und das ist schwierig. Schließlich waren beim Beratungsgespräch oft keine Zeugen dabei, womit Aussage gegen Aussage steht. Die Bundesregierung will deshalb nachbessern: Das Kabinett hat im Februar einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Beweiserleichterungen für Falschberatungsopfer sowie verlängerte Verjährungsfristen vorsieht. Der Bundestag soll das Gesetz noch vor der Sommerpause verabschieden.

Rückendeckung für Anleger kommt auch vom Bundesgerichtshof, der in mehreren Urteilen – zuletzt im Januar – klargestellt hat: Wenn Kundenberater verschweigen, dass die Bank für den Verkauf von Anlageprodukten eine Provision kassiert, haben Anleger Anspruch auf Schadensersatz. Diese „Kick-back-Rechtsprechung“ könnte eine neue Klagewelle gegen Banken auslösen, glauben Anlegeranwälte.

Bereitschaft zu Kompromissen nimmt zu

Einige Banken zeigen sich zunehmend kompromissbereit. So gab die Hamburger Sparkasse (Haspa) gerade bekannt, im Rahmen eines Vergleichs rund 1000 Kunden zu entschädigen, denen sie Lehman-Zertifikate verkauft hatte. Die Anleger bekommen zwischen 10 und 100 Prozent der investierten Summe. Allerdings betont die Haspa, dass nur 250 Kunden möglicherweise nicht deutlich genug auf Risiken hingewiesen worden seien. An 750 Kunden zahle die Bank aus Kulanzgründen, weitere 2700 bekämen kein Vergleichsangebot.

Dresdner Bank, Frankfurter Sparkasse und Citibank, die ebenfalls zahlreiche Lehman-Zertifikate unters Volk brachten, prüfen noch, ob sie Vergleiche anbieten. Wenn nicht, bleibt Anlegern nur der Klageweg.

So viel ist sicher: Die Exzesse der Finanzkrise aufzuarbeiten, wird Deutschlands Richter noch über Jahre beschäftigen.

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