Anlegerprozesse Der ewige Kampf ums Geld

Gut vier Jahre nach dem Crash der IKB macht der BGH den Klägern Hoffnung auf Schadensersatz. Ein Überblick über Opfer der Finanzkrise.

Die Chancen für Aktionäre erfolgreich aus den Anlegerprozessen hervorzugehen sind ungewiss. Quelle: AP

Strafrechtlich ist die Sache durch: Im Sommer verurteilte der Bundesgerichtshof (BGH) Stefan Ortseifen, den Ex-Chef der Mittelstandsbank IKB, wegen Marktmanipulation zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und 100 000 Euro Geldstrafe (3 StR 506/10). Der Banker habe die Öffentlichkeit im Juli 2007 mit einer Pressemitteilung in die Irre geführt, in der sein Institut horrende Investments in US-Immobilienkredite verharmloste.

Trotz der richterlich bestätigten Manipulation hat noch kein IKB-Aktionär Schadensersatz erhalten. Im Gegenteil: Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat sämtliche Klagen abgewiesen. Der „Vorwurf der groben Fahrlässigkeit oder gar des vorsätzlichen Unterlassens“ sei unberechtigt, meinen die dortigen Richter. Schließlich habe die gesamte Branche die Risiken unterschätzt, heißt es in einem aktuellen Urteil (I-6 U 7/10).

Von der Krise bis zur Klage
20. Juli 2007Die Deutschen Industriebank (IKB) veröffentlicht eine Mitteilung, wonach Subprime-Kredite keine Gefahr darstellen. Quelle: AP
28./29. Juli 2007Krisensitzungen: Staat und Banken schnüren ein Milliardenrettungspaket für die IKB. Quelle: AP
5. Oktober 2009HRE wird verstaatlicht. Die Aktionäre werden nach der Hauptversammlung enteignet. Quelle: dapd
3. August 2007Die Hypo Real Estate (HRE) erwartet "keine negativen Belastungen" aus der Finanzkrise. Quelle: dpa
15. September 2008Die US-Bank Lehman Brothers geht pleite. Die Zertifikate der Anleger werden daraufhin wertlos. 40.000 bis 50.000 Sparer sind betroffen. Quelle: dpa
14. Januar 2011Das Oberlandesgericht München eröffnet Musterprozess gegen die HRE. Der Vorwurf: Die Bank habe in den Jahren 2007 und 2008 verharmlosende Mitteilungen gemacht. Quelle: dpa
20. Juli 2011Der BGH verurteilt den Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen wegen Marktmanipulation. Quelle: dpa

Überraschender Widerspruch

Ein erstaunlicher Widerspruch zum Votum des BGH im Strafprozess gegen Ortseifen. Aktionäre hoffen deshalb, dass die Bundesrichter die Düsseldorfer Urteile kassieren. Am Dienstag verhandelt der BGH erstmals über eine Anlegerklage – genau 1570 Tage nachdem die IKB drohende Milliardenverluste eingeräumt hatte

Damit kommt nach viereinhalb Jahren Bewegung in die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise. Auch in zahlreichen anderen Fällen hoffen Anleger noch auf Schadensersatz – allen voran Käufer von Zertifikaten der US-Pleitebank Lehman Brothers und Aktionäre der verstaatlichten Hypo Real Estate.

Wie stehen die Chancen der Kläger vor Gericht? Und wie lange müssen sie noch auf ein Urteil warten? Ein Überblick.

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