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Anwaltsranking Die besten Juristen für Fusionen

Die besten Anwälte für Fusionen und Übernahmen Quelle: imago

Für eine gelungene Fusion oder Übernahme brauchen Manager gute Anwälte. Eine exklusive Rangliste der WirtschaftsWoche zeigt die renommiertesten Kanzleien.

Wenn die Manager ihr Ziel schon vor Augen haben, beginnt für die Juristen erst die Arbeit. So war es auch im Herbst 2016, als man beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen entschied, die Sparte BCS an den chinesischen Industriekonzern Luxshare zu verkaufen – denn der Hersteller von Bediensystemen für Armaturenbretter, Lenkradschlösser und Sensoren passte nicht mehr zur Ausrichtung des Unternehmens vom Bodensee.

Die Verantwortlichen wussten um die Komplexität des Deals – und brauchten daher einen Rechtsbeistand, der gleich mehrere Bedingungen erfüllte.

Er sollte weder prätentiös noch eitel sein, denn nach ihrer Einschätzung würde ein Selbstdarsteller die chinesischen Käufer abschrecken. Gleichzeitig sollte er einen möglichst hohen Kaufpreis aushandeln und obendrein gute Beziehungen zu amerikanischen Behörden haben, denn die brauchte ZF für die erforderlichen Genehmigungen. Nach mehreren Auswahlrunden entschied sich ZF dafür, Stefan Widder von Latham & Watkins zu engagieren. Nicht nur, weil die internationale Kanzlei Büros in Deutschland, USA und auch in China hat. Sondern vor allem, weil sowohl der Jurist als auch seine Kanzlei als eine der besten Adressen für Fusionen und Übernahmen gilt.

Wiwo-Top-Anwälte und -Kanzlei-Teams 2018: Fusionen und Übernahmen (M&A). Quelle: WirtschaftsWoche

Die richtigen Anwälte sind nicht nur für den Erfolg eines Unternehmens essenziell, sondern auch für die Karriere der verantwortlichen Manager und des Chefjuristen. Müssen sie dem Vorstand oder dem Aufsichtsrat nach einem verpatzten oder zu teuren Deal eingestehen, dass sie schlecht beraten waren, erleidet ihre Karriere mindestens einen Knick.

Immer wieder scheitern Geschäfte, weil Anwälte ihre Position nicht durchsetzen, sich überschätzen, eine falsche Verhandlungsstrategie wählen oder Steuerrisiken übersehen. „Nach einem schlechten Vertrag haben die Beteiligten hinterher noch jahrelang Streit“, sagt Achim Glade von der Kanzlei Glade Michel Wirtz.

Die Jury

Wie hoch der Bedarf für Beratung ist, zeigt die aktuelle Statistik der Firmenübernahmen: Nach Angaben des Institute for Mergers, Acquisitions and Alliances betrug das Transaktionsvolumen in Europa im vergangenen Jahr 980 Milliarden Euro. 2010 waren es erst 739 Milliarden Euro. Dazu kommen noch Abspaltungen von Unternehmensteilen, die an die Börse gebracht werden.

Prominentester Fall der jüngeren Vergangenheit war die Übernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto durch Bayer. Sie wurde im Juni nach zwei Jahren Vorbereitung abgeschlossen – auch dank juristischer Präzisionsarbeit. Experten rechnen damit, dass solche Megatransaktionen weiter zunehmen. Die beteiligten Anwälte dürfte es freuen. Sie profitieren immer, selbst wenn ein Geschäft platzt. Üblicherweise macht das Honorar für eine Kanzlei bei komplexen Transaktionen 0,5 Prozent der Investitionssumme aus.

Aber wie findet man die richtigen Experten für Fusionen und Übernahmen? Wer sind in Deutschland die besten Juristen für Mergers and Acquisitions (M&A), und was zeichnet sie aus?

Antworten liefert eine exklusive Rangliste der WirtschaftsWoche-Top-Kanzleien. Dafür identifizierte das Handelsblatt Research Institute zunächst mehr als 2700 M&A-Rechtsexperten aus 110 Kanzleien. Diese sollten dann in einer Befragung jeweils die zwei renommiertesten Anwälte und Kanzleien benennen. Immerhin 287 M&A-Anwälte beteiligten sich, Eigenbewertungen waren ausgeschlossen.

Daraus entstand eine Liste von 246 Anwälten und 94 Kanzleien – und die wiederum bewertete nun eine hochkarätige Jury. Das Ergebnis ist eine Liste mit 59 führenden Anwälten, aufgeteilt in fünf Cluster. Je dunkler die Färbung, umso mehr Nennungen gab es für die Anwälte.

Klar ist: Nicht jede Kanzlei passt zu jedem Unternehmen, je nach Situation sind andere Kompetenzen und Persönlichkeiten gefragt. ZF zum Beispiel lege Wert auf einen sachlichen Ton, sagt ZF-Chefjurist Jan Eckert: „Die Beziehungen sollten nicht durch einen aggressiven Anwalt belastet werden.“

Allein dieser dominante Stil kann manche Mittelständler davon abhalten, Kaufinteressenten mit solchen Anwälten ihr Lebenswerk anzuvertrauen, sagt M&A-Experte Achim Glade. Entscheidend sei, dass sich ein verhandlungsstarker Anwalt nicht nur in den Mandanten hineinversetze, sondern auch in die Gegenseite.

Dabei ist die Elite der Szene offensichtlich von Männern dominiert: Unter den Top-Anwälten sind nur zwei Frauen, Kristina Klaaßen von Linklaters und Gesine von der Groeben von Beiten Burkhardt.

Die 41-jährige Klaaßen gibt zu, dass ihr Beruf wenig familienfreundlich ist, auch weil sie mehrmals im Monat bis in die Nacht verhandelt. Es reiche nicht, selbst mit Leidenschaft dabei zu sein, die Familie müsse ebenfalls mitziehen: „Das ist bei männlichen Kollegen nicht anders“, sagt Klaaßen, „es wird dort nur manchmal außer Acht gelassen.“

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