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Arbeitsrechtler Wolfgang Betz "Besonders beliebt sind Degradierungen"

Der Druck der Arbeitgeber auf ihre Mitarbeiter steigt. Der Berliner Arbeitsrechtler Wolfgang Betz spricht über die drohende Entlassungswelle, fragwürdige Methoden von Arbeitgebern um Mitarbeiter loszuwerden und die Chancen auf eine Abfindung.

Arbeitsrechtler Wolfgang Betz Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Betz, Sie beraten Arbeitnehmer in Rechtsstreitigkeiten mit Arbeitgebern – zum Beispiel nach Kündigungen. Rennen Ihnen die Mandanten angesichts der Wirtschaftskrise derzeit die Türen ein?

Betz: Es zeigt sich bereits sehr deutlich, dass Unternehmen derzeit ihre Belegschaft screenen und Mitarbeiter identifizieren, die sie loswerden wollen. Bei den Mandantenzahlen sehen wir zwar noch keinen signifikanten Anstieg. Ich gehe aber davon aus, dass sich das spätestens im Winter ändert. Dann werden viele Unternehmen Mitarbeiter entlassen. Kurzarbeit dürfte Kündigungen in vielen Fällen nicht verhindert, sondern nur hinausgezögert haben.

Woran erkennen Sie, dass Unternehmen derzeit ihr Personal screenen?

Erstens werden Mitarbeiter, die man relativ einfach loswerden kann, schon jetzt entlassen. So ist die Zahl krankheitsbedingter Kündigungen nach meiner Erfahrung in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Zweitens kommen immer mehr Mandanten zu mir, die vom Arbeitgeber massiv unter Druck gesetzt werden, damit sie von sich aus kündigen.

Wie gehen Unternehmen dabei vor?

Besonders beliebt sind Degradierungen. Ich vertrete gerade einen Mitarbeiter eines großen Konzerns, der von der zweiten auf die fünfte Hierarchieebene zurückgestuft worden ist. Solche Fälle häufen sich. Gerade bei Führungskräften haben Unternehmen großen Spielraum, durch Versetzungen Druck aufzubauen.

Woher kommt dieser Spielraum?

Die Arbeitsverträge leitender Angestellter enthalten häufig nur sehr vage Tätigkeitsbeschreibungen. Es ist dann schwierig, rasch arbeitsgerichtliche Hilfe zu erlangen, wenn solchen Mitarbeitern Aufgaben zugewiesen werden, die erheblich unter ihrem Qualifikationsniveau liegen. Dadurch werden die Betroffenen zermürbt.

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