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Deutschland gilt als Paradies für Geldwäscher. Quelle: imago

Geldwäsche made in Germany

Deutschland gilt seit Jahren als Paradies für Geldwäscher. Dass es selbst prominente Fintechs nicht besser machen, zeugt von skandalöser Ignoranz.

Beim Nachbarn ist das Gras immer grüner. In Dänemark ist es besonders grün. Kaum ein Feld, auf dem die Dänen nicht vor den Deutschen liegen. Deutlich glücklicher sind sie auch. Nur in einer Disziplin haben uns die nördlichen Nachbarn nichts voraus: der Geldwäschebekämpfung.

Das Land wird gerade vom größten Skandal seiner Geschichte heimgesucht. Die Danske Bank soll zwischen 2007 und 2015 über einen Ableger in Estland Transaktionen in der Höhe von 200 Milliarden Euro abgewickelt haben. Bei 6200 Kunden besteht Geldwäscheverdacht. Die meisten stammen aus Russland und Großbritannien. Der Chef der Bank musste bereits zurücktreten. Behörden aus gleich vier Ländern ermitteln gegen das Institut, darunter auch die Amerikaner.

Wie kann das sein, denkt man sich da unweigerlich. Im Jahre 2018 sollten alle Kontrollmechanismen so weit sein, dass solche Dimensionen schlicht ausgeschlossen sind. Längst können selbstlernende Systeme verdächtige Transaktionen erkennen. Dass von unzähligen Milliarden und Tausenden fragwürdiger Kunden keiner was mitkriegt, ist schlicht nicht möglich – außer man will es so oder kümmert sich nicht drum. Vorsätzlich oder fahrlässig. In beiden Fällen ist es zwar skandalös, aber in Europa längst kein Einzelfall.

Deutsche Experten kennen das Problem. Abgesehen vom Versagen des Zolls, der gerade 20.000 Verdachtsanzeigen liegen lässt, gilt Geldwäschebekämpfung auch hierzulande in vielen Instituten als lästige Pflichtübung. In den Augen provisionsgesteuerter Kundenberater steht sie nur dem Neugeschäft im Weg. Trotz unzähliger Affären scheint der Kulturwandel in der Finanzindustrie in Zeitlupe abzulaufen. So erhielt ausgerechnet der Branchenprimus Deutsche Bank von der Finanzaufsicht BaFin einen Aufpasser verordnet. Er soll überwachen, ob die Mängel in der Prävention beseitigt werden. Ein Novum in der Geschichte der Aufsicht.

Trotzdem gibt es in der Branche kaum Hoffnung auf Besserung. Im Gegenteil. Selbst die jungen Wilden scheinen dem Problem mit einer skandalösen Ignoranz zu begegnen. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche lässt sich beim gefeierten Fintechstar N26 mit einem plump gefälschten Ausweis mühelos ein Konto eröffnen. Die Ermittler der BaFin prüfen jetzt das Ausmaß der Affäre. Ein Pardon darf es nicht geben.

„Etwas ist faul im Staate Dänemark“, heißt es im „Hamlet“. Im Staate Deutschland leider auch.

So leicht lässt sich mit einem gefälschten Ausweis ein Konto eröffnen

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