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Bargeld Warum wir unsere Münzen und Scheine behalten sollten

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Erst die Scheine


Rogoff hat bereits einen möglichen Weg zur Abschaffung skizziert. Demnach könnte damit begonnen werden, nur die großen Bargeldnoten nicht mehr auszugeben, wie 500, 200 oder 100 Euro-Scheine. Danach kämen Scheine mit geringerem Wert, Münzen würden wenn überhaupt erst nach unbestimmter Zeit abgeschafft. Schon dieser Weg ist laut den Autoren fraglich. „Das allmähliche Auslaufen großer Banknoten kann Probleme schaffen“, schreiben Horstmann und Mann.

Ökonomen fordern: Weg mit dem Bargeld

Die Abschaffung von kleinen Scheinen und Münzen scheint dagegen völlig unpraktikabel. Man denke an Grundschulkinder, die ihr erstes Taschengeld nicht in einem Portemonnaie, sondern in Form einer Plastikkarte bekommen – und damit dann im Schwimmbad ihre „bunte Tüte“ Süßes bezahlen wollen. Bei aller Liebe zur hippen, digitalen Welt, das ist wohl fernab von jeder (wünschenswerten) Realität.
Trotzdem: „Die Freiheit der Bürger steht gegen die Interessenlagen der Banken und Regierungen“, warnen Horstmann und Mann in ihrem neuen Buch. Die Enteignung der Bürger mit Hilfe der niedrigen Zinsen würde so noch leichter fallen. Ein Bankrun wäre nicht mehr so einfach möglich, Bankkunden haben also kaum eine Handhabe, sich gegen Strafzinsen zu wehren. Zudem könnten Notenbanken elektronisches Geld noch leichter vervielfachen als gedrucktes, mahnen Horstmann und Mann.
Ein Risiko, so die Autoren, sei auch das fortschreitende Abdrängen der Deutschen Bundesbank an den Rand des Europäischen Währungssystems. Denn bisher verteidigen die Frankfurter die Institution Bargeld, in Dortmund wurde sogar eine neue Bargeldzentrale gebaut, Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele sagte vor kurzem, die Bank lehne „Restriktionen der Bargeldhaltung“ ab.


Trotzdem bleibt abzuwarten, inwiefern die Bundesbank sich dem Sog der Bargeldgegner entziehen kann. Horstmann und Mann liefern in ihrem Buch vorsichtshalber bereits Verhaltenshinweise für einen möglichen Abschied von den Scheinen. „Sich dieser Überwachung (der ökonomischen Aktivitäten, die Red.) zu entziehen, wird das Bestreben vieler Leser dieses Buches sein“. Horstmann und Mann raten dazu, die eigene Tauschfähigkeit aufrecht zu erhalten, beispielsweise durch das Halten von Edelmetallen wie Gold oder Silber in Münzform. Immerhin: Bitcoins seien nur eine eingeschränkte Ausweichmöglichkeit, so die Autoren.

Steuern & Recht



Insgesamt, so Horstmann und Mann, solle mit dem Buch keine Panik geschürt werden, sondern für die „denkbare Bedrohung unserer Freiheit“ sensibilisiert werden. Diese wichtige und richtige Botschaft vermitteln Ulrich Horstmann und Gerald Mann in ihrem Buch auf überzeugende Weise. Zwar werden dem Leser ein paar Redundanzen an der ein oder anderen Stelle nicht verborgen bleiben, dennoch leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Bargeld-Debatte und liefert dabei die richtigen Denk- und Handlungsanstöße – nicht nur für Verbraucher, sondern auch für die Politik.

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