BayernLB Bank will 2,3 Milliarden Euro frühzeitig zurückzahlen

Laut Insidern plant die BayernLB, 2,3 Milliarden Euro frühzeitig an den Freistaat zurückzuzahlen. Das EU-Verfahren würde damit drei Jahre früher enden – dadurch kann die Bank ihr Angebot im Ausland ausbauen.

huGO-BildID: 46537716 ARCHIV - Das Logo der Bayerischen Landesbank (BayernLB) ist am 08.02.2012 an der Zentrale der BayernLB in München (Bayern) zu sehen. Bayern und Österreich wollen den Milliarden-Streit um die einstige Staatsbank Hypo Alpe Adria außergerichtlich beilegen. Foto: Andreas Gebert/dpa (zu dpa «Österreich und Bayern wollen Streit um Hypo Alpe Adria beilegen» vom 07.07.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Die BayernLB will milliardenschwere Hilfen des Freistaats drei Jahre früher als geplant zurückgeben und damit die Voraussetzung für den Ausbau ihres Geschäfts im Ausland schaffen. Ziel ist es, die ausstehenden 2,3 Milliarden Euro bereits 2016 an das Land Bayern zurückzuzahlen, wie sechs mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Ein eigentlich noch bis 2019 laufendes EU-Verfahren könne damit frühzeitig beendet werden. In der Folge würden Auflagen aus Brüssel wegfallen, die dem Instituts bei Geschäften außerhalb Deutschlands enge Grenzen setzen.

Für die nach der LBBW zweitgrößte deutsche Landesbank wäre ein vorzeitiger Abschluss des EU-Verfahrens ein Befreiungsschlag, betonten mehrere Insider. "Die Bank könnte dann Niederlassungen in Asien eröffnen und ihre Firmenkunden in der Region besser unterstützen", sagte einer von ihnen. Auch im Immobiliengeschäft könne das Institut außerhalb der Bundesrepublik wieder etwas aktiver werden. In einigen Ländern geben es interessante Geschäftsmöglichkeiten. Das Geldhaus könne so auch sein von der EU verordnetes "Klumpenrisiko Deutschland" reduzieren. Die BayernLB und das Land Bayern, das Mehrheitseigner des Instituts ist, wollten sich nicht äußern.

Hier machen Banken Filialen dicht
Zehn Jahre lang hat die Sparkasse Wetzlar ihr Filialnetz nicht angefasst. Jetzt kommt der große Umbau: 15 von 49 Filialen will das Geldhaus aus dem hessischen Fachwerkstädtchen schließen, also gut 30 Prozent. 26 statt bisher 42 Geschäftsstellen sollen bis Ende 2016 noch mit Personal besetzt sein. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir auf geänderte Kundenanforderungen und betriebswirtschaftliche Belastungen reagieren müssen“, sagt Sparkassenchef Norbert Spory (im Bild). Quelle: Handelsblatt Online
Die Kunden gehen immer weniger in die Bankfiliale. Filialschließungen stoßen trotzdem oft auf Unmut. Zum Beispiel im Wetzlarer Ortsteil Garbenheim. Die Bürger sammelten Unterschriften gegen die Filialschließung, der Sparkassenchef musste seine Pläne im Ortsbeirat verteidigen. Immerhin: Bargeld abheben können die Garbenheimer Sparkassenkunden womöglich künftig bei einem Lebensmittelladen. Eine Reportage über das Filialsterben lesen Sie hier. Quelle: Handelsblatt Online
Zusammen kommen die 416 deutschen Sparkassen noch auf mehr als 12.000 mit Mitarbeitern besetzte Filialen. Vor zehn Jahren waren es noch rund 19.000. Es wurden also schon etliche Filialen geschlossen, im vergangenen Jahr allerdings schrumpfte die Zahl nur leicht. Das wird sich nach Einschätzung von Experten nun ändern. Sie gehen davon aus, dass etliche Sparkassen in den nächsten Jahren 20 bis 30 Prozent der Filialen streichen. Quelle: Handelsblatt Online
Die Sparkasse Duisburg feiert einmal im Jahr eine Gala (im Bild: Kabarettist Wolfgang Trepper). Doch für Schlagzeilen sorgte zuletzt, dass die Sparkasse Duisburg zwar mehr Geldautomaten aufstellen möchte – bis 2022 aber die Hälfte der mit Mitarbeitern besetzen Geschäftsstellen schließen, wie sie Ende Mai ankündigte. Das Institut verweist darauf, dass die heutige Filialdichte „in weiten Teilen aber dem Netz der 80iger Jahre“ entspreche. Damals allerdings hatte Duisburg noch mehr Einwohner als heute. Quelle: IMAGO
Im sächsischen Landtagswahlkampf spazierte Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 durch Annaberg-Buchholz – im Hintergrund eine Sparkassen-Filiale. Auch die Erzgebirgssparkasse dampft ihr Filialnetz ein. Nach der Fusion mehrerer Institute wurden binnen kurzer Zeit 38 von 95 Filialen geschlossen. Auch hier regte sich Protest. Immerhin: An Bargeld kommen die Kunden nun auch in 30 sogenannter Agenturen – oft Geschäfte, die im Auftrag der Sparkasse diese Dienstleistung übernommen haben. Darunter ist beispielsweise ein Fahrradladen. Quelle: dpa
Auch die Sparkasse Osnabrück will ihr Filialnetz ausdünnen. 17 von 58 Filialen sollen geschlossen werden. Investieren will das Geldhaus – wie andere Sparkassen auch – unter anderem in das Onlinebanking und in die Kundenbetreuung per Telefon und Chat. Trotzdem ist Sparkassenchef Johannes Hartig die Präsenz vor Ort wichtig. „Das Filialnetz ist und bleibt der genetische Code unserer Sparkasse!“, sagt er. Quelle: IMAGO
Zu den Sparkassen, die jetzt Filialen in größerem Stil streichen, gehört auch die Sparkasse Koblenz. Sie macht zehn von 48 Zweigstellen zu. „Wir müssen die Sparkasse jetzt so aufstellen, dass sie den geänderten Anforderungen unserer Kunden gerecht wird und für die künftigen Herausforderungen gewappnet ist. Wir dürfen nicht warten, bis es für eine positive Beeinflussung vielleicht zu spät ist“, sagt Sparkassenchef Matthias Nester. Trotzdem sind auch für ihn die Geschäftsstellen der „genetische Code unserer Sparkasse“. Quelle: IMAGO
Auch in Nienburg an der Weser stehen Filialschließungen bei Sparkasse und Volksbank an. Beide machten ihre Pläne sogar fast zeitglich bekannt. Die Volksbank Nienburg streicht sechs von 18 Geschäftsstellen, die Sparkasse Nienburg soll künftig 22 statt 33 Filialen mit Mitarbeitern haben. Daneben behält sie zehn Standorte mit Geldautomaten. In den Orten, wo es künftig keine Filialen mehr gibt, soll der Sparkassen-Bus Station machen. Der tourt bereits durch das Geschäftsgebiet. Quelle: IMAGO
Die Prognose, dass viele Filialen wegfallen werden, gilt auch für genossenschaftliche Institute, also Volks- und Raiffeisenbanken. Die Beratungsfirma Investors Marketing rechnet damit, dass die Zahl der Filialen bis 2020 um fast 18 Prozent auf dann rund 9500 fallen werde. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken meint, dass deren Zahl binnen drei bis fünf Jahren um mehr als zehn Prozent sinken werde. Quelle: IMAGO
Bei allen privaten Banken fällt die Zahl der Filialen bis 2020 um 20 Prozent, schätzt Investors Marketing. Einige Geldhäuser haben entsprechende Pläne bereits bekanntgemacht – mit teils kräftigen Einschnitten. So will die Deutsche Bank von den derzeit 700 Filialen bis zu 200 streichen, also mehr als jede vierte. Das soll bis zum Jahr 2017 passieren. Quelle: IMAGO
Die Hypo-Vereinsbank ist der Trendsetter. Sie hat mit ihren Filialstreichungen längst begonnen. Die Tochter der italienischen Großbank Unicredit verzichtet künftig auf fast jede zweite der 580 Filialen. Die Bank mit Hauptsitz in München hatte im Sommer vergangenen Jahres angekündigt, sie werde 240 Standorte bis Ende 2015 zusammenlegen oder schließen. 1500 Stellen sollen zudem wegfallen. Sie will nun eine „echte Multikanalbank“ werden. Eine Reportage über das Filialsterben lesen Sie hier. Quelle: dpa

Die BayernLB hatte sich in der Finanzkrise mit riskanten US-Wertpapieren und der Übernahme der österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria verzockt und wurde 2008 mit zehn Milliarden Euro vom Freistaat gerettet. Als Ausgleich für die Staatshilfen verdonnerte die EU-Kommission das Institut 2012 zu schrumpfen, Beteiligungen zu verkaufen und bis 2019 fünf Milliarden Euro an das Land zurückzubezahlen. Den Großteil der Vorgaben hat die Bank inzwischen erfüllt und bereits rund 2,7 Milliarden Euro an Bayern überwiesen.

Letzte Hürde Europäische Zentralbank

Die noch ausstehenden 2,3 Milliarden Euro will das Geldhaus begleichen, indem es Stille Einlagen in gleicher Höhe an den Freistaat zurückgibt. Diese zählen gemäß der strengeren Basel-III-Aufsichtsregeln ab 2018 ohnehin nicht mehr zum harten Kernkapital. Bereits heute ist ihr Nutzen für das Institut begrenzt. Die meisten Investoren schauen bei der Beurteilung von Banken nämlich nur noch auf die harte Kapitalquote bei voller Umsetzung der Basel-III-Regeln.

Wie die deutschen Banken abschneiden
Deutsche Bank Quelle: dpa
Commerzbank Quelle: dpa
Münchener Hypothekenbank Quelle: dpa
DZ-Bank Quelle: dapd
HSH Nordbank Quelle: dpa
Nord LB Quelle: dpa
IKB Quelle: dpa

Die EU-Kommission habe signalisiert, keine große Vorbehalte gegen einen frühzeitigen Abschluss des Verfahrens zu haben, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Ein Sprecher der Behörde wollte sich dazu nicht äußern. "Die EU überwacht die Umsetzung der Beihilfe-Entscheidung", erklärte der lediglich. Von der EZB war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die seit vergangenem Jahr für die Aufsicht der BayernLB und anderer Großbanken zuständig ist, muss der Rückzahlung Finanzkreisen zufolge zustimmen. Die EZB wolle das sehr genau prüfen, um sicherzugehen, dass die Gesamtkapitalquote der BayernLB auch im Falle eine Krise noch ausreichend sei, sagten zwei Insider. Zur Jahresmitte kam die Landesbank auf eine harte Kernkapitalquote ("fully loaded") von 10,6 Prozent. Damit liegt sie über den Anforderungen der Aufsicht, hinkt aber hinter Konkurrenten wie der Stuttgarter LBBW hinterher.

Rückenwind für Söder?

Die BayernLB habe noch nicht endgültig entschieden, die verbliebenen Milliarden 2016 zurückzuzahlen, betonten mehrere Insider. Es müssten noch Gespräche mit der EU-Kommission und der EZB geführt werden. Die Bank sei jedoch zuversichtlich, dass ihr Plan am Ende aufgehe. Sollte das gelingen, hätte der seit 2014 amtierende Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler innerhalb kurzer Zeit alle großen Altlasten der Bank beiseite geräumt.

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Bereits im vergangenen Jahr schlug er die kriselnde Ungarn-Tochter MKB und ein riskantes Wertpapierportfolio los. Im laufenden Monat soll zudem der Streit mit der österreichischen Heta im Zuge eines Vergleichs aus der Welt geräumt werden.

Das erfolgreiche Ausmisten bei der skandalgeschüttelten Landesbank könnte Insidern zufolge auch dem bayerischen Finanzminister Markus Söder helfen. Der CSU-Politiker ist in der Landesregierung für die BayernLB zuständig und würde 2018 gerne Nachfolger von Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident werden. "Herr Söder wird jede positive Entwicklung der Bank als seinen Erfolg verkaufen", sagte ein Insider.

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