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Benzin, Gas, Diesel Mit welchem Sprit Autofahrer am meisten sparen können

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Diesel und CNG profitieren von teurerem LPG

Das gilt allerdings nur bei Betrachtung der reinen Treibstoffkosten. Hinzu kommen aber noch die zusätzlichen Ausgaben für den alternativen Antrieb sowie die Kfz-Steuer, die maßgeblich vom Schadstoffausstoß bestimmt wird. Weil LPG und CNG deutlich sauberer verbrennen als Benzin und auch weniger CO2 produzieren, sind sie in der Steuer genauso günstig wie saubere Benziner.

Elektroautos produzieren theoretisch gar kein CO2, allerdings hängt das auch von Art der Stromproduktion ab. Noch immer speisen umweltschädliche Braunkohlekraftwerke unser Stromnetz. Nichtsdestotrotz sind Elektroautos in punkto Kfz-Steuer am günstigsten.

Berücksichtigt man neben den reinen Sprit- bzw. Energiekosten auch die durchschnittlichen Ausgaben für Kfz-Steuer, Versicherung, Wartung, Wertverlust, und den Aufpreis für alternative Antriebe oder die Umrüstkosten, sind die Gesamtkostenunterschiede weniger groß. So kostet zum Beispiel die Dieselvariante regelmäßig 1500 Euro mehr als ein vergleichbarer Neuwagen, der mit Benzin fährt. Die Umrüstung eines Benziners auf Autogas schlägt mit 2000 bis 4000 Euro zu Buche, ein Erdgasauto ist in der Anschaffung rund 3500 Euro teurer und ein Elektroauto sogar 10.000 Euro.

Das, sowie die Unterschiede in der Kfz-Steuer und in den Wartungskosten, schlägt sich in der Amortisationszeit für die Benzinalternativen nieder.

AntriebsartGesamtkosten
pro 100 km
Jährliche Ersparnis
gegenüber Benzin
Strecke bis zur
Amortisation
Dauer bis zur Amortisation
bei 20.000 km pro Jahr
Benzin14,72 €------
Diesel12,73 €97,60 €75.453 km 3,77 Jahre
LPG10,53 €357,93 €57.284 km2,86 Jahre
LPG ab 201911,97 €69,93 € 87.283 km 4,36 Jahre
CNG11,20 € 4,17 €99.408 km 4,97 Jahre
Strom8,00 €

-656,00 €

148.810 km7,44 Jahre
Quelle: amortisationsrechner.de; Stand: 14. März 2017
Annahmen: Benzin: 1,34 €/l; LPG 0,57 €/l, LPG ab 2019 0,72 €/l; CNG 1,07 €/kg; Strom 0,25 €/kWh; Betrachtungszeitraum 5 Jahre

Die Rechnung zeigt: Wird LPG ab 2019 teuer, könnte es gut sein, dass Diesel wieder die günstigste Alternative zum Benziner ist. Elektroautos sind zwar am umweltfreundlichsten, der hohe Aufpreis macht den Stromer - zumindest aus Sicht von fünf Jahren - zu einem Minusgeschäft. Erst wenn Elektroautos deutlich günstiger werden, sind sie auch wirtschaftlich attraktiv.

Wie Autoriesen auf Elektrowagen setzen
Unter Strom Quelle: dpa
GM (Opel) – Die Rückkehr des Ampera Quelle: obs
Ford – Noch einmal mit Gefühl Quelle: dapd
Toyota – der skeptische Weltmarktriese Quelle: AP
PSA (Peugeot und Citroen) – Franzosen mit Nachholbedarf Quelle: dpa
Hyundai-Kia – Elektrooffensive aus Korea Quelle: REUTERS
Geely (Volvo) – Schwedischer Herzschlag Quelle: REUTERS

Experten rechnen allerdings damit, dass vor allem Diesel, aber auch Benzinfahrzeuge in Zukunft mit höheren Steuern belegt werden. Zum einen, weil das Kraftfahrtbundesamt künftig den Schadstoffausstoß nicht mehr wie bisher von den Herstellern im Labor messen lassen will, sondern lieber selbst auf Teststrecken im realistischen Betrieb prüfen möchte, was hinten rauskommt. Das Bundesumweltministerium kritisiert seit langem die steuerliche Begünstigung von Dieselkraftstoff zur Entlastung der Wirtschaft. Zum anderen, weil auch der tatsächliche Verbrauch der Autos für die Steuer herangezogen werden soll. Bislang liegen die Verbrauchsangaben der Hersteller regelmäßig unter den tatsächlichen Werten im normalen Straßenverkehr.

Anders sei die Situation bei Erdgas. Bislang gibt es nur rund 100.000 mit CNG betriebene Fahrzeuge in Deutschland, das Versorgungsnetz ist mit 900 CNG-Tankstellen noch ziemlich löchrig. Zum Vergleich: Deutschlandweit gibt es 14.500 Tankstellen, davon knapp die Hälfte mit Zapfsäulen für LPG.

Weil Erdgas noch sauberer verbrennt als Autogas, findet diese Antriebsart dennoch viele Freunde unter Umweltschützern, zumal es eine natürliche Ressource darstellt, wo hingegen Autogas als Nebenprodukt in den Raffinerien in der Produktion alles andere als ökologisch ist. Während Autos mit LPG neun Prozent weniger Treibhausgase produzieren als vergleichbare Benziner, sind es bei CNG-Fahrzeugen sogar 15 Prozent weniger.

Der CNG-Antrieb hat also durchaus noch Potenzial, zumal in Ländern wie Italien schon heute deutlich mehr Autos mit Erdgas angetrieben werden als hierzulande. Aber auch diese Fahrzeuge sind noch zu teuer, die Tankgrößen genügen nur für eine geringe Reichweite. Tanken auf langen Distanzen erfordert deshalb genaue Planung, will man zwischendurch nicht doch wieder auf Benzin umschalten. Außerdem dürfte der geborstene Tank eines CNG-Autos, der den Fahrer an einer Gas-Tankstelle im Herbst 2016 schwer verletzte und für Schlagzeilen sorgte, viel Autokäufer verunsichert haben.

Verbände der Gas-Industrie wettern indessen gegen die Streichung des Steuerprivilegs für Autogas, das Kfz-Gewerbe, das an Gasumbauten und Gasanlagenwartung verdient, stimmt mit ein. Dabei war dieser Treibstoff eigentlich ein gelungener und praktikabler Kompromiss zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit.

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