WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Blüten unter der Lupe – dem Falschgeld auf der Spur

Ein Besuch bei den Schwarzgeld-Analysten.

Falschgeld unter der Lupe Quelle: dpa/Montage

Auf dem Tisch vor Rainer Elm liegen zwei 20-Euro-Scheine. Auf den ersten Blick sehen sie nahezu identisch aus, einer ist etwas verblasst. Elm nimmt den blassen Schein und hält ihn unter eine Lupe. Stück für Stück analysiert er und stellt fest, dass auf der Vorderseite links unten in der Ecke etwas faul ist. Normalerweise finden sich in die griechische Euro-Schreibweise „EYPΩ“ viele kleine Zahlen gedruckt. Die hat der Fälscher vergessen.  

Elm ist Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank in Mainz. Sobald in Deutschland irgendwo Falschgeld gefunden wird, egal ob Euro, Dollar oder Schwedische Krone, landet es bei ihm und seinen 15 Mitarbeitern unter dem Mikroskop. Hier werden die Blüten dann analysiert und kategorisiert. Jeden Tag kommt ein neuer Stapel falscher Geldscheine in das Mainzer Zentrum, normalerweise direkt von einer Bank oder der Polizei. „Wir erkennen an jedem Quadratzentimeter eines Geldscheins, ob er falsch oder echt ist“, sagt Elm. Selbst einen falschen Schein, der ausversehen in der Waschmaschine gelandet ist, können die Experten vom Mainzer Analysezentrum als solchen identifizieren.

Im ersten Halbjahr 2013 stellte die Bundesbank xy gefälschte Banknoten sicher. Das sind xy Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt waren 2012 rund 41.500 falsche Banknoten in der Bundesrepublik unterwegs (Nachfrage: Nur Euro oder auch andere Währungen?). Damit kommen auf 10.000 Einwohner in Deutschland gerade mal fünf Fälschungen. Nicht ganz so gut sieht es in der Eurozone insgesamt aus, da sind es immerhin knapp 20 Blüten.

Nach Angaben der Frankfurter Währungshüter ist die Dunkelziffer niedrig. Das mag vor allem daran liegen, dass sowohl Münzen als auch Geldscheine häufiger in eine Filiale der Bundesbank reisen, als viele denken. Denn nur ein kleiner Teil der täglichen Einnahmen im Einzelhandel werden als Wechselgeld wieder rausgegeben, der Großteil wird gerollt oder sortiert und vom Geldtransporter abgeholt. Der bringt das Geld dann entweder in eine Bank oder eine Filiale der Bundesbank. Im Schnitt kommt ein Schein pro Jahr 15-mal zur Bundesbank, kleine Scheine wie der Fünfer sogar noch häufiger. Spätestens dann wird das unechte Geld raussortiert und landet bei Elm und seinen Kollegen im Mainzer Analysezentrum.

Kein Hightech

Wer glaubt, für die Untersuchung von Falschgeld seien große, komplexe Geräte notwendig, der könnte bei einem Besuch in Mainz enttäuscht sein. Von Wasserbädern mit bunt schillernden Chemikalien oder ähnlichem ist hier keine Spur. Statt dessen setzten die Mainzer eher auf die körpereigenen Sinne. In einer Ecke von Elms Büro steht ein simples Mikroskop, so wie es die meisten aus dem Biologieunterricht kennen. Häufig nutzen die Prüfer – die meisten von Elms 15 Mitarbeitern sind gelernte Drucktechniker – simple Lupen. Lediglich das Gerät mit dem UV-Licht ist bei den Mainzer größer als die Apparate, die oft an den Kassen der Einzelhändler zu sehen sind. Während ein echter Schein unter UV-Licht blass bleibt, fangen die meisten Blüten grell an zu leuchten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%