Bundesregierung Steuererklärung künftig ohne Belege möglich

Der Papierwust bei der jährlichen Steuererklärung ist aufwendig und kann Nerven kosten. Nun soll alles einfacher werden. Künftig sollen die Bürger dem Finanzamt keine Belege mehr vorlegen müssen.

Die besten Finanzämter Deutschlands
Der Briefkasten des Finanzamtes in Euskirchen (NRW) Quelle: APN
Berlin-Zehlendorf Quelle: dpa
Das als Edelstein- und Garnisonsstadt bekannte Idar-Oberstein bietet seinen 28.300 Einwohnern ein kundenfreundliches Finanzamt an. Quelle: dpa
Rang 9: Oldenburg Niedersachsen (2,85 Punkte im Schnitt) schafft es in der Länderwertung gerade mal auf Platz 14 von 16. Das Amt Oldenburg allerdings sticht mit 4,65 Punkten deutlich positiv hervor. Quelle: dpa
Rang 7: Koblenz Koblenz ist mehr als 2000 Jahre alt, Teile der Stadt zählen zum UNESCO-Welterbe. Außerdem verfügt Koblenz über eine Universität. Ein weiterer Grund für die 111.000 Einwohner stolz auf ihre Stadt zu sein: Wie im Vorjahr landet das Finanzamt unter den Top 10. Quelle: dpa
Rang 2: Worms-Kirchheimbolanden Nur knapp den ersten Platz verpasst hat das Finanzamt in Worms-Kirchheimbolanden. Die Behörde aus Rheinland-Pfalz bekommt 4,90 Punkte. Rheinland-Pfalz hat mit einem Durchschnittswert von 3,65 Punkten im Schnitt die beliebtesten Finanzämter Deutschlands. Quelle: dpa
Bitburg hat nicht nur eines der am meisten verkauften Biere Deutschlands. Auch das Finanzamt genießt Ansehen. Quelle: obs

Die Bundesregierung will die jährliche Steuererklärung auf ein vollautomatisches Verfahren umstellen und Bürger und Finanzämter damit massiv entlasten. Nach eineinhalbjähriger Debatte zwischen Bund und Ländern will das Bundeskabinett am Mittwoch seinen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens auf den Weg bringen. Ziel ist es, dass die Masse der unkomplizierten Steuererklärungen ab 2022 überwiegend maschinell erledigt wird. Ab dann sollen außerdem Belege wie Spendenquittungen nur noch auf Anforderung ans Finanzamt geschickt werden müssen.

Mit der Reform will die Bundesregierung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sollen die Bürger jederzeit und papierlos mit dem Finanzamt kommunizieren können. Zum anderen sollen die Finanzbeamten von den Masseverfahren entlastet werden, um sich auf kompliziertere Fälle konzentrieren zu können. "Wir wollen die Bearbeitungszeiten verringern", hieß es in der Regierung. Bereits 2014 hatte die große Koalition mit dem Einstieg in die vorausgefüllte Steuererklärung einen ersten Schritt hin zu einem vollautomatisierten Verfahren gemacht.

So hoch ist die Steuerquote in verschiedenen OECD-Ländern

Die Rechtsgrundlage für die Volldigitalisierung soll zum 1. Januar 2017 stehen und dann bis 2022 flächendeckend umgesetzt werden. Am Ende soll nach den Vorstellungen der Regierung ein Steuerpflichtiger seine Daten im elektronischen Steuersystem "Elster" beim Finanzamt abrufen, prüfen und in seine digitale Steuererklärung übernehmen können. Daten Dritter wie des Arbeitgebers, der Krankenkasse oder über Kapitaleinkünfte sollen ebenfalls elektronisch eingefügt werden. Ist die Steuererklärung fertig, wird sie per Knopfdruck an das Finanzamt übermittelt und dort maschinell geprüft. Der Steuerbescheid kommt dann idealerweise ebenfalls digital an den Steuerpflichtigen zurück.

Was sich alles von der Steuer absetzen lässt - und was nicht

"Das Ziel muss am Ende sein, dass wir die Mehrzahl der Fälle automatisiert bearbeiten können", hieß es im Finanzministerium. Wenn ein Steuerpflichtiger den Wunsch habe, dass eine Fachkraft seine Steuererklärung prüfe, solle das aber jederzeit möglich sein. Außerdem soll ein "Risikofilter" dafür sorgen, dass ein bestimmter Prozentsatz der Steuererklärungen von einem Menschen kontrolliert wird. In dem Fall könnten auch Belege angefordert werden, die man ebenfalls elektronisch übermitteln können soll.

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Bei welchen Fällen der Risikofilter anschlagen soll, wird noch überlegt - veröffentlicht werden soll er nicht. Damit soll sichergestellt werden, dass jeder Bürger jederzeit damit rechnen muss, dass er in eine Kontrolle gerät, was Missbrauch vorbeugen soll. Im Finanzministerium hieß es dazu: "Es ist klug, den Steuerpflichtigen zu sagen, dass es einen Risikofilter gibt - und dass sie seine Funktionsweise nicht einschätzen können."

Mit dem vollautomatischen System werden auch die Fristen für die Abgabe der Steuerklärung geändert. Wer sich vom Steuerberater beraten lässt, soll zwei Monate mehr Zeit bekommen. Statt dem 31. Dezember des Folgejahres gilt dann also Ende Februar als Stichtag. Wird die längere Frist überschritten, soll künftig allerdings eine Strafgebühr fällig werden.

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