WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Corporate Governance Welche Erwartungen sich im Fall Hoeneß stellen

Im März werden die Steuervergehen von FC Bayern München-Präsident Uli Hoeneß vor Gericht verhandelt. Mit der nun erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens stellt sich vor allem die Frage: Was ist der richtige Weg im Umgang mit dieser Affäre?

Gegen den Präsidenten des FC Bayern München Uli Hoeneß ist Anklage erhoben worden. Quelle: dpa

Gegen den Präsidenten des FC Bayern München Uli Hoeneß ist Anklage erhoben worden. Es geht hier an dieser Stelle nicht um den Menschen Hoeneß, seine unleugbaren Erfolge und Verdienste, sondern um die Frage: „Was ist der richtige Weg im Umgang mit dieser Affäre“? Auch für Hoeneß gilt die Unschuldsvermutung In dubio pro reo (lat. „Im Zweifel für den Angeklagten“) bis zum Schluss. Was ihn angeht, wäre er aus Sicht des Autors gut beraten, gerade wegen seiner Verdienste seine Ämter beim FC Bayern für einige Zeit bis zur Klärung des Vorganges ruhen zu lassen.

Eine solche klare Entscheidung wäre auch im Interesse des Clubs und seiner Spieler, da diese Angelegenheit sicherlich auch in den nächsten Monaten noch mediale Wellen schlagen wird. Des weiteren wäre es auch ein klares Signal innerhalb einer Sportart, die in den letzten Monaten immer wieder für Schlagzeilen sorgte durch manipulierte Spiele und Wettskandale.

Welche Promis schon verurteilt wurden
900.000 Euro hinterzogene Steuern: Der Sänger Freddy Quinn hatte seinen Hauptwohnsitz jahrelang in der Schweiz, lebte aber überwiegend bei seiner Hamburger Lebensgefährtin Lilly Blessmann. Die deshalb in Deutschland fälligen Steuern, zwischen 1998 und 2002 immerhin rund 900.000 Euro, hat der Österreicher nach eigenem Eingeständnis aber nie bezahlt. Er habe sich nie mit finanziellen Dingen beschäftigt, rechtfertigte sich der Musiker vor Gericht. Außerdem beglich er sofort seine Steuerschuld, so dass im Prozess 2004 die verhängte Haftstrafe von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Hinzu kam ein Bußgeld über 150.000 Euro. Quelle: ap
970.000 Euro hinterzogene Steuern: Klaus Zumwinkel verlor wegen einer Steueraffäre seinen Job als Vorstandschef der Deutschen Post. Ermittler der Bochumer Staatsanwaltschaft durchsuchten vor laufenden Fernsehkameras im Februar 2008 das Privathaus des Topmanagers. Die Staatsanwaltschaft warf Zumwinkel vor, über die LGT Bank Geld in eine Stiftung nach liechtensteinischem Recht geschleust und so den deutschen Fiskus um fast eine Million Euro betrogen zu haben. Mitte Februar 2008 trat der Post-Chef zurück und wurde knapp ein Jahr später zu zwei Jahren Haft auf Bewährung plus Zahlung einer Geldstrafe von einer Millionen Euro verurteilt. Quelle: dpa
1,96 Millionen DM hinterzogene Steuern: Der frühere Verfassungsschutzchef und Ex-Verteidigungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls war eine Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre. Er räumte ein, vom Geschäftsmann Karlheinz Schreiber 3,8 Millionen Mark erhalten zu haben. Schreiber habe das Geld für ihn in der Schweiz verwaltet. Ausgehändigt worden seien ihm 873.000 Mark. Das Landgericht Augsburg erklärte ihn 2005 der Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung für schuldig und verurteilte ihn zu zwei Jahren und drei Monaten Haft. Pfahls kam nach gut 13 Monaten frei, musste aber Ende 2011 erneut wegen Bankrotts und Betrugs in Haft. Quelle: dapd
1,7 Millionen Euro hinterzogene Steuern: Um weniger Steuern zu zahlen, verlegte Tennis-Star Boris Becker Anfang der 90er-Jahre seinen Wohnsitz von München nach Monaco. Tatsächlich aber lebte er weiter überwiegend in Bayerns Metropole und nicht im Fürstentum. Das Landgericht München verurteilte ihn deshalb 2002 wegen Steuerhinterziehung von 1,7 Millionen Euro zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 500.000 Euro Geldstrafe. Becker räumte eigene Fehler ein – was das Gericht ebenso strafmildernd berücksichtigte wie die Tatsache, dass Becker vor Prozessbeginn rund 3,1 Millionen Euro Steuern nachgezahlt hatte. Quelle: dapd
22,6 Millionen DM hinterzogene Steuern: Der frühere Springreiter Paul Schockemöhle hatte große Summen über Stiftungen in Liechtenstein am deutschen Fiskus vorbeigeschleust. 1996 wurde er deshalb zu elf Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt und musste 22,6 Millionen Mark Steuern nachzahlen. Schockemöhle wurde zum Verhängnis, dass dem Liechtensteiner Treuhänder Herbert Batliner Teile seiner Kundendatei gestohlen und den deutschen Steuerbehörden zugespielt wurden. Der Ex-Sportler, dem für eine erfolgreiche Selbstanzeige keine Zeit mehr blieb, verklagte Batliner später wegen der Datenpanne – ohne Erfolg. Quelle: dpa
203 Millionen Euro hinterzogene Steuern: Das Landgericht München verurteilte den Geschäftsführer des VIP Medienfonds 3, Andreas Schmid, 2007 wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Schmid hatte versucht, den Fiskus um 203 Millionen Euro zu prellen, indem er beim Finanzamt zu Unrecht „gewinnmindernde Aufwendungen“ geltend machte. Der Angeklagte wusste, dass nur 20 Prozent der Aufwendungen für die Filmproduktion verwendet, aber 80 Prozent zugunsten des Fonds angelegt wurden. Kurioserweise war nicht Schmid selbst Nutznießer der Steuerersparnis. Profitiert haben vielmehr zum größten Teil die Anleger des Medienfonds. Quelle: obs

Der FC Bayern ist aber nicht nur ein eingetragener Verein mit Uli Hoeneß als Präsident, sondern auch eine AG, ebenfalls mit Herrn Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzender. Er übt nicht nur eine Kontrollfunktion aus, sondern unterliegt somit auch dem KonTraG, dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich.

Solange die Vorwürfe gegen Herrn Honess nicht abschliessend geklärt sind, wird dessen Verbleib als Vorsitzender des Aufsichtsrates der FC Bayern München AG wird durch Spezialisten für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität wie Robert Kilian, Vorsitzender des Deutschen Chapters der Association of Certified Fraud Examiners e.V. als höchst problematisch eingestuft.

Wie aber gehen die weiteren Wirtschaftsbeteiligten wie z.B. auch Sponsoren und Aktionäre mit dieser Affäre um? So ist der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG einvernehmlich der Meinung, dass Uli Hoeneß das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG trotz der nun erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens weiter ausüben soll.

Ein eiligst eingeholtes Rechtsgutachten betont, dass die im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG vertretenen Vorstandsmitglieder von deutschen Groß-Unternehmen für eine "zero tolerance"-Politik gegenüber Herrn Hoeneß sorgen müssten, fehlerhaft sei. Eine solche Verpflichtung gebe es selbst in börsennotierten Aktiengesellschaften nicht, und schon gar nicht gebe es sie im Hinblick auf Pflichtverletzungen im Privatbereich.

Des weiteren sehe das Gesetz für Mitglieder des Aufsichtsrats kein Amtsverbot wegen einer strafrechtlichen Verurteilung vor. Im Gegenteil: so gebe es hinreichend Beispiele für Fälle, in denen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder selbst börsennotierter Gesellschaften ihr Mandant behalten haben, obwohl diesen Vorwürfe gemacht wurden, in anderen Lebensbereichen strafrechtliche Pflichten verletzt zu haben. Auch dies ist wieder juristisch richtig.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Aber ist es ethisch?

Dieser Frage müssen sich verschiedene Mitglieder des Aufsichtsrates, auch angesichts ihrer Verantwortung in ihren Unternehmen und deren Mitarbeitern gegenüber, stellen: Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der Adidas AG, Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, Timotheus Höttges, Vorstand Finanzen und Controlling der Deutschen Telekom AG, Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und der Porsche Automobil Holding SE.

Sowohl die Audi AG als auch die Adidas AG kontrollieren jeweils 9,1% der Anteile der FC Bayern München AG, sind also direkt eingebunden. Und die Sponsoren Volkswagen und Deutsche Telekom  sowie Audi und Porsche machen bei dem Thema „Corporate Governance“ intern auch keine Kompromisse.

Ob hier nicht die Glaubwürdigkeit einer eigenen Corporate-Governance-Politik untergraben wird, ist die zentrale Frage, die durch das Rechtsgutachten nicht abgedeckt wurde. Diese Frage gilt es schnellstens zu beantworten, auch um eine Bagatellisierung solcher Vorgänge potentieller Oberschichtenkriminalität entgegenzuwirken. Ansonsten drängt sich der Verdacht auf, dass Corporate Governance für die Kleinen ein Fallbeil und für die Großen ein Feigenblatt ist.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%