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Cum-Cum-Geschäfte Steuer-Schlupflöcher vor dem Aus

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Für alle ein Plus - außer den Fiskus

Vor einer Dividendenausschüttung verleiht daher der ausländische Anleger oder Fonds seine Aktie an eine Bank oder einen Spezialfonds in Deutschland. Die so genannte Wertpapierleihe ist bei Großanlegern populär, denn mit ihr lassen sich Zusatzerträge verdienen bei den Aktien, die sowieso langfristig im Depot liegen. Die Aktien müssen nicht aufwendig transferiert werden, die Aktienkurse werden nicht durch große Verkäufe belastet und der ausländische Anleger oder Fonds erhält eine vereinbarte Leihgebühr. Aber das volle Eigentum an den Aktien erhält die Bank in Deutschland oder der Spezialfonds, die ihm die Aktien zeitweise abnehmen. Und deshalb taugt die Wertpapierleihe auch, um eine Dividendenbesteuerung zu umgehen, denn die Dividende kassieren eine Bank oder ein Spezialfonds in Deutschland steuerfrei.

Nach der Dividendenausschüttung wird die Wertpapierleihe beendet und die deutschen Dienstleister zahlen dem ausländischen Investor einen vereinbarten Betrag, der niedriger ist als die ausgeschüttete Dividende. Für beide Seiten bleibt ein Plus.

Machtlose Finanzämter

Jahrelang hat der deutsche Fiskus die Deals toleriert, doch die Rekorddividenden wecken Begehrlichkeiten und jetzt droht der Fiskus mit einer Gesetzesverschärfung etwa im Investmentsteuergesetz.

Inländische Investmentfonds, die auch für Privatanleger zugänglich sind, dürfen sich keine Aktien leihen. Mit im Spiel sind aber Spezialfonds, die Aktien der Ausländer leihen können, für sie könnte nach einer Gesetzesänderung das Dividenden-Geschäft gestoppt oder unattraktiver werden.

Allerdings: Es ist für den Fiskus schwierig, ausländische Anleger in Schach zu halten. Sie könnten auch das machen, was jeder Privatanleger macht, der etwa französische Aktien im Depot hält: Jährlich umständliche Verfahren einer Quellensteuer-Rückerstattung zu praktizieren ist vielen Privatanlegern zu teuer und aufwendig. Sie verkaufen also lieber Aktien vor der Dividendenausschüttung und kaufen sie danach zurück. Wenn Großanleger das künftig so machen, weil ihnen andere Wege versperrt werden, würden die Aktienkurse mitunter rund um den Dividendenstichtage stärker schwanken. Die Wertpapierleihe war eine risikolosere Variante, weil sie keinen Einfluss auf die Aktienkurse hatte. Käufe und Verkäufe die die Kurse bewegen, erhöhen die Risiken für die Auslandsanleger, mitunter nehmen sie daher vielleicht die Steuerzahlung zähneknirschend hin.

Unbeteiligte heimische Fondsanbieter?

Die Wertpapierleihe gehört auch bei großen heimischen Fondsanbietern mit der Vielzahl Luxemburger Fonds zum täglichen Geschäft. Deutsche AWM oder Deka erzielen mit ihren Fonds Einnahmen aus der Wertpapierleihe, die überwiegend den Anlegern zufließen. Man sieht das als Teil des treuhänderischen Auftrags. „Wir stellen sicher, dass alle Transaktionen im Einklang mit dem geltenden Recht stehen“ heißt es von Deutsche AWM. Das Sparkassenhaus Deka Investment verleihe bei Luxemburger Fonds Aktien, praktiziere dies aber nicht, um Dividendensteuern zu sparen, ebenfalls leihe sich die Dekabank selbst keine Aktien, um bei solchen Geschäften behilflich zu sein. Dass aber die Aktien teilweise auch über den Dividendenstichtag hinaus verliehen werden, will niemand komplett ausschließen. Es soll aber zumindest nicht geschehen, um am Fiskus vorbei zu operieren oder Steuererstattungen zu erschleichen.

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