Datenpanne beim Zoll Autobesitzer sollten ihre KfZ-Steuer prüfen

Wegen Datenbankproblemen beim Zoll wurden Autofahrern womöglich zu hohe Beträge für die Kfz-Steuer abgebucht. Was Sie jetzt tun sollten.

Datenpanne bei der Kfz-Steuer Quelle: dpa

Zahlreichen Autofahrern wird in diesem Jahr womöglich eine zu hohe Kfz-Steuer abgebucht. Grund dafür ist offenbar eine Datenpanne bei der zuständigen Behörde - dem Hauptzollamt. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) warnt daher, Autobesitzer sollten ihre Abrechnung genau überprüfen und sich bei Abweichungen beim Hauptzollamt melden.

Betroffen sind hauptsächlich Pkw-Besitzer, aber auch Steuerzahler mit Lkw oder Motorrad. Dabei geht es um jene Fahrer, die entweder in den letzten Monaten erst ein neues Auto angemeldet haben oder ihre Steuer per Lastschrift zahlen. Isabell Klocke, Leiterin der Abteilung Steuerrecht und Steuerpolitik beim BdSt erklärt, in einigen Fällen seien auch erneute Einzugsermächtigungen eingeholt worden.

Darum scheitern die Deutschen an der Steuererklärung
Die UmfrageWas wissen die Deutschen über Steuern und die Steuererklärung? Dieser Frage wollte der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) nachgehen und beauftragte das Forschungsinstitut Forsa mit einer repräsentativen Umfrage. Insgesamt 1002 Angestellte und 501 Rentner nahmen teil. Die Ergebnisse sind zum Teil erschreckend. Quelle: dpa
Zwei Typen von FragenInsgesamt mussten die Befragten neun Wissensfragen beantworten. Sieben davon bewerten die VLH-Steuerexperten als leicht, diese waren mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Gefragt wurde zum Beispiel, ob Fahrtkosten, die Kosten für eine Tagesmutter, Ausgaben für Medikamente oder die Rechnung für den Reifenwechsel absetzbar sind. Hier lag die Mehrzahl der Befragten noch richtig. Quelle: dpa
Mehr AntwortmöglichkeitenFür die beiden anderen Fragen brauchte es handfestes Faktenwissen. Hier gab es nicht nur zwei, sondern mehrere Antwortmöglichkeiten. Gefragt wurde nach der Höhe des Grundfreibetrags und dem maximalen Wert absetzbarer Werbungskosten. „Je mehr Antwortmöglichkeiten es gab, desto weniger Befragte lagen richtig“, sagt der Vorstandsvorsitzende der VLH, Jörg Strötzel. Das bestätige die Vermutung, dass viele schon bei leichten Fragen zur Einkommensteuer ins Schwimmen kommen. „Geht es dann um belastbares Faktenwissen, tun sich die meisten sehr schwer“, so Strötzel. Quelle: dpa
Welche Kosten sind absetzbar?Die Frage: „Es gibt diverse Kosten, die man steuerlich geltend machen kann. Welche der folgenden Kosten kann man von der Steuer absetzen? Tagesmutter, Putzfrau, Anzug fürs Büro, Medikamente, Reifenwechsel am Auto.“ 63 Prozent der abhängig Beschäftigten wissen, dass die Kosten für eine Tagesmutter von der Steuer abgesetzt werden können. 56 Prozent wissen dies von den Kosten für Medikamente, 48 Prozent von den Kosten für eine Putzfrau. Quelle: ZB
Das ist nicht absetzbar42 Prozent der Befragten glauben, dass auch die Kosten für Anzüge für das Büro steuerlich absetzbar sind und immerhin fünf Prozent glauben, dass auch die Kosten für einen Reifenwechsel am Auto von der Steuer abgesetzt werden können. Das stimmt jedoch nicht. Quelle: dpa
Fahrtkosten zur ArbeitÜber die Absetzbarkeit von Fahrtkosten weiß die Mehrheit (88 Prozent) der abhängig Beschäftigten Bescheid. Die jüngeren Befragten (unter 35 Jahren) wissen etwas seltener als der Durchschnitt, dass man Fahrtkosten von der Steuer absetzen kann. Quelle: dpa
Jährlicher GrundfreibetragNur 11 Prozent der abhängig Beschäftigten wissen die ungefähre Höhe des jährlichen steuerlichen Grundfreibetrags korrekt einzuschätzen (für 2014 lag er für Ledige bei 8354 Euro). 52 Prozent wissen nicht, wie hoch der steuerliche Grundfreibetrag ist oder was ein Grundfreibetrag überhaupt ist. Ein Fünftel (19 Prozent) der Befragten denkt, dass nur weniger als 3000 Euro pro Jahr steuerfrei sind. Quelle: dpa

Grund für das Durcheinander ist die veränderte Zuständigkeit für die Kfz-Steuer. Diese ist 2009 von den Ländern auf den Bund übergegangen, im ersten Halbjahr dieses Jahres hat die Zollverwaltung das Festsetzen und Erheben der Kfz-Steuer übernommen. Bei der Übertragung der Daten für rund 58 Millionen Fahrzeuge in Deutschland aus den Datenbanken der Länder zum Zoll ist es offenbar zu Übertragungsfehlern gekommen, welche die fehlerhaften Berechnungen verursachen. Diese Fehler müssen nun einzeln korrigiert werden.

Was tun?

Wer den Eindruck hat, seine Steuer sei zu hoch, der sollte zunächst den aktuellen Steuerbetrag mit dem aus dem letzten Jahr vergleichen - vorausgesetzt, das Auto ist noch dasselbe. Auch ein Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums kann als Referenz dienen.

Außerdem können die Daten im Steuerbescheid auf ihre Richtigkeit geprüft werden, denn diese sind für die Berechnung der Steuerlast maßgeblich. Sie können mit den Angaben aus dem Fahrzeugschein abgeglichen werden. Relevant sind

- die CO2-Emission des Wagens

- die Antriebsart, also ob es ein Diesel-, Otto-, Wankel-, Elektro- oder Hybridantrieb ist

- das Datum der ersten Zulassung - je nach Zulassungsdatum gelten unter Umständen andere CO2-Emissionsgrenzen

- die Größe des Hubraums.

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Verluste aufgeholt

Während Steuerzahler offenbar teilweise zu viel zahlen, sind die Einbußen des Staates nach der Übernahme der Verwaltung durch den Zoll nahezu wettgemacht. Im Juli stieg das Aufkommen aus der Kraftfahrzeugsteuer gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,2 Prozent, wie das Bundesfinanzministerium mitteilte. In den ersten sieben Monaten des Jahres lag es dagegen mit rund 5,22 Milliarden Euro um 2,6 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Für 2014 werden insgesamt Einnahmen von 8,4 Milliarden Euro aus der Kfz-Steuer erwartet.

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