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Die Sommerpause ist vorbei So gewinnen Sie Ihre Bundesliga-Tipprunde

Ein zweimaliger Gewinner verrät seine geheime Strategie: Wie Sie ein Fußball-Tippspiel mit Kollegen oder Freunden gewinnen, wie viel der Fiskus vom Gewinn verlangt.

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Die teuersten Transfers des Sommers
Christian Clemens (Schalke 04) Ein Nachwuchstalent für Schalke 04: Der gebürtige Kölner und einstige Hoffnungsträger des 1. FC Köln wechselte zu den Knappen. Für Clemens, der im linken offensiven Mittelfeld spielt, zahlten die Königsblauen drei Millionen Euro. Quelle: AP
Mohammed Abdellaoue (VfB Stuttgart) Nach vorne spielte der VfB Stuttgart in den vergangenen Zeiten wahrlich nicht berauschend. Um der Angriffsflaute Herr zu werden, hat der Verein Mohammed Abdellaoue, einen Norweger mit marokkanischen Wurzeln verpflichtet. Abdellaoue stand zuvor in Diensten von Hannover 96 und kostete 3,5 Millionen Euro. Quelle: dpa
Leon Goretzka (Schalke 04) Der gerade mal 18-Jährige Leon Goretzka gilt als Jahrhunderttalent. Bayern, Dortmund und Real Madrid sollen an dem Bochumer interessiert gewesen sein. Sie alle rühmen seinen Überblick, seine Abschlussstärke und sein Selbstbewusstsein. Der Mittelfeldspieler, der sich "kontinuierlich entwickeln" will, entschied sich schließlich für Schalke 04. Vier Millionen Euro legten die Königsblauen dafür auf den Tisch. Quelle: dpa
Adam Szalai (Schalke 04) Für acht Millionen Euro holte Schalke 04 den Stürmer Adam Szalai aus Mainz. Für Torjäger Klaas-Jan Huntelaar könnte sich der Ungar zu einer echten Konkurrenz entwickeln. Quelle: dpa
Sokratis (Borussia Dortmund) Auch Schalkes Erzrivale, Borussia Dortmund, war auf dem Transfermarkt tätig. Der griechische Verteidiger Sokratis wechselte für 8,5 Millionen von Werder Bremen zu den Dortmundern. Quelle: dpa
Heung-Min Son (Bayer Leverkusen) Der Koreaner Heung-Min Son stürmt künftig statt für den Hamburger SV für Bayer Leverkusen. Bei der Werkself soll Son den zum FC Chelsea gewechselten Andre Schürrle ersetzen. Sein Preis: zehn Millionen Euro. Quelle: AP
Pierre-Emerick Aubameyang (Borussia Dortmund) Pierre-Emerick Aubameyang ist einer der schnellsten Spieler in Europa und hat das Zeug zum Publikumsliebling. Zuvor stürmte der Mann aus Gabun für den französischen Erstligisten AS St. Etienne. Um sich seine Dienste zu sichern, zahlte Borussia Dortmund 14 Millionen Euro. Quelle: dpa

 

Dies ist der heikelste Text meiner journalistischen Laufbahn. Zwei Mal in Folge habe ich das Bundesliga-Tippspiel in der WirtschaftsWoche-Redaktion gewonnen. Für 10 Euro Einsatz bekam ich jeweils knapp 120 Euro ausgezahlt. Ein Plus von 1100 Prozent pro Jahr. So viel Rendite versprechen sonst nur Anlagebetrüger. Und den Gewinn gibt es sogar steuerfrei.

Prinzipiell würden die Gewinne aus Tippspielen zwar zu "sonstigen Einkünften" zählen, sagt Alexander Kimmerle, Steuerberater bei Ecovis in Kempten. "Damit die zu versteuern sind, muss es aber eine Tätigkeit mit Einnahmeerzielungsabsicht geben." Davon sei bei Tippspielen und Lotterien nicht auszugehen, da die Gewinnchance viel zu gering sei. Anders sehe es etwa bei Berufspokerspielern aus.

Soweit, so gut! Doch in der nun startenden Saison 2013/2014 könnte es mit meinem Triple-Tippspiel-Sieg schwer werden. Spätestens nach diesem Text kennen auch die Kollegen meine Strategie und können sie abkupfern. Das hat einen Vorteil: Sollte es nicht zum dritten Mal klappen, habe ich schon eine Erklärung parat.

Eins vorweg: Mit Fußball-Sachverstand hat ein Tippspiel-Sieg kaum zu tun. Ich jedenfalls verfolge die Bundesliga zwar, schaue aber nicht jede Woche Sportschau. Vielleicht liegt mein moderates Interesse auch daran, dass mein Lieblingsclub, der Hamburger Sport-Verein, zuletzt nur mäßig Lust auf Fußball gemacht hat.

Das klassische Fußball-Tippspiel funktioniert immer ähnlich: Punkte gibt es bei richtig getippter Tendenz (Heimsieg, Unentschieden, Auswärtssieg). Im WiWo-internen Tippspiel sind das 2 Punkte. Einen Punktaufschlag bekommt ein Spieler, wenn die Tordifferenz stimmt (also zum Beispiel ein 2:1 Tipp bei einem 1:0 Ergebnis, bei der WiWo gibt es dafür 3 Punkte) oder das Ergebnis sogar exakt richtig getippt wurde (in der Redaktion 4 Punkte).

Insgesamt gibt es pro Saison 306 normale Partien - alle 18 Bundesliga-Teams spielen gegen ihre 17 Gegner. Einmal zu Hause, einmal auswärts. Dazu kommen noch zwei Relegationsspiele, in denen zum Saisonende der 16. der Erstliga-Tabelle gegen den 3. der Zweitliga-Tabelle spielt. Allein die Anzahl der möglichen Spielausgänge in der regulären Spielzeit ist also extrem groß (308 Spiele à drei Möglichkeiten, also 924 Optionen).

Die Wahrscheinlichkeit die Tendenz aller Spiele immer richtig zu tippen, ist natürlich unendlich klein (zumindest wenn man von rein zufälligen Spielausgängen ausgeht). Das schafft niemand - brauchen Sie als künftiger Tippspielsieger auch nicht.

Tatsächlich kann ein Blick in die Statistiken helfen. Seit Start der Bundesliga 1963 endete etwa jedes zweite Spiel mit einem Heimsieg. Das ist also rein statistisch der wahrscheinlichste Spielausgang. Ein 2:1 ist hier das am häufigsten exakt aufgetretene Ergebnis, allerdings endeten weniger als 10 Prozent der Spiele so. In der vergangenen Saison waren es 8,5 Prozent der Spiele. Bei den exakten Ergebnissen ist ein 1:1 der häufigste Spielausgang. So endete seit 1963  etwa jedes zehnte Spiel. In der vergangenen Saison waren es sogar 12 Prozent der Partien.

In den meisten Tippspielen bietet ein Unentschieden einen weiteren Vorteil: Gibt es für die richtig getippte Tordifferenz einen Punktaufschlag, hat man den bei einem Unentschieden-Tipp und einem tatsächlich mit Unentschieden beendeten Spiel sicher. Schließlich ist die Tordifferenz in diesem Fall immer gleich null.

Entscheidend ist nun, wie man diese Statistik in eine Tippspiel-Strategie übersetzt. Ein Ansatz: Für das exakt richtig getippte Ergebnis gibt es am meisten Punkte. Also könnte der Tipper alle Spiele mit 1:1 tippen, dem langfristig wahrscheinlichsten Ergebnis. In der vergangenen Saison inklusive Relegation hätte die Strategie nach unserer Redaktions-Zählweise 271 Punkte gebracht (also 4 Punkte für alle richtigen 1:1-Tipps, 3 Punkte für alle richtigen Unentschieden-Tipps mit anderem Torergebnis).

Statistischen Häufigkeiten intelligent nutzen

Das sind die wertvollsten Fußball-Marken
Platz zehn: Borussia DortmundDas Londoner Beratungsunternehmen Brand Finance hat die Markenwerte der internationalen Fußballvereine bewertet. Zur Ermittlung der Werte nutzte das Unternehmen unter anderem Schätzungen der künftigen Umsätze, die dem Markennamen zuzuordnen sind und zog dafür etwa bestehende Lizenzverträge heran. Nach diesem Ranking erreicht der Champions-League-Finalist Borussia Dortmund mit einem Markenwert von 260 Millionen Dollar (202 Millionen Euro) Platz zehn. Was das Wachstum angeht, ist der BVB der zweitbeste Fußballclub der Welt mit einem Zuwachs von 24 Millionen Euro. Die umsatzstärksten Vereine finden Sie übrigens hier. Quelle: dpa
Platz neun: AC MailandDer AC Mailand bringt es mit einem Markenwert von 204 Millionen Euro auf Platz neun. Im Jahr 2012 taxierten die Experten von Forbes den italienischen Club auf einen Wert in Höhe von 989 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Platz acht: Manchester CityDer britische Club Manchester City (Manchester City Football Club) spielt aktuell in der britischen Premier League. Brand Finance bescheinigt dem Verein einen Markenwert in Höhe von 257 Millionen Euro - macht Platz acht im Ranking der wertvollsten Fußballmarken. Quelle: dpa
Platz sieben: FC LiverpoolNach Angaben des US-Magazins Forbes von 2012 liegt der reine Wert des Traditionsvereins FC Liverpool bei 619 Millionen Dollar (rund 478 Millionen Euro). Der von Brand Finance berechnete Markenwert liegt mit 280 Millionen Euro zwar unterhalb dieses Betrags. Im Ranking reicht es dennoch für Platz sieben. Quelle: AP
Platz sechs: FC ArsenalAuch der sechste Platz ist in britischer Hand: Mit einem Markenwert von 319 Millionen Euro schlidderte der FC Arsenal knapp an den Top 5 vorbei. In puncto Wachstum schafft es Arsenal auf Platz acht der internationalen Vereine. Der Club konnte im letzten Jahr einen Zuwachs von 14 Millionen Euro verbuchen. Quelle: AP/dpa
Platz fünf: FC ChelseaNur sechs Millionen Euro mehr wert ist der britische Club FC Chelsea. Auf 325 Millionen Euro taxierten die Unternehmensberater den Markenwert des Vereins. Im Forbes-Ranking 2012 kamen die Londoner nach diversen sündhaft teuren Kaufexzessen auf einen Vereinswert von 761 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Platz vier: FC BarcelonaAuf Platz vier folgt der FC Barcelona mit einem Markenwert von 444 Millionen Euro. 2012 war „Barca“ laut Forbes-Angaben rund 1,34 Milliarden Dollar wert. Allein aus den TV-Vermarktungstöpfen flossen 266 Millionen Dollar auf das Konto der Katalanen - mehr als an jeden anderen Verein im Vergleich. Quelle: AP

Aber ein Heimsieg ist ja eigentlich der häufigste Spielausgang. Neuer Ansatz: Immer auf Heimsieg tippen, immer 2:1. Nach WiWo-Zählweise hätte diese Strategie vergangene Saison immerhin 342 Punkte gebracht, wäre dem ständigen 1:1-Tipp also deutlich überlegen gewesen. Schließlich hätten auch alle Heimsiege mit anderem Ergebnis Punkte gebracht.

Aber Vorsicht: Mit den immer gleichen Tipps verprellen Spieler vermutlich die Mittipper. Solche Strategien sind zu simpel, durchschaubar und damit auch leicht kopierbar. Wer sich nicht extrem unbeliebt machen will, sollte diese Ideen sofort verwerfen. In einigen Spielrunden sind solche immer gleichen Tipps sowieso verboten.

Eine echte Sieger-Strategie sieht anders aus. Sie muss die statistischen Häufigkeiten intelligent nutzen, ohne dass das sofort erkennbar ist. Konkret: Wettanbieter (wie Bwin oder MyBet) weisen für jedes Bundesliga-Spiel die Quoten aus. Je höher die Quote für eine Mannschaft, desto unwahrscheinlicher, dass sie gewinnt. Die Wettanbieter haben ein Interesse daran, alle verfügbaren Informationen zu berücksichtigen. Sonst würden sie schnell finanzielle Probleme bekommen. Sie müssen also besser informiert sein, als es ein mäßig interessierter Tippspieler je sein kann. In vielen Online-Tippspielangeboten werden die Quoten sogar bei der Tippabgabe zur Info angezeigt.

Meine Strategie sieht daher ungefähr so aus: Weisen die Wettanbieter die Heimmannschaft als klaren, aber nicht extrem klaren Favoriten aus, tippe ich ein 2:1 auf die Heimmannschaft. Ein solches Spiel wäre an diesem Wochenende zum Beispiel Hertha BSC Berlin gegen Eintracht Frankfurt. Ist die Heimmannschaft extremer Favorit, tippe ich eine noch höhere Tordifferenz. Das kommt zum Beispiel beim heutigen Auftaktspiel FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach infrage, also zum Beispiel 2:0, 3:1 oder 4:1. Liegen die Quoten eng beieinander oder ist die Auswärtsmannschaft knapper Favorit, tippe ich ein 1:1. Nur wenn die Auswärtsmannschaft deutlich als Favorit gesehen wird, tippe ich auf das Auswärtsteam. In der Regel dann auch ein 1:2 (was knapp wahrscheinlicher als ein 0:1 ist). Bei extremen Auswärtsfavoriten sind auch hier wieder höhere Tordifferenzen möglich.

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Dazu kommt noch ein psychologischer Kniff. Kollegen sprechen vom emotionalen Hedging, also einer Absicherung, die es sonst nur an der Börse gibt. In der Regel tippe ich gegen mein Lieblingsteam, also den HSV. Denn so kann ich sicher sein: Gewinnen die Rothosen, freue ich mich darüber. Verlieren sie, habe ich zumindest ein paar Punkte bekommen. Spötter in der Redaktion vermuten deshalb, dass allein die durchwachsene Saisonbilanz der Hanseaten mir meine beiden Gesamtsiege im Tippspiel eingebracht hätte. Das ist natürlich Unsinn. Und bei einigen Spielen, etwa gegen Bremen, bringe ich den Anti-HSV-Tipp eh nicht übers Herz.

Hier also meine Tipps für den ersten Bundesliga-Spieltag nach statistischen Erwägungen:

München

Gladbach

4:1

Augsburg

Dortmund

1:3

Hertha

Frankfurt

2:1

Hoffenheim

Nürnberg

2:1

Leverkusen

Freiburg

2:0

Hannover

Wolfsburg

1:1

Braunschweig

Bremen

1:1

Mainz

Stuttgart

1:1

Schalke

Hamburg

2:0

Zum Schluss muss ich gestehen: So richtig halte ich mich an diese strategischen Ansätze in der Praxis nicht. Ein wenig Bauchgefühl ist natürlich dabei, sonst macht das Tippspiel ja keinen Spaß.

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