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Erbe Die Angst vor dem Steuerstaat

Viele wohlhabende Familien sorgen sich um ihr Vermögen. Was passiert, wenn der klamme Staat sich an dem Vermögen vergreift? Wie Reiche ihr Geld in Sicherheit bringen.

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Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler: Vermögende fürchten sich vor steigenden Steuern und Abgaben. Quelle: dpa

Die europäische Idee gibt es nicht zum Nulltarif. Deutschland beteiligt sich mit knapp 73 Milliarden Euro an den Hilfspaketen für Griechenland, Portugal und Irland. Dazu kommen Ausfallrisiken in Höhe von bis zu 211 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm und unkalkulierbare Milliardenbeteiligungen bei möglichen Anleiheausfällen über die Europäische Zentralbank. Schon jetzt kalkuliert der Bund der Steuerzahler die Schuld von Bund und Länder auf mehr als zwei Billionen Euro.

Viele Wohlhabende registrieren solche Zahlen mit Argwohn. Sie denken vor allem daran, dass der Finanzbedarf des Staates in Zukunft wachsen dürfte. „Die Politik hat verschiedene Instrumente in ihrem Folterkasten“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach. Bei einer Eskalation der Schuldenkrise könnte der Gesetzgeber Großanleger verpflichten, einen bestimmten Anteil Staatsanleihen zu halten. Investitionen in Immobilien, Aktien oder Gold könnten beschränkt werden. Kurzfristige Erträge brächten dem klammen Staat aber vor allem Sondersteuern, etwa für hohe Vermögen oder Erbschaften.

Zankapfel Erbe - die größten Fallstricke
Emotional überfordertWenn Partner oder Eltern sterben, ist das eine hohe emotionale Belastung. Aber auch eine große Erbschaft kann auf die Psyche schlagen. Das kann sich unterschiedlich auswirken. Nicht selten rutschen die Erben ab oder schlagen über die Stränge. Das Ergebnis ist dasselbe: Das Erbe wird verprasst, für Autos, Reisen, Partys. Mit entsprechenden Regelungen – etwas einer Dauertestamentsvollstreckung mit monatlichen Auszahlungen – kann dem entgegengewirkt werden. Quelle: dpa
Kein TestamentLiegt kein schriftliches und unterschriebenes Testament vor, gilt die gesetzliche Erbfolge – auch wenn der Erblasser mündlich einen anderen letzten Willen ausgesprochen hat. Stirbt ein Ehepartner, erbt der überlebende Partner. Gibt es Kinder, egal ob ehelich oder unehelich, bekommt der Ehepartner 50 Prozent und die Kinder teilen sich die verbleibenden 50 Prozent. Quelle: dpa
Langfristige BindungDas Berliner Testament ist beliebt und weit verbreitet. Doch es hat seine Tücken, denn es zementiert eine einmal getroffene Regelung. Bei dieser Testamentsform, setzen sich Eheleute gegenseitig als Alleinerben ein. Erst wenn beide tot sind, erben die Kinder. Diese Quote kann ein überlebender Elternteil im Nachhinein nicht verändern. Es sei denn, es gibt eine Klausel, die dies erlaubt. Ein neues Testament des länger Lebenden gilt nicht - das Berliner Testament geht immer vor. Quelle: dpa
Pflichtteilsstrafklausel und Jastrow’schen KlauselHat nun ein Ehepaar ein solches Berliner Testament und ein Ehepartner verstirbt, ist der Überlebende Partner erst einmal Alleinerbe. Steckt nun das ganze Vermögen des Paares in einem Grundstück mit Häuschen und die Kinder fordern ihren Pflichtteil, muss der überlebende Partner Haus und Hof verkaufen, um die Kinder auszubezahlen. Verhindern lässt sich solch ein Fall mittels der Pflichtteilsstrafklausel im Testament. Dabei verfügt das Paar, dass ein Kind, das beim Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil einfordert, beim Tod des zweiten Elternteils enterbt ist. Wer also jetzt gierig ist und beispielsweise die Mutter zum Verkauf des Häuschens zwingt, soll bei deren Tod leer ausgehen. Im Falle der Jastrow’schen Klausel ist das Prinzip umgekehrt: Es droht also keine Strafe für Gierige, sondern eine Belohnung für Geduldige. Verzichtet ein Kind auf seinen Pflichtteil, wenn Vater oder Mutter sterben, bekommt das Kind beim Tod des anderen Elternteils quasi eine Bonuszahlung. Quelle: dpa
EnterbenDas eigene Kind vollständig zu enterben - ihm also auch den Pflichtteil zu verwehren, ist nur möglich, wenn - der Erbnehmer versucht hat, den Erblasser oder ein anderes Familienmitglied schwer zu verletzen oder zu töten - der Erbnehmer ein Verbrechen begangen hat, das mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung geahndet wurde und es für den Erblasser unzumutbar wird, seinen Nachlass - mit dieser Person zu teilen - wenn der Erbnehmer eine gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser böswillig verletzte Quelle: dpa
Fehlerhaftes TestamentDer letzte Wille ist oft falsch oder missverständlich formuliert. Immerhin ein Drittel der Deutschen hat in einer Studie angegeben, sich mit Begriffen wie „gesetzlicher Erbfolge“ oder „Pflichtteil“ nicht auszukennen. Juristische Begriffe werden deshalb in Testamenten oft falsch verwendet oder verwechselt. Häufig sind sie deshalb so geschrieben, dass Fachleute sie auslegen müssen. Die Folge: Der letzte Wille ist nicht so umsetzbar, wie vom Erblasser gewollt. Quelle: dpa
Erbschaftssteuer nicht eingeplantNächste Angehörige – das sind Ehepartner, Kinder und Enkel – haben Freibeträge. Ehepartner erben 500.000 Euro steuerfrei, Kinder immerhin noch 400.000 Euro und Enkel 200.000 Euro. Erst wenn die Erbschaft diese übertrifft, greift der Fiskus zu. Doch häufig ist für die fällig werdende Erbschaftssteuer nicht genügend Geld auf dem Konto. Besteht ein Begünstigter auf schnelle Auszahlung, müssen Immobilien, Wertpapiere oder Kunstgegenstände veräußert werden. Quelle: dpa

Wenn die Reichen bei einer Finanzkrise des Staates zur Kasse gebeten werden, dürfte das den Umfragewerten von Regierungsparteien kaum schaden – schließlich gibt es nur rund 800.000 Millionäre in Deutschland. Vor allem eine Erhöhung von Steuern auf hohe Erbschaften ist in Krisenzeiten populär. Fällt doch den reichen Zöglingen ihr Vermögen ohne eigenes Zutun in den Schoß. Und haben nicht gerade Vermögende in Zeiten ausufernder Staatsverschuldung am meisten profitiert?

Aus Angst vor künftigen Repressalien handeln viele Vermögende schon jetzt. „Beliebt sind aktuell etwa Anlageimmobilien in der Schweiz oder den USA“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Packenius Mademann und Partner. In der Schweiz und Australien steigen die Goldbestände in den heimischen Banktresoren. Vor allem Barren bis zu einem Kilo sind beliebt, weil sie leicht zu verwerten sind. „Manche investieren auch in Silber, die Restriktionen des Goldverkaufs in der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre ist vielen noch im Gedächtnis“, sagt Löschen.

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Der Münchner Vermögensverwalter FIVV bietet seinen Kunden beispielsweise eine Rundumbetreuung bei der Eröffnung eines Yuan-Kontos in China an. Ein neuer Rechtsrahmen erlaubt es Ausländern auch ohne festen Wohnsitz in China ein Girokonto zu eröffnen. „Der Yuan dürfte in den nächsten Jahren um durchschnittlich fünf Prozent per annum zulegen“, sagt FIVV-Vorstand Andreas Grünewald und organisiert auf Wunsch Visum, Flug, Hotel und fachkundige Beratung am Bankschalter vor Ort.

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