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Erbrechts-Anwältin Susanne Reinhardt Böse Überraschungen beim Erben

Vermachen oder Vererben? Mit Testament oder nach gesetzlicher Erbfolge? Beim Nachlass ist die Rechtslage kompliziert. Anwältin Susanne Reinhardt über die übelsten Fehler und wie sie sich vermeiden lassen.

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Was in keinem Testament fehlen darf
HandschriftWer sein Testament selber erstellen will, muss das handschriftlich machen. Denn ein maschinell geschriebenes Exemplar ist nicht gültig und wird von den Gerichten nicht anerkannt. Der Verfasser muss anhand der Handschrift identifizierbar sein. Viele machen den Fehler, und benutzen einfach maschinelle Vordrucke aus dem Internet. Alternativ kann einem ein Notar das Testament als Urkunde erstellen. Auch die muss aber handschriftlich unterschrieben werden. Außerdem sollte das Testament mit einer eindeutigen Überschrift versehen werden, damit es nicht verwechselt wird. Die genaue Bezeichnung ist aber frei wählbar, beispielsweise "Testament" oder "Mein letzter Wille". Quelle: dpa
UnterschriftEgal ob Sie das Testament allein anfertigen oder mit Hilfe des Notars - vergessen Sie nie die Unterschrift. Ohne die ist das Schreiben nicht gültig. Sie sollte immer am Ende des Dokuments stehen. So verdeutlicht sie, dass der letzte Wille hier zu Ende ist. Sobald das Testament mehrere Seiten lang ist, sollte jedes Blatt einzeln unterschrieben sein. Auch wenn das Dokument zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt wird, ist wieder eine Unterschrift nötig, damit der Zusatz auch gültig ist. Im Idealfall sollte der Verfasser des Testaments mit seinem Vor- und Nachnamen unterschreiben. Wurde anders unterschrieben, beispielsweise mit "Euer Vater", ist das Testament trotzdem gültig, wenn der Verfasser sicher ausfindig gemacht werden kann. Quelle: AP
Datum und Unterschrift Quelle: dpa
Nicht verlieren! Ist das Testament fertig erstellt, sollte es nicht zu Hause zwischen den heimischen Papier- und Aktenbergen verschwinden. Auch der Nachtschrank oder Schreibtisch ist kein guter Aufbewahrungsort. Die Gefahr, dass keiner der Hinterbliebenen das Testament findet, ist zu groß. Sicherer ist es, den letzten Willen gleich beim Nachlassgericht zu hinterlegen. Dort wird das Testament dann auch eröffnet. Anfang 2012 wurde zudem das Zentrale Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer in Berlin eingeführt. Dort werden Testamente registriert und ihr Verwahrungsort hinterlegt. Im Todesfall kann die Kammer so überprüfen, ob ein Testament vorliegt und gegebenenfalls das zuständige Nachlassgericht informieren. Quelle: Fotolia
Pflichtteil beachten! Auch mit einem Testament muss die gesetzlich vorgeschriebene Erbfolge eingehalten werden. Das gilt insbesondere für den Pflichtteil. Wird der vom Verfasser nicht beachtet, können die Betroffenen ihn einklagen. Einen Anspruch auf ihren Pflichtteil haben die in der Erbfolge nächsten Angehörigen – die Kinder und Enkel des Verstorbenen, der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner sowie die Eltern. Der Pflichtteil umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Quelle: Fotolia
Alles verteilen!Legen Sie in Ihrem Testament möglichst genau fest, wer am Ende was bekommt - nur so lassen sich nervige Streitereien vermeiden. Schreiben Sie also detailliert, wer Schmuck, Ferienhaus, Wertpapierdepot oder Auto erben soll. Nennen Sie dabei möglichst den vollständigen Namen des jeweiligen Erben, keine Spitznamen. Je detaillierter und genauer das Testament geschrieben ist, desto leichter haben es die Erben und der Notar. Quelle: dpa
Berliner TestamentOft wird auch ein sogenanntes Berliner Testament abgeschlossen. So nennt die Fachwelt ein gemeinsames Testament von zwei Verheirateten oder Lebenspartnern. Beide Unterzeichner setzen sich für den Fall des Todes gegenseitig als Erben ein. So erbt der Hinterbliebene zunächst alles, während bei einem normalen Testament auch die Kinder ihren Anteil bekämen. Beim Berliner Testament sind die Kinder Schlusserben, sie bekommen das Vermögen erst, wenn beide Elternteile gestorben sind. Wer sich für ein solches gemeinsames Testament entscheidet, muss allerdings bedenken, dass es auch nur gemeinsam wieder geändert werden kann. Wenn einer der Partner bereits verstorben ist, kann der Hinterbliebene das Testament nur ändern, wenn es eine entsprechende Freistellungsklausel enthält. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Frau Reinhardt, sie erleben in Ihrer Kanzlei täglich, wie Erben aus allen Wolken fallen. Was sind die schlimmsten Fehler, die man beim Testament oder als Erbe machen kann?

Reinhardt: Die Katastrophe schlecht hin prasselt auf junge Witwen mit kleinen Kindern ein, wenn der verstorbene Mann Hauptverdiener der Familie war. Das fängt damit an, dass sie nicht mehr über sein Konto verfügen kann, wenn er ihr keine Kontovollmacht über den Tod hinaus erteilt hat. Ehepartner müssen sich erstens gegenseitige Vollmachten erteilen, und zweitens ausdrücklich über den Tod hinaus. Ansonsten erlischt die Vollmacht mit dem Tod des Verstorbenen. Ohne eröffnetes Testament oder Erbschein als Legitimierung gewährt ihr die Bank maximal noch das Geld für sein Begräbnis, und das kann Wochen oder Monate dauern.

Rechtsanwältin Susanne Reinhardt

Was kann man tun, wenn das Konto gesperrt ist?

Faktisch nichts. Eine Katastrophe sind übrigens auch „Und“-Konten, soll heißen: Nur beide zusammen dürfen ans Konto.

Welche bösen Überraschungen drohen sonst noch?

Beim Erbrecht sind es viele. Viele kinderlose Ehepaare glauben, stirbt der eine, erbt automatisch der andere alles. Das ist falsch. Ohne Testament bilden der Witwer oder die Witwe von Gesetzes wegen eine Erbengemeinschaft mit den nächsten Angehörigen des Verstorbenen. Und dann muss geteilt werden.

Wie verhält es sich, wenn ein Partner eines unverheirateten Paares stirbt?

Ohne Testament geht der Überlebende komplett leer aus, denn ein Lebensgefährte kommt in der gesetzlichen Erbfolge einfach nicht vor. Dabei ist es völlig egal, wie lange das Paar schon zusammen war oder ob es einen gemeinsamen Hausstand hatte. Alles fällt an die gesetzlichen Erben des Verstorbenen.

Was Erben wissen sollten
Alleinerbe Der Alleinerbe erbt als einzige Person. Er tritt rechtlich „in die Fußstapfen des Verstorbenen “ und übernimmt dessen gesamte Rechte, aber auch Pflichten. Quelle: dpa
Gesetzliche Erbfolge Die gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt. Danach wird der Nachlass zwischen dem Ehepartner und den Verwandten des Verstorbenen aufgeteilt, wobei Kinder und Enkel des Erblassers Vorrang vor Eltern, Großeltern oder anderen Angehörigen genießen. Quelle: REUTERS
Annahme der ErbschaftWer in Deutschland erben will, muss dafür in der Regel nichts tun. Vor allem braucht er die Annahme des Erbes nicht zu erklären . Dieses Phänomen heißt im Juristen-Deutsch “Von-Selbst-Erwerb.“ Quelle: AP
Ausschlagung der Erbschaft Wer nicht erben will, kann (und muss) die Erbschaft innerhalb einer Frist von sechs Wochen ausgeschlagen. Die Zeit läuft ab dem Moment, in dem der Betreffende von der Erbschaft und deren Gründen erfahren hat. Nach Ablauf der Frist ist eine Ausschlagung in der Regel nicht mehr möglich. Lediglich in Ausnahmefällen besteht die Möglichkeit, die Annahme der Erbschaft anzufechten. Quelle: REUTERS
EhegattentestamentVerheiratete und eingetragene Lebenspartner können ein gemeinschaftliches Testament errichten. Eine weit verbreitete Form ist dabei das sogenannte Berliner Testament. Dabei setzen sich die Eheleute gegenseitig zu alleinigen Vollerben ein. Erst wenn beide Partner verstorben sind, werden auch die Kinder bedacht. Sie werden zu Schlusserben, also zu Erben des länger lebenden Ehegatten ernannt. Quelle: dpa
Pflichtteil Ein Erblasser kann bestimmte Personen von der Erbfolge ausschließen, aber nicht immer verhindern, dass diese Personen etwas aus seinem Nachlass erhalten. Grund: Der sogenannte Pflichtteil garantiert den nächsten Angehörigen des Erblassers also eine Mindestteilhabe an seinem Nachlass. Quelle: dpa
EnterbungHat er Erblasser einen oder mehrere gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen oder sie bei der Verteilung des Nachlasses nicht erwähnt, spricht man von Enterbung. Handelt es sich bei den fraglichen Personen um enge Angehörige, können sie oft zumindest seinen Pflichtteil verlangen. Quelle: obs

Nicht mal wenn der Überlebende den Verstorbenen gepflegt hat?

Nein. Die Schriftform ist Voraussetzung, es genügt nicht mal, wenn der Verstorbene schon dabei war, ein Testament aufzusetzen. Ausnahmen gibt es nur bei Not-Testamenten mit sehr strengen Regeln. Mein dringender Rat: Wenn es einem Kranken schon so elend geht, dass er womöglich bald mangels Kraft oder klarem Verstand kein Testament mehr machen kann, sollte er schnellstens handschriftlich die nötigen, wenigen Sätze aufschreiben und unterschreiben. Wenn er so krank ist, dass er nicht mehr schreiben kann, bleibt nur die Möglichkeit, dass ein Notar den Willen beurkundet. Viele Notare kommen auch nach Hause oder ins Krankenhaus.  

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