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Erbschaftsteuer sparen Schenken statt vererben – so geht’s richtig

Schenken statt vererben. Quelle: Getty Images

Wer seiner Familie Vermögenswerte hinterlassen möchte, sollte über eine Schenkung zu Lebzeiten nachdenken. Warum das meist Steuervorteile bringt, wie die optimale Strategie aussieht und welche Fallstricke drohen.

Nicht immer können Vermögende mit ihrem Geld machen, was sie wollen. Im November 2017 entschied das Oberlandesgericht Hamm zugunsten eines Sohnes, der dem gemeinsamen Testament seiner Eltern zufolge eines Tages Alleinerbe des elterlichen Vermögens werden sollte. Der Mann hatte sein Erbe nach dem Tod seines Vaters eingeklagt, weil der nach dem Tod der Mutter rund eine Viertelmillion Euro an seine neue Gefährtin verschenkt hatte. Der Sohn fühlte sich um sein Erbe betrogen.

Das Gericht gab ihm recht und verurteilte die Frau, die Schenkungen an den erbberechtigten Sohn zurückzugeben. Begründung: Der verstorbene Vater habe wissen müssen, dass er entgegen der testamentarischen Vereinbarung das Erbe des Sohnes zugunsten einer nicht erbberechtigten Dritten geschmälert habe. Aus welchem Grund er dies tat, sei unerheblich.

Erbschaften und Testamente sind regelmäßig Gegenstand von Gerichtsverfahren, immer wieder wird um Nachlässe gestritten. Das dürfte sogar noch zunehmen, denn laut Schätzungen vererben die Deutschen mittlerweile jährlich 250 Milliarden Euro, bis 2020 könnte dieser Wert sogar auf 330 Milliarden Euro steigen. Fast drei Viertel des vererbten Vermögens bestehen dabei aus Immobilien.

Zankapfel Erbe - die größten Fallstricke
Emotional überfordertWenn Partner oder Eltern sterben, ist das eine hohe emotionale Belastung. Aber auch eine große Erbschaft kann auf die Psyche schlagen. Das kann sich unterschiedlich auswirken. Nicht selten rutschen die Erben ab oder schlagen über die Stränge. Das Ergebnis ist dasselbe: Das Erbe wird verprasst, für Autos, Reisen, Partys. Mit entsprechenden Regelungen – etwas einer Dauertestamentsvollstreckung mit monatlichen Auszahlungen – kann dem entgegengewirkt werden. Quelle: dpa
Kein TestamentLiegt kein schriftliches und unterschriebenes Testament vor, gilt die gesetzliche Erbfolge – auch wenn der Erblasser mündlich einen anderen letzten Willen ausgesprochen hat. Stirbt ein Ehepartner, erbt der überlebende Partner. Gibt es Kinder, egal ob ehelich oder unehelich, bekommt der Ehepartner 50 Prozent und die Kinder teilen sich die verbleibenden 50 Prozent. Quelle: dpa
Langfristige BindungDas Berliner Testament ist beliebt und weit verbreitet. Doch es hat seine Tücken, denn es zementiert eine einmal getroffene Regelung. Bei dieser Testamentsform, setzen sich Eheleute gegenseitig als Alleinerben ein. Erst wenn beide tot sind, erben die Kinder. Diese Quote kann ein überlebender Elternteil im Nachhinein nicht verändern. Es sei denn, es gibt eine Klausel, die dies erlaubt. Ein neues Testament des länger Lebenden gilt nicht - das Berliner Testament geht immer vor. Quelle: dpa
Pflichtteilsstrafklausel und Jastrow’schen KlauselHat nun ein Ehepaar ein solches Berliner Testament und ein Ehepartner verstirbt, ist der Überlebende Partner erst einmal Alleinerbe. Steckt nun das ganze Vermögen des Paares in einem Grundstück mit Häuschen und die Kinder fordern ihren Pflichtteil, muss der überlebende Partner Haus und Hof verkaufen, um die Kinder auszubezahlen. Verhindern lässt sich solch ein Fall mittels der Pflichtteilsstrafklausel im Testament. Dabei verfügt das Paar, dass ein Kind, das beim Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil einfordert, beim Tod des zweiten Elternteils enterbt ist. Wer also jetzt gierig ist und beispielsweise die Mutter zum Verkauf des Häuschens zwingt, soll bei deren Tod leer ausgehen. Im Falle der Jastrow’schen Klausel ist das Prinzip umgekehrt: Es droht also keine Strafe für Gierige, sondern eine Belohnung für Geduldige. Verzichtet ein Kind auf seinen Pflichtteil, wenn Vater oder Mutter sterben, bekommt das Kind beim Tod des anderen Elternteils quasi eine Bonuszahlung. Quelle: dpa
EnterbenDas eigene Kind vollständig zu enterben - ihm also auch den Pflichtteil zu verwehren, ist nur möglich, wenn - der Erbnehmer versucht hat, den Erblasser oder ein anderes Familienmitglied schwer zu verletzen oder zu töten - der Erbnehmer ein Verbrechen begangen hat, das mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung geahndet wurde und es für den Erblasser unzumutbar wird, seinen Nachlass - mit dieser Person zu teilen - wenn der Erbnehmer eine gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser böswillig verletzte Quelle: dpa
Fehlerhaftes TestamentDer letzte Wille ist oft falsch oder missverständlich formuliert. Immerhin ein Drittel der Deutschen hat in einer Studie angegeben, sich mit Begriffen wie „gesetzlicher Erbfolge“ oder „Pflichtteil“ nicht auszukennen. Juristische Begriffe werden deshalb in Testamenten oft falsch verwendet oder verwechselt. Häufig sind sie deshalb so geschrieben, dass Fachleute sie auslegen müssen. Die Folge: Der letzte Wille ist nicht so umsetzbar, wie vom Erblasser gewollt. Quelle: dpa
Erbschaftssteuer nicht eingeplantNächste Angehörige – das sind Ehepartner, Kinder und Enkel – haben Freibeträge. Ehepartner erben 500.000 Euro steuerfrei, Kinder immerhin noch 400.000 Euro und Enkel 200.000 Euro. Erst wenn die Erbschaft diese übertrifft, greift der Fiskus zu. Doch häufig ist für die fällig werdende Erbschaftssteuer nicht genügend Geld auf dem Konto. Besteht ein Begünstigter auf schnelle Auszahlung, müssen Immobilien, Wertpapiere oder Kunstgegenstände veräußert werden. Quelle: dpa

Dabei ließe sich so mancher Erbstreit vermeiden. Geben ist seliger denn Nehmen heißt es in der Bibel und Analog dazu heißt es im ansonsten wenig christlichen Steuerrecht: Schenken ist besser als Erben. Denn Schenkungen zwischen nahen Verwandten und Angehörigen bieten hohe Steuerfreibeträge und helfen dabei, den häufig vorkommenden und oft erbitterten Streit zwischen Erben zu vermeiden. Denn wer schenkt, kann die Übertragung seines Nachlasses aktiv steuern – und strategisch planen.

Ein weiteres Plus: Wer seinen Familienangehörigen privates Vermögen hinterlassen möchte, kann diesen durch Schenkungen hohe Steuerzahlungen ersparen. Allerdings sind dabei formale Anforderungen, eine geschickte Planung und ein paar Risiken unbedingt zu beachten.

Für Erbschaften und Schenkungen gelten in Deutschland die gleichen Steuerregeln und -sätze. Demnach wäre es eigentlich egal, ob geschenkt oder vererbt würde. Allerdings bieten Schenkungen einige Besonderheiten und Gestaltungsmöglichkeiten, die beim Erbfall fehlen. Der Hauptvorteil: Die Steuerfreibeträge für Schenkungen greifen alle zehn Jahre aufs Neue. Wer es geschickt anstellt, erspart seinen Nachkommen damit unnötige Steuerzahlungen, indem er die Freibeträge mehrfach ausschöpft.

Hohe Freibeträge

Ihre Höhe bemisst sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis. Letzteres ist auch ausschlaggebend dafür, nach welcher Schenkungssteuerklasse versteuert werden muss. Für alles, was über den Freibetrag hinausgeht, fordert das Finanzamt nach den Steuersätzen dieser Klasse seinen Anteil an der Schenkung. „Grundsätzlich gilt: je entfernter der Verwandtschaftsgrad, umso höher ist der Steuersatz“, sagt Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller von der gleichnamigen Anwaltskanzlei in Wiesbaden. „Für den Beschenkten gibt es dabei zwei Hürden. Zum einen den Freibetrag. Der fällt umso höher aus, je enger das Verwandtschaftsverhältnis ist. Zum anderen die Steuerklasse, die umso ungünstiger ist, je entfernter der Verwandtschaftsgrad.“

Freibeträge für Schenkungen

Die Finanzämter sortieren dementsprechend die Beschenkten in drei Steuerklassen ein, wobei Klasse I die günstigste und Klasse III die ungünstigste ist. Geregelt sind sie im Erbschaftssteuergesetz (ErbStG).

Für die Freibeträge gilt: Für engste Verwandte wie Ehegatten oder Kinder genügen die Freibeträge meist für eine steuerfreie Schenkung. Jedes Elternteil darf seinem Kind alle zehn Jahre 400.000 Euro schenken, ohne dass Schenkungssteuer anfällt. Für die meisten Immobilien, die durch Schenkung oder Erbschaft auf die Kinder übergehen, dürfte diese Summe genügen, um eine Steuerpflicht auszuschließen.

Übertragung zwischen Gatten ist steuerfrei

Oma und Opa dürfen ihrem Enkelkind alle zehn Jahre 200.000 Euro steuerfrei überlassen. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können sogar Vermögen von bis zu 500.000 Euro steuerfrei erhalten. Für Geschwister, nicht eingetragene Lebenspartner und Freunde sieht der Fiskus einen Freibetrag von 20.000 Euro vor.

Eine Besonderheit gibt es allerdings für die Schenkung von Immobilien zwischen Ehepartnern. Die Übertragung einer Immobilie an den Gatten ist immer steuerfrei – in unbegrenzter Höhe.

Was sich 2018 für Verbraucher ändert
Einkommenssteuer Quelle: dpa
Kindergeld Quelle: dpa
Krankenversicherung Quelle: dpa
Hartz IV Quelle: dpa
Rentenbeitragssatz Quelle: dpa
ErwerbsminderungsrenteWer ab 2018 eine Erwerbsminderungsrente bezieht, weil er aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten kann, wird bessergestellt. Bisher werden Betroffene bei der Rente so gestellt, als hätten sie bis zum 62. Lebensjahr gearbeitet. Diese Grenze wird nun stufenweise bis zum Jahr 2024 auf 65 Jahre angehoben. Quelle: dpa
Betriebsrenten Quelle: dpa

Steuerklassen nach Verwandtschaftsgrad

Die Steuersätze innerhalb der Steuerklassen sind progressiv, das heißt, je höher der zu versteuernde Betrag, umso höher auch der Steuersatz, den das Finanzamt verlangt.

Wie genau die Zuordnung zu einer Steuerklasse wirkt, lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen. In Steuerklasse I muss der Beschenkte im schlimmsten Fall 30 Prozent Steuern zahlen, wenn der zu versteuernde Anteil die Summe von 26 Millionen Euro überschreitet. In der Steuerklasse III sind bereits bei zu versteuernden Beträgen oberhalb von 13 Millionen Euro stolze 50 Prozent Steuer fällig.

Steuervorteile strategisch sichern

Dabei gilt jedoch auch: der Steuersatz wird nicht auf den gesamten Betrag angewendet, sondern stufenweise. Noch ein Rechenbeispiel: Eltern schenken ihrer Tochter eine Immobilie im Wert von 800.000 Euro. Der Freibetrag von 400.000 Euro ist für das Finanzamt tabu, zu versteuern sind 400.000 Euro des Immobilienwertes. Insgesamt zahlt der Beschenkte nach Ausschöpfung seines Freibetrages für ein Erbe von bis zu 75.000 Euro sieben Prozent Steuern, also maximal 5250 Euro. Darüber hinaus wird das Erbe mit einem Steuersatz von elf Prozent belegt. Für die 325.000 Euro aus dem Beispiel sind also 35.750 Euro fällig. Bei einem 800.000-Euro-Haus entspricht das einem Steuersatz von rund fünf Prozent.

Formale Anforderungen

Was aber nicht vergessen werden darf: Hinzu kommen Kosten für die Grundbuchänderung sowie Notarkosten. Denn Immobilienkäufe müssen beurkundet werden. Aber selbst bei großen Summen Bargeld, oder anderen Vermögensgegenständen und wertvollen Sachanlagen ist eine Dokumentation empfehlenswert. Das geht im Zweifel auch formlos, ohne Notar oder Anwalt. „Um eine Schenkung zu protokollieren genügt ein Schreiben, dass die Namen der Beteiligten, den Gegenstand der Schenkung und das Datum enthalten. Wichtig ist: Beide müssen das Dokument unterschreiben“, erklärt Rechtsanwalt Cäsar-Preller.

Der letzte Wille: Testament richtig verfassen

Juristen unterscheiden beurkundete Schenkungen von sogenannten Handschenkungen. Schiebt der Vater seinem Sohn einen Umschlag mit tausenden Euro über den Tisch, wird dies üblicherweise auch nirgendwo dokumentiert. „Eine Schenkung ist prinzipiell auch ohne Formalitäten möglich. Dennoch sind sie steuerrelevant. Schenkungen gehören in die Steuererklärung. Das Finanzamt prüft dann, ob und wie viel Steuern darauf zu entrichten sind“, sagt Cäsar-Preller. Eine Bagatellgrenze, bis zu der eine Erklärung gegenüber dem Finanzamt unnötig ist, gibt es nicht.

Steuervorteile durch Schenkungen

Da Schenken und Erben steuerlich gleichgestellt sind, kommen tatsächliche Steuervorteile nur durch eine regelrechte Schenkstrategie zustande.

„Der wesentliche Vorteil des Schenkens ist seine Wiederholbarkeit alle zehn Jahre“, erklärt Anwalt Cäsar-Preller. „Wer sein Vermögen entsprechend der Freibeträge aufteilt und in Abständen von zehn Jahren die Teile überträgt, erspart dem Beschenkten Steuerzahlungen.“ So können auch große Vermögen nach und nach ohne den Zugriff des Finanzamts den Besitzer wechseln.

Was in keinem Testament fehlen darf
HandschriftWer sein Testament selber erstellen will, muss das handschriftlich machen. Denn ein maschinell geschriebenes Exemplar ist nicht gültig und wird von den Gerichten nicht anerkannt. Der Verfasser muss anhand der Handschrift identifizierbar sein. Viele machen den Fehler, und benutzen einfach maschinelle Vordrucke aus dem Internet. Alternativ kann einem ein Notar das Testament als Urkunde erstellen. Auch die muss aber handschriftlich unterschrieben werden. Außerdem sollte das Testament mit einer eindeutigen Überschrift versehen werden, damit es nicht verwechselt wird. Die genaue Bezeichnung ist aber frei wählbar, beispielsweise "Testament" oder "Mein letzter Wille". Quelle: dpa
UnterschriftEgal ob Sie das Testament allein anfertigen oder mit Hilfe des Notars - vergessen Sie nie die Unterschrift. Ohne die ist das Schreiben nicht gültig. Sie sollte immer am Ende des Dokuments stehen. So verdeutlicht sie, dass der letzte Wille hier zu Ende ist. Sobald das Testament mehrere Seiten lang ist, sollte jedes Blatt einzeln unterschrieben sein. Auch wenn das Dokument zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt wird, ist wieder eine Unterschrift nötig, damit der Zusatz auch gültig ist. Im Idealfall sollte der Verfasser des Testaments mit seinem Vor- und Nachnamen unterschreiben. Wurde anders unterschrieben, beispielsweise mit "Euer Vater", ist das Testament trotzdem gültig, wenn der Verfasser sicher ausfindig gemacht werden kann. Quelle: AP
Datum und Unterschrift Quelle: dpa
Nicht verlieren! Ist das Testament fertig erstellt, sollte es nicht zu Hause zwischen den heimischen Papier- und Aktenbergen verschwinden. Auch der Nachtschrank oder Schreibtisch ist kein guter Aufbewahrungsort. Die Gefahr, dass keiner der Hinterbliebenen das Testament findet, ist zu groß. Sicherer ist es, den letzten Willen gleich beim Nachlassgericht zu hinterlegen. Dort wird das Testament dann auch eröffnet. Anfang 2012 wurde zudem das Zentrale Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer in Berlin eingeführt. Dort werden Testamente registriert und ihr Verwahrungsort hinterlegt. Im Todesfall kann die Kammer so überprüfen, ob ein Testament vorliegt und gegebenenfalls das zuständige Nachlassgericht informieren. Quelle: Fotolia
Pflichtteil beachten! Auch mit einem Testament muss die gesetzlich vorgeschriebene Erbfolge eingehalten werden. Das gilt insbesondere für den Pflichtteil. Wird der vom Verfasser nicht beachtet, können die Betroffenen ihn einklagen. Einen Anspruch auf ihren Pflichtteil haben die in der Erbfolge nächsten Angehörigen – die Kinder und Enkel des Verstorbenen, der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner sowie die Eltern. Der Pflichtteil umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Quelle: Fotolia
Alles verteilen!Legen Sie in Ihrem Testament möglichst genau fest, wer am Ende was bekommt - nur so lassen sich nervige Streitereien vermeiden. Schreiben Sie also detailliert, wer Schmuck, Ferienhaus, Wertpapierdepot oder Auto erben soll. Nennen Sie dabei möglichst den vollständigen Namen des jeweiligen Erben, keine Spitznamen. Je detaillierter und genauer das Testament geschrieben ist, desto leichter haben es die Erben und der Notar. Quelle: dpa
Berliner TestamentOft wird auch ein sogenanntes Berliner Testament abgeschlossen. So nennt die Fachwelt ein gemeinsames Testament von zwei Verheirateten oder Lebenspartnern. Beide Unterzeichner setzen sich für den Fall des Todes gegenseitig als Erben ein. So erbt der Hinterbliebene zunächst alles, während bei einem normalen Testament auch die Kinder ihren Anteil bekämen. Beim Berliner Testament sind die Kinder Schlusserben, sie bekommen das Vermögen erst, wenn beide Elternteile gestorben sind. Wer sich für ein solches gemeinsames Testament entscheidet, muss allerdings bedenken, dass es auch nur gemeinsam wieder geändert werden kann. Wenn einer der Partner bereits verstorben ist, kann der Hinterbliebene das Testament nur ändern, wenn es eine entsprechende Freistellungsklausel enthält. Quelle: dpa

Wer so langfristig Schenkungen plant sollte aber die Risiken im Blick behalten. „Was ich verschenkt habe, besitze ich nicht mehr. Eine Rückforderung vom Beschenkten ist nur bei grobem Undank oder eigener Not über den Rechtsweg – und nur mit geeigneten Belegen oder Zeugenaussagen - möglich und meist mühsam durchzusetzen“, weiß Cäsar-Preller aus Erfahrung.

Besonders bei der Schenkung von Immobilien sollten sich die Beteiligten absichern. Wer sein Eigenheim an die Kinder verschenken, aber weiter darin wohnen möchte, sollte sich daher ein lebenslanges Wohnrecht einräumen lassen. Durch das Wohnrecht kann der alte Eigentümer nicht mehr zum Auszug gedrängt werden.

Nießbrauch schont den Freibetrag

Auch ein Nießbrauchrecht ist bei einer Immobilienschenkung oftmals sinnvoll. Dieses Recht ermöglicht nicht nur die Nutzung des verschenkten Wohnung oder des Hauses, sondern auch deren Vermietung. Die Mieteinnahmen stehen dann dem Inhaber des Nießbrauchs zu. Wer also im Alter eine Immobilie übertragen lässt, sich aber das Nießbrauchrecht sichert, kann so aus der Immobilie Teile seiner Altersversorgung bestreiten. Sowohl Wohn- als auch Nießbrauchrecht können mit einer Grundbucheintragung gesichert werden.

Gleichzeitig schont das Nießbrauchrecht den Freibetrag, da es einen Wert darstellt, der vom Gesamtwert der Schenkung abgezogen werden muss.

Was Erben wissen sollten
Alleinerbe Der Alleinerbe erbt als einzige Person. Er tritt rechtlich „in die Fußstapfen des Verstorbenen “ und übernimmt dessen gesamte Rechte, aber auch Pflichten. Quelle: dpa
Gesetzliche Erbfolge Die gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt. Danach wird der Nachlass zwischen dem Ehepartner und den Verwandten des Verstorbenen aufgeteilt, wobei Kinder und Enkel des Erblassers Vorrang vor Eltern, Großeltern oder anderen Angehörigen genießen. Quelle: REUTERS
Annahme der ErbschaftWer in Deutschland erben will, muss dafür in der Regel nichts tun. Vor allem braucht er die Annahme des Erbes nicht zu erklären . Dieses Phänomen heißt im Juristen-Deutsch “Von-Selbst-Erwerb.“ Quelle: AP
Ausschlagung der Erbschaft Wer nicht erben will, kann (und muss) die Erbschaft innerhalb einer Frist von sechs Wochen ausgeschlagen. Die Zeit läuft ab dem Moment, in dem der Betreffende von der Erbschaft und deren Gründen erfahren hat. Nach Ablauf der Frist ist eine Ausschlagung in der Regel nicht mehr möglich. Lediglich in Ausnahmefällen besteht die Möglichkeit, die Annahme der Erbschaft anzufechten. Quelle: REUTERS
EhegattentestamentVerheiratete und eingetragene Lebenspartner können ein gemeinschaftliches Testament errichten. Eine weit verbreitete Form ist dabei das sogenannte Berliner Testament. Dabei setzen sich die Eheleute gegenseitig zu alleinigen Vollerben ein. Erst wenn beide Partner verstorben sind, werden auch die Kinder bedacht. Sie werden zu Schlusserben, also zu Erben des länger lebenden Ehegatten ernannt. Quelle: dpa
Pflichtteil Ein Erblasser kann bestimmte Personen von der Erbfolge ausschließen, aber nicht immer verhindern, dass diese Personen etwas aus seinem Nachlass erhalten. Grund: Der sogenannte Pflichtteil garantiert den nächsten Angehörigen des Erblassers also eine Mindestteilhabe an seinem Nachlass. Quelle: dpa
EnterbungHat er Erblasser einen oder mehrere gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen oder sie bei der Verteilung des Nachlasses nicht erwähnt, spricht man von Enterbung. Handelt es sich bei den fraglichen Personen um enge Angehörige, können sie oft zumindest seinen Pflichtteil verlangen. Quelle: obs

Schenkungen nach Plan quer durch die Familie

Ein anderer Weg, die Schenkungssteuer zu umgehen oder zu minimieren, sind sogenannte Kettenschenkungen. Dabei verschenkt zum Beispiel ein Elternteil nicht alles auf einen Schlag an seine Kinder, sondern erst einen Teil an den Ehegatten mit 500.000 Euro Freibetrag. Anschließend beschenken die beiden Elternteile getrennt voneinander ihre Kinder, so dass der Freibetrag zweimal angerechnet wird. Zwischen den Schenkungen an den Ehegatten und an die Kinder sollte aber anstandshalber mindestens ein Jahr verstreichen, da sonst das Finanzamt misstrauisch wird. Das funktioniert grundsätzlich auch mit Immobilien. Allerdings sind dann wieder Notarkosten und Grundbucheintragungen notwendig.

Kettenschenkungen funktionieren natürlich ebenso mit anderen nahen Verwandten mit entsprechenden Freibeträgen.

Fallstricke beim Erben-Austricksen

Schenkungen lassen sich auch einsetzen, um sein Vermögen an seine bevorzugten Verwandten zu verteilen und Pflichtanteile an weniger geliebte Verwandte zu umgehen oder zumindest zu reduzieren. Damit das klappt, müssen aber zwischen Schenkung und Erbfall möglichst viele Jahre liegen. Liegt die Schenkung mehr als zehn Jahre zurück, wenn es zur Aufteilung des Erbes kommt, bleibt das verschenkte Vermögen in der Pflichtteilsberechnung unberücksichtigt.

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Ist der Zeitraum zwischen Schenkung und Todesfall kürzer, zählt jedes Jahr. Ist die Schenkung zum Beispiel im dritten Jahr vor dem Erbfall erfolgt, werden immer noch 80 Prozent der Schenkung für die Berechnung des Pflichtanteils berücksichtigt.

Wichtig ist dabei, dass die Schenkung juristisch unzweifelhaft eine Schenkung war. Geht es etwa um eine Immobilie, ist ein eingeräumtes Nießbrauchrecht hinderlich, weil die Zehnjahresfrist dann nicht greift. Auch bei der Übertragung an einen Ehegatten beginnt die Frist erst mit dem Tod des Ehepartner oder der Scheidung.

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