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Erbschaftsteuer sparen Schenken statt vererben – so geht’s richtig

Schenken statt vererben. Quelle: Getty Images

Wer seiner Familie Vermögenswerte hinterlassen möchte, sollte über eine Schenkung zu Lebzeiten nachdenken. Warum das meist Steuervorteile bringt, wie die optimale Strategie aussieht und welche Fallstricke drohen.

Nicht immer können Vermögende mit ihrem Geld machen, was sie wollen. Im November 2017 entschied das Oberlandesgericht Hamm zugunsten eines Sohnes, der dem gemeinsamen Testament seiner Eltern zufolge eines Tages Alleinerbe des elterlichen Vermögens werden sollte. Der Mann hatte sein Erbe nach dem Tod seines Vaters eingeklagt, weil der nach dem Tod der Mutter rund eine Viertelmillion Euro an seine neue Gefährtin verschenkt hatte. Der Sohn fühlte sich um sein Erbe betrogen.

Das Gericht gab ihm recht und verurteilte die Frau, die Schenkungen an den erbberechtigten Sohn zurückzugeben. Begründung: Der verstorbene Vater habe wissen müssen, dass er entgegen der testamentarischen Vereinbarung das Erbe des Sohnes zugunsten einer nicht erbberechtigten Dritten geschmälert habe. Aus welchem Grund er dies tat, sei unerheblich.

Erbschaften und Testamente sind regelmäßig Gegenstand von Gerichtsverfahren, immer wieder wird um Nachlässe gestritten. Das dürfte sogar noch zunehmen, denn laut Schätzungen vererben die Deutschen mittlerweile jährlich 250 Milliarden Euro, bis 2020 könnte dieser Wert sogar auf 330 Milliarden Euro steigen. Fast drei Viertel des vererbten Vermögens bestehen dabei aus Immobilien.

Zankapfel Erbe - die größten Fallstricke
Emotional überfordertWenn Partner oder Eltern sterben, ist das eine hohe emotionale Belastung. Aber auch eine große Erbschaft kann auf die Psyche schlagen. Das kann sich unterschiedlich auswirken. Nicht selten rutschen die Erben ab oder schlagen über die Stränge. Das Ergebnis ist dasselbe: Das Erbe wird verprasst, für Autos, Reisen, Partys. Mit entsprechenden Regelungen – etwas einer Dauertestamentsvollstreckung mit monatlichen Auszahlungen – kann dem entgegengewirkt werden. Quelle: dpa
Kein TestamentLiegt kein schriftliches und unterschriebenes Testament vor, gilt die gesetzliche Erbfolge – auch wenn der Erblasser mündlich einen anderen letzten Willen ausgesprochen hat. Stirbt ein Ehepartner, erbt der überlebende Partner. Gibt es Kinder, egal ob ehelich oder unehelich, bekommt der Ehepartner 50 Prozent und die Kinder teilen sich die verbleibenden 50 Prozent. Quelle: dpa
Langfristige BindungDas Berliner Testament ist beliebt und weit verbreitet. Doch es hat seine Tücken, denn es zementiert eine einmal getroffene Regelung. Bei dieser Testamentsform, setzen sich Eheleute gegenseitig als Alleinerben ein. Erst wenn beide tot sind, erben die Kinder. Diese Quote kann ein überlebender Elternteil im Nachhinein nicht verändern. Es sei denn, es gibt eine Klausel, die dies erlaubt. Ein neues Testament des länger Lebenden gilt nicht - das Berliner Testament geht immer vor. Quelle: dpa
Pflichtteilsstrafklausel und Jastrow’schen KlauselHat nun ein Ehepaar ein solches Berliner Testament und ein Ehepartner verstirbt, ist der Überlebende Partner erst einmal Alleinerbe. Steckt nun das ganze Vermögen des Paares in einem Grundstück mit Häuschen und die Kinder fordern ihren Pflichtteil, muss der überlebende Partner Haus und Hof verkaufen, um die Kinder auszubezahlen. Verhindern lässt sich solch ein Fall mittels der Pflichtteilsstrafklausel im Testament. Dabei verfügt das Paar, dass ein Kind, das beim Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil einfordert, beim Tod des zweiten Elternteils enterbt ist. Wer also jetzt gierig ist und beispielsweise die Mutter zum Verkauf des Häuschens zwingt, soll bei deren Tod leer ausgehen. Im Falle der Jastrow’schen Klausel ist das Prinzip umgekehrt: Es droht also keine Strafe für Gierige, sondern eine Belohnung für Geduldige. Verzichtet ein Kind auf seinen Pflichtteil, wenn Vater oder Mutter sterben, bekommt das Kind beim Tod des anderen Elternteils quasi eine Bonuszahlung. Quelle: dpa
EnterbenDas eigene Kind vollständig zu enterben - ihm also auch den Pflichtteil zu verwehren, ist nur möglich, wenn - der Erbnehmer versucht hat, den Erblasser oder ein anderes Familienmitglied schwer zu verletzen oder zu töten - der Erbnehmer ein Verbrechen begangen hat, das mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung geahndet wurde und es für den Erblasser unzumutbar wird, seinen Nachlass - mit dieser Person zu teilen - wenn der Erbnehmer eine gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser böswillig verletzte Quelle: dpa
Fehlerhaftes TestamentDer letzte Wille ist oft falsch oder missverständlich formuliert. Immerhin ein Drittel der Deutschen hat in einer Studie angegeben, sich mit Begriffen wie „gesetzlicher Erbfolge“ oder „Pflichtteil“ nicht auszukennen. Juristische Begriffe werden deshalb in Testamenten oft falsch verwendet oder verwechselt. Häufig sind sie deshalb so geschrieben, dass Fachleute sie auslegen müssen. Die Folge: Der letzte Wille ist nicht so umsetzbar, wie vom Erblasser gewollt. Quelle: dpa
Erbschaftssteuer nicht eingeplantNächste Angehörige – das sind Ehepartner, Kinder und Enkel – haben Freibeträge. Ehepartner erben 500.000 Euro steuerfrei, Kinder immerhin noch 400.000 Euro und Enkel 200.000 Euro. Erst wenn die Erbschaft diese übertrifft, greift der Fiskus zu. Doch häufig ist für die fällig werdende Erbschaftssteuer nicht genügend Geld auf dem Konto. Besteht ein Begünstigter auf schnelle Auszahlung, müssen Immobilien, Wertpapiere oder Kunstgegenstände veräußert werden. Quelle: dpa

Dabei ließe sich so mancher Erbstreit vermeiden. Geben ist seliger denn Nehmen heißt es in der Bibel und Analog dazu heißt es im ansonsten wenig christlichen Steuerrecht: Schenken ist besser als Erben. Denn Schenkungen zwischen nahen Verwandten und Angehörigen bieten hohe Steuerfreibeträge und helfen dabei, den häufig vorkommenden und oft erbitterten Streit zwischen Erben zu vermeiden. Denn wer schenkt, kann die Übertragung seines Nachlasses aktiv steuern – und strategisch planen.

Ein weiteres Plus: Wer seinen Familienangehörigen privates Vermögen hinterlassen möchte, kann diesen durch Schenkungen hohe Steuerzahlungen ersparen. Allerdings sind dabei formale Anforderungen, eine geschickte Planung und ein paar Risiken unbedingt zu beachten.

Für Erbschaften und Schenkungen gelten in Deutschland die gleichen Steuerregeln und -sätze. Demnach wäre es eigentlich egal, ob geschenkt oder vererbt würde. Allerdings bieten Schenkungen einige Besonderheiten und Gestaltungsmöglichkeiten, die beim Erbfall fehlen. Der Hauptvorteil: Die Steuerfreibeträge für Schenkungen greifen alle zehn Jahre aufs Neue. Wer es geschickt anstellt, erspart seinen Nachkommen damit unnötige Steuerzahlungen, indem er die Freibeträge mehrfach ausschöpft.

Hohe Freibeträge

Ihre Höhe bemisst sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis. Letzteres ist auch ausschlaggebend dafür, nach welcher Schenkungssteuerklasse versteuert werden muss. Für alles, was über den Freibetrag hinausgeht, fordert das Finanzamt nach den Steuersätzen dieser Klasse seinen Anteil an der Schenkung. „Grundsätzlich gilt: je entfernter der Verwandtschaftsgrad, umso höher ist der Steuersatz“, sagt Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller von der gleichnamigen Anwaltskanzlei in Wiesbaden. „Für den Beschenkten gibt es dabei zwei Hürden. Zum einen den Freibetrag. Der fällt umso höher aus, je enger das Verwandtschaftsverhältnis ist. Zum anderen die Steuerklasse, die umso ungünstiger ist, je entfernter der Verwandtschaftsgrad.“

Freibeträge für Schenkungen

Die Finanzämter sortieren dementsprechend die Beschenkten in drei Steuerklassen ein, wobei Klasse I die günstigste und Klasse III die ungünstigste ist. Geregelt sind sie im Erbschaftssteuergesetz (ErbStG).

Für die Freibeträge gilt: Für engste Verwandte wie Ehegatten oder Kinder genügen die Freibeträge meist für eine steuerfreie Schenkung. Jedes Elternteil darf seinem Kind alle zehn Jahre 400.000 Euro schenken, ohne dass Schenkungssteuer anfällt. Für die meisten Immobilien, die durch Schenkung oder Erbschaft auf die Kinder übergehen, dürfte diese Summe genügen, um eine Steuerpflicht auszuschließen.

Übertragung zwischen Gatten ist steuerfrei

Oma und Opa dürfen ihrem Enkelkind alle zehn Jahre 200.000 Euro steuerfrei überlassen. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können sogar Vermögen von bis zu 500.000 Euro steuerfrei erhalten. Für Geschwister, nicht eingetragene Lebenspartner und Freunde sieht der Fiskus einen Freibetrag von 20.000 Euro vor.

Eine Besonderheit gibt es allerdings für die Schenkung von Immobilien zwischen Ehepartnern. Die Übertragung einer Immobilie an den Gatten ist immer steuerfrei – in unbegrenzter Höhe.

Was sich 2018 für Verbraucher ändert
Einkommenssteuer Quelle: dpa
Kindergeld Quelle: dpa
Krankenversicherung Quelle: dpa
Hartz IV Quelle: dpa
Rentenbeitragssatz Quelle: dpa
ErwerbsminderungsrenteWer ab 2018 eine Erwerbsminderungsrente bezieht, weil er aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten kann, wird bessergestellt. Bisher werden Betroffene bei der Rente so gestellt, als hätten sie bis zum 62. Lebensjahr gearbeitet. Diese Grenze wird nun stufenweise bis zum Jahr 2024 auf 65 Jahre angehoben. Quelle: dpa
Betriebsrenten Quelle: dpa

Steuerklassen nach Verwandtschaftsgrad

Die Steuersätze innerhalb der Steuerklassen sind progressiv, das heißt, je höher der zu versteuernde Betrag, umso höher auch der Steuersatz, den das Finanzamt verlangt.

Wie genau die Zuordnung zu einer Steuerklasse wirkt, lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen. In Steuerklasse I muss der Beschenkte im schlimmsten Fall 30 Prozent Steuern zahlen, wenn der zu versteuernde Anteil die Summe von 26 Millionen Euro überschreitet. In der Steuerklasse III sind bereits bei zu versteuernden Beträgen oberhalb von 13 Millionen Euro stolze 50 Prozent Steuer fällig.

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