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Erbschaftsteuer sparen Schenken statt vererben – so geht’s richtig

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Steuervorteile strategisch sichern

Dabei gilt jedoch auch: der Steuersatz wird nicht auf den gesamten Betrag angewendet, sondern stufenweise. Noch ein Rechenbeispiel: Eltern schenken ihrer Tochter eine Immobilie im Wert von 800.000 Euro. Der Freibetrag von 400.000 Euro ist für das Finanzamt tabu, zu versteuern sind 400.000 Euro des Immobilienwertes. Insgesamt zahlt der Beschenkte nach Ausschöpfung seines Freibetrages für ein Erbe von bis zu 75.000 Euro sieben Prozent Steuern, also maximal 5250 Euro. Darüber hinaus wird das Erbe mit einem Steuersatz von elf Prozent belegt. Für die 325.000 Euro aus dem Beispiel sind also 35.750 Euro fällig. Bei einem 800.000-Euro-Haus entspricht das einem Steuersatz von rund fünf Prozent.

Formale Anforderungen

Was aber nicht vergessen werden darf: Hinzu kommen Kosten für die Grundbuchänderung sowie Notarkosten. Denn Immobilienkäufe müssen beurkundet werden. Aber selbst bei großen Summen Bargeld, oder anderen Vermögensgegenständen und wertvollen Sachanlagen ist eine Dokumentation empfehlenswert. Das geht im Zweifel auch formlos, ohne Notar oder Anwalt. „Um eine Schenkung zu protokollieren genügt ein Schreiben, dass die Namen der Beteiligten, den Gegenstand der Schenkung und das Datum enthalten. Wichtig ist: Beide müssen das Dokument unterschreiben“, erklärt Rechtsanwalt Cäsar-Preller.

Der letzte Wille: Testament richtig verfassen

Juristen unterscheiden beurkundete Schenkungen von sogenannten Handschenkungen. Schiebt der Vater seinem Sohn einen Umschlag mit tausenden Euro über den Tisch, wird dies üblicherweise auch nirgendwo dokumentiert. „Eine Schenkung ist prinzipiell auch ohne Formalitäten möglich. Dennoch sind sie steuerrelevant. Schenkungen gehören in die Steuererklärung. Das Finanzamt prüft dann, ob und wie viel Steuern darauf zu entrichten sind“, sagt Cäsar-Preller. Eine Bagatellgrenze, bis zu der eine Erklärung gegenüber dem Finanzamt unnötig ist, gibt es nicht.

Steuervorteile durch Schenkungen

Da Schenken und Erben steuerlich gleichgestellt sind, kommen tatsächliche Steuervorteile nur durch eine regelrechte Schenkstrategie zustande.

„Der wesentliche Vorteil des Schenkens ist seine Wiederholbarkeit alle zehn Jahre“, erklärt Anwalt Cäsar-Preller. „Wer sein Vermögen entsprechend der Freibeträge aufteilt und in Abständen von zehn Jahren die Teile überträgt, erspart dem Beschenkten Steuerzahlungen.“ So können auch große Vermögen nach und nach ohne den Zugriff des Finanzamts den Besitzer wechseln.

Was in keinem Testament fehlen darf
HandschriftWer sein Testament selber erstellen will, muss das handschriftlich machen. Denn ein maschinell geschriebenes Exemplar ist nicht gültig und wird von den Gerichten nicht anerkannt. Der Verfasser muss anhand der Handschrift identifizierbar sein. Viele machen den Fehler, und benutzen einfach maschinelle Vordrucke aus dem Internet. Alternativ kann einem ein Notar das Testament als Urkunde erstellen. Auch die muss aber handschriftlich unterschrieben werden. Außerdem sollte das Testament mit einer eindeutigen Überschrift versehen werden, damit es nicht verwechselt wird. Die genaue Bezeichnung ist aber frei wählbar, beispielsweise "Testament" oder "Mein letzter Wille". Quelle: dpa
UnterschriftEgal ob Sie das Testament allein anfertigen oder mit Hilfe des Notars - vergessen Sie nie die Unterschrift. Ohne die ist das Schreiben nicht gültig. Sie sollte immer am Ende des Dokuments stehen. So verdeutlicht sie, dass der letzte Wille hier zu Ende ist. Sobald das Testament mehrere Seiten lang ist, sollte jedes Blatt einzeln unterschrieben sein. Auch wenn das Dokument zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt wird, ist wieder eine Unterschrift nötig, damit der Zusatz auch gültig ist. Im Idealfall sollte der Verfasser des Testaments mit seinem Vor- und Nachnamen unterschreiben. Wurde anders unterschrieben, beispielsweise mit "Euer Vater", ist das Testament trotzdem gültig, wenn der Verfasser sicher ausfindig gemacht werden kann. Quelle: AP
Datum und Unterschrift Quelle: dpa
Nicht verlieren! Ist das Testament fertig erstellt, sollte es nicht zu Hause zwischen den heimischen Papier- und Aktenbergen verschwinden. Auch der Nachtschrank oder Schreibtisch ist kein guter Aufbewahrungsort. Die Gefahr, dass keiner der Hinterbliebenen das Testament findet, ist zu groß. Sicherer ist es, den letzten Willen gleich beim Nachlassgericht zu hinterlegen. Dort wird das Testament dann auch eröffnet. Anfang 2012 wurde zudem das Zentrale Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer in Berlin eingeführt. Dort werden Testamente registriert und ihr Verwahrungsort hinterlegt. Im Todesfall kann die Kammer so überprüfen, ob ein Testament vorliegt und gegebenenfalls das zuständige Nachlassgericht informieren. Quelle: Fotolia
Pflichtteil beachten! Auch mit einem Testament muss die gesetzlich vorgeschriebene Erbfolge eingehalten werden. Das gilt insbesondere für den Pflichtteil. Wird der vom Verfasser nicht beachtet, können die Betroffenen ihn einklagen. Einen Anspruch auf ihren Pflichtteil haben die in der Erbfolge nächsten Angehörigen – die Kinder und Enkel des Verstorbenen, der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner sowie die Eltern. Der Pflichtteil umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Quelle: Fotolia
Alles verteilen!Legen Sie in Ihrem Testament möglichst genau fest, wer am Ende was bekommt - nur so lassen sich nervige Streitereien vermeiden. Schreiben Sie also detailliert, wer Schmuck, Ferienhaus, Wertpapierdepot oder Auto erben soll. Nennen Sie dabei möglichst den vollständigen Namen des jeweiligen Erben, keine Spitznamen. Je detaillierter und genauer das Testament geschrieben ist, desto leichter haben es die Erben und der Notar. Quelle: dpa
Berliner TestamentOft wird auch ein sogenanntes Berliner Testament abgeschlossen. So nennt die Fachwelt ein gemeinsames Testament von zwei Verheirateten oder Lebenspartnern. Beide Unterzeichner setzen sich für den Fall des Todes gegenseitig als Erben ein. So erbt der Hinterbliebene zunächst alles, während bei einem normalen Testament auch die Kinder ihren Anteil bekämen. Beim Berliner Testament sind die Kinder Schlusserben, sie bekommen das Vermögen erst, wenn beide Elternteile gestorben sind. Wer sich für ein solches gemeinsames Testament entscheidet, muss allerdings bedenken, dass es auch nur gemeinsam wieder geändert werden kann. Wenn einer der Partner bereits verstorben ist, kann der Hinterbliebene das Testament nur ändern, wenn es eine entsprechende Freistellungsklausel enthält. Quelle: dpa

Wer so langfristig Schenkungen plant sollte aber die Risiken im Blick behalten. „Was ich verschenkt habe, besitze ich nicht mehr. Eine Rückforderung vom Beschenkten ist nur bei grobem Undank oder eigener Not über den Rechtsweg – und nur mit geeigneten Belegen oder Zeugenaussagen - möglich und meist mühsam durchzusetzen“, weiß Cäsar-Preller aus Erfahrung.

Besonders bei der Schenkung von Immobilien sollten sich die Beteiligten absichern. Wer sein Eigenheim an die Kinder verschenken, aber weiter darin wohnen möchte, sollte sich daher ein lebenslanges Wohnrecht einräumen lassen. Durch das Wohnrecht kann der alte Eigentümer nicht mehr zum Auszug gedrängt werden.

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