Ermittlungen nach neuer Steuer-CD Dutzende mutmaßliche Steuersünder aufgespürt

Fahnder der Kölner Staatsanwaltschaft und der Steuerfandung Wuppertal durchsuchten im Dezember eine Woche lang Privatwohnungen - betroffen sind 50 Kunden eines Schweizer Ablegers der Bank Leumi.

Die größten Steuersünder
Uli HoeneßMitte März 2014 wurde der Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, wegen seiner millionenschweren Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Hoeneß hat dem Fiskus mit seinem Schweizer Geheimkonto mindestens 28,5 Millionen Euro an Steuern vorenthalten. Quelle: REUTERS
Anton HofreiterDer Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, hat jahrelang keine Steuern für seine Zweitwohnung in Berlin abgeführt und muss nun mit einer Geldbuße rechnen. „Das ist ein Fehler, den ich bedaure“, sagte Hofreiter über das Steuervergehen. „Ich kann ihn leider nicht ungeschehen machen, sondern nur schnellstmöglichst beheben.“ Quelle: dpa
Niels AnnenAuch der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen (rechts im Bild) hat eingeräumt, keine Zweitwohnungssteuer bezahlt zu haben. Sein Berliner Büro bestätigte einen entsprechenden Bericht der Hamburger „Morgenpost“, wonach der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion jahrelang für seine Zweitwohnung in der Hauptstadt keine Steuern bezahlt hat. Annen selbst sagte dem Blatt: „Ich will das gar nicht entschuldigen und ärgere mich über dieses Versäumnis. Ich werde jetzt selbstverständlich alles nachzahlen.“ Quelle: dpa
Oktoberfestwirt Sepp Krätz Quelle: dpa
Helmut LinssenDer ehemalige CDU-Bundesschatzmeister trat wegen Geldes in Steueroasen zurück. Erst nach dem Tod seines Vaters habe er von dem Konto in Luxemburg erfahren, seine Mutter habe auf dem Verbleib des Vermögens im Ausland bestanden, sagte der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister. Quelle: dpa
André Schmitz„Ich habe einen schwerwiegenden Fehler begangen, den ich sehr bedauere“, erklärte der damalige Berliner Kulturstaatssekretär und räumte ein, ein Konto mit fast einer halben Million Euro in der Schweiz nicht versteuert zu haben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wusste seit 2012 von dem Steuerbetrug, ließ Schmitz aber im Amt. Schmitz kündigte seinen Rücktritt an. Quelle: dpa
Theo SommerFreiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten zur Bewährung für den ehemaligen Herausgeber der Zeit - außerdem eine Geldbuße von 20.000 Euro in einen Förderfonds für Wissenschaft, Bildung und Kunst. Laut Anklage hat der 83-Jährige zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649 000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit fällig geworden wären. Der Publizist bezeichnete die Strafe als „schmerzlich, aber angemessen“. Quelle: dpa

Kunden der israelischen Bank Leumi ins Visier der deutschen Steuerfahndung geraten. Der Bank seien Ermittlungen gegen Kunden bekannt, die den deutschen Steuerbehörden ausländische Konten angeblich nicht offengelegt hätten, erklärte die zweitgrößte israelische Bank am Sonntag. Weitere Angaben wollte die Bank nicht machen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" haben die Kölner Staatsanwaltschaft und die Steuerfahndung Wuppertal nach dem Kauf einer neuen Steuer-CD Ermittlungen gegen deutsche Kunden eines Schweizer Ablegers der Bank Leumi eingeleitet.

Im Dezember durchsuchten demnach rund 100 Fahnder eine Woche lang die Privatwohnungen von etwa 50 Kunden in Frankfurt am Main, München und Berlin. Auf der Steuer-CD, die das Land Nordrhein-Westfalen im Spätherbst 2013 angekauft habe, sollen dem Bericht zufolge die Namen von mehr als 100 deutschen Kunden des Schweizer Ablegers gespeichert sein. Die Dateien hätten eine besondere Qualität, weil die Anlagesummen pro Kunde deutlich höher als bei bisherigen Steuer-CDs seien, berichtete das Magazin unter Berufung auf Justizkreise. Zudem befänden sich auf der CD Daten von mehreren prominenten Kunden. Einer der möglichen Steuersünder soll rund 80 Millionen Euro auf einem Schweizer Konto gelagert haben.

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Die Kölner Staatsanwaltschaft und die Steuerfahndung waren am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Nach dem Kauf von Steuer-CDs aus Nachbarländern hat sich die Zahl der Selbstanzeigen deutscher Steuerflüchtlinge Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr verdreifacht. Die Chance auf Straffreiheit durch eine Selbstanzeige und Nachzahlung hat demnach in den vergangenen Jahren rund 3,5 Milliarden Euro zusätzlich in die deutschen Staatskassen gespült. Die Leumi-Bank ist seit einiger Zeit auch im Visier der US-Justizbehörden - wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

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