Erstes Halbjahr 2014 Zahl der Selbstanzeigen von Steuerbetrügern hat sich verdoppelt

Der Boom bei Selbstanzeigen von Steuerbetrügern hat sich verstärkt: Im ersten Halbjahr meldeten sich weit mehr als doppelt so viele Deutsche bei den Steuerbehörden wie in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Immer mehr Menschen entscheiden sich zu einer Selbstanzeige, um steuerlich nicht länger angreifbar zu sein. Quelle: dpa

Eine Umfrage des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ in den 16 Bundesländern ergab, dass bis Ende Juni mehr als 22 600 Selbstanzeigen mit Bezug zu ausländischen Kapitaleinkünften eingingen. Im Vorjahreszeitraum waren es dagegen nur knapp 9200. Damit ist absehbar, dass es auch für das Gesamtjahr einen Rekord gibt. 2013 gingen in zwölf Monaten 25 700 Selbstanzeigen bei den Behörden ein, 2010 waren es 27 600.
Die Finanzbehörden führen den Boom auf die Steueraffären des ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, und der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer zurück. Außerdem sollen die Regeln für Selbstanzeigen zum Jahresbeginn 2015 verschärft werden. Seit Anfang 2010 haben sich laut „Spiegel“ fast 90 000 Deutsche selbst angezeigt. Die geschätzten Mehreinnahmen des Staates summierten sich auf mehr als vier Milliarden Euro.

Zehn goldene Regeln für die Selbstanzeige

Allein in Nordrhein-Westfalen hätten die Finanzämter im ersten Halbjahr 4591 Selbstanzeigen mit Bezug zur Schweiz gezählt, erklärte das Landes-Finanzministerium. Damit hat sich die Zahl zum gleichen Vorjahreszeitraum verdreifacht. Allein im Juni seien gut 500 eingegangen. Anfang Juni hatte der knapp drei Monate zuvor zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte Ex-Fußballmanager Hoeneß seine Gefängnisstrafe angetreten.
Nach Angaben des Ministeriums summiert sich die Zahl der Steuerselbstanzeigen damit in NRW seit dem Frühjahr 2010 auf 16.511.

So erstatten Steuersünder Selbstanzeige

Durch Selbstanzeigen, die Auswertung von Steuer-CDs und Bußgelder habe die Finanzverwaltung NRW insgesamt Mehreinnahmen von deutlich über einer Milliarde erzielt. "Die neuen Zahlen bestätigen Berichte von Steuerberatern darüber, dass das Reservoir von Selbstanzeigen noch längst nicht ausgeschöpft ist", sagte Landes-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD).

Auch in Bayern war nach früheren Angaben der dortigen Finanzverwaltung die Zahl der Steuer-Selbstanzeigen in den ersten Monaten des Jahres sprunghaft gestiegen. Ab dem kommenden Jahr werden die Voraussetzungen für eine Strafbefreiung erhöht. Außerdem steigt der Strafzuschlag für nachgezahlte Steuern.

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