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Falschgeld? Nein, danke! Daran erkennen Sie gefälschte Geldscheine

Ein Mann prüft mit der Lupe eine 50.Euro-Banknote. Quelle: dpa

563.000 Scheine Falschgeld wurden 2018 aus dem Verkehr gezogen. Das ist weniger als zuvor, doch die Fälschungen werden raffinierter. Wer sich schützen will, sollte drei Tipps beachten.

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Die Gefahr, an Blüten oder falsche Münzen zu geraten, ist statistisch sehr gering. Laut Bundesbank müsste ein Mensch in Deutschland im Schnitt 900 Jahre alt werden, um nur einmal im Leben mit Falschgeld in Berührung zu kommen. Rund 563.000 Blüten zogen Polizei, Handel und Banken in Europa nach jüngsten Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Freitag im vergangenen Jahr aus dem Verkehr. Das waren knapp 19 Prozent weniger als 2017, es bedeutete den niedrigsten Stand seit 2013.

Dennoch besteht Grund zur Vorsicht: „Für eine gewisse Klientel ist es einfacher geworden, an Fälschungen zu gelangen“, sagt Sven Bertelmann, Leiter des Nationalen Analysezentrums (NAC) für Falschgeld und beschädigtes Bargeld in Mainz. „Auch Hologramme und gefälschte Porträtfenster werden im Darknet gehandelt.“

Das Porträtfenster - von Europas Währungshütern erstmals im November 2015 beim neuen 20-Euro-Schein eingeführt - gilt derzeit als eine der höchsten Hürden für Fälscher. Hält man den Schein gegen das Licht, wird das Fenster durchsichtig und zeigt ein Porträt der Europa.

Doch Kriminelle schrecken auch solche Raffinessen nicht ab. Erste 50-Euro-Fälschungen mit - wenn auch verschwommenem - Porträtfenster sind aufgetaucht. „Fälscher rechnen mit dem flüchtigen Betrachter“, erklärt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Die Qualität der nachgemachten Porträtfenster erreiche aber „bislang nicht annähernd das Original“, betont er. „Minimale Sorgfalt reicht manchmal schon, um Falschgeld zu erkennen. Zwei Sekunden können bares Geld sparen. Denn falsche Banknoten und Münzen werden nicht ersetzt.“

Wer nicht zu den Pechvögeln gehören will, in deren Portemonnaie ein falscher Schein hängen bleibt, muss Bargeld prüfen, bevor er es annimmt. Die Bundesbank bietet zahlreiche Schulungen für Kassenpersonal, aber auch für Privatleute. Dazu kann man sich zu kostenlosen Kursen in einer der Bundesbankfilialen in den größeren Städten anmelden oder einen Onlinekurs absolvieren.

Ansonsten wälzt der Staat beim Falschgeld einen großen Teil der Verantwortung auf seine Bürger ab: Anders als für beschädigte Scheine leistet die Bundesbank keinen Ersatz für Falschgeld. Und der Versuch, eine versehentlich angenommene Blüte einfach beim nächsten Einkauf wieder auszugeben, kann bei Entdeckung peinlich enden oder sogar zu Strafen führen.

Die gute Nachricht: Bargeld zu prüfen, nervt im Alltag weniger als man befürchten könnte. Wer Blüten meiden will, muss sich nun nicht gleich bei der Bundesbank zum professionellen Bargeldakteur mit Zertifikat ausbilden lassen. Für den Alltag reicht es, auf die wenigen größten Risiken zu achten:

1. Vorsicht vor falschen Fünfzigern

Der sprichwörtliche falsche Fuffziger macht laut Bundesbank 72 Prozent der gefälschten Scheine aus, gefolgt von der 20-Euro-Note mit 16 Prozent. Diese beiden Scheine sollte man daher prüfen, bevor man sie einsteckt. Wie man richtig kippt und fühlt und die neuen Hologramme erkennt, zeigt die Bundesbank in verständlichen Videos und mit Onlinekursen. Zehner und Fünfer dagegen fallen bei den Fälschungen mit ein und zwei Prozent kaum ins Gewicht. Eine nervige Prüfung kann man sich im Alltag also sparen, zumal der Schaden gering wäre.

2. Vorsicht beim Autoverkauf

Normalbürger kommen mit größeren Barsummen eigentlich nur in Kontakt, wenn sie privat ein Auto oder eine Antiquität verkaufen. Bei diesen Risikotransaktionen ist Vorsicht geboten. Wenn der Käufer auf Barzahlung besteht, kann man ihn in eine Bank begleiten, wo er sich die Scheine am besten frisch auszahlen lässt. Die besonders großen Scheine, der 500er und der 200er, tauchen unter den Fälschungen mit zwei und ein Prozent zwar sehr selten auf. Doch sollte man diese Scheine immer prüfen, weil der Schaden groß wäre. Im Alltag nervt das allerdings kaum, weil die größten Scheine so selten zum Einsatz kommen. Anders sieht es beim 100-Euro-Schein aus: Wer etwa beim Gebrauchtwagenverkauf ein dickes Bündel Hunderter in die Hand gedrückt bekommt, muss genau hinschauen. Denn die 100-Euro-Noten befinden sich immerhin zu sechs Prozent unter den Fälschungen.

3. Auf den Kalender schauen

Führen das Eurosystem und die Bundesbank neue Scheine ein, nutzen auch Fälscher die Gelegenheit, die neuesten Duplikate unters Volk zu bringen. Eine Fälschung fällt weniger auf, wenn die Leute sich noch nicht an die neuen Scheine gewöhnt haben. Am 28. Mai ist es wieder so weit, dann werden neue 100er und 200er in den Verkehr gebracht. Die Bundesbank und Polizei werden vorher aber fleißig Schulungen und Informationen anbieten. Unterm Strich machen neue Scheine den Fälschern aber das Handwerk schwer. Die Zahl der Blüten sank 2018 laut Bundesbank um 20 Prozent. Grund dürfte die Einführung der neuen Banknotenserie gewesen sein.

mit Material der dpa

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