Finanzkrise Citigroup zahlt Anlegern 590 Millionen Dollar

Erfolg für Citigroup-Aktionäre: Im Streit um faule Hypothekenpapiere zahlt die US-Großbank ihren Anlegern 590 Millionen Dollar. Die Kläger hatten im Zuge der Finanzkrise 2008 viel Geld verloren und der Bank Verschleierung vorgeworfen.

Citigroup Quelle: dpa

Die Citigroup schafft sich eine Aktionärsklage mit der Zahlung von 590 Millionen Dollar (470 Mio Euro) vom Hals. Die Kläger hatten der US-Großbank vorgeworfen, ihr wahres Engagement bei giftigen Hypothekenpapieren zu Beginn der Finanzkrise verschleiert zu haben. Die Bank musste am Ende vom Staat mit Steuergeldern vor der Pleite bewahrt werden. Die Aktien verloren massiv an Wert.

„Citi ist heute ein grundlegend anderes Unternehmen als zu Beginn der Finanzkrise“, erklärte die Bank am Mittwoch. Chef Vikram Pandit hat sich von problematischen Geschäftsbereichen getrennt und das einstige Vorzeigeinstitut der New Yorker Finanzwelt zurück in die Gewinnzone geführt. Auch der Staat hat seine geliehenen 45 Milliarden Dollar zwischenzeitlich zurückbekommen - und zwar mit Zinsen.

Womit die Brandstifter heute ihr Geld verdienen
Alan GreenspanVon 1987 bis 2006 war Alan Greenspan Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Während seiner Amtszeit erreichte der Leitzins sein historisches Tief von einem Prozent. In dieser Zeit wuchs das Derivategeschäft der Banken zu einem Finanzmarktmonster, das eine Größe von 500 Billionen US-Dollar erreichte. Die niedrigen Zinsen gepaart mit einer laschen Regulierung der Banken löste letztlich die
Bill ClintonNicht unerheblichen Anteil an der Finanzkrise hatte der frühere US-Präsident Bill Clinton. Die Aufhebung eines und die Unterzeichnung eines anderen Vertrages hat ausgereicht, um ein globales Erdbeben in der Finanzwelt auszulösen. Clinton revidierte zuerst den Glass-Steagall-Act, womit die Trennung zwischen dem Einlagen- und dem Kreditgeschäft in den Banken aufgehoben wurde. Im Anschluss unterzeichnete Clinton den Commodity Futures Modernization Act, wodurch die Regulierung von Kredit-Swaps wegfiel. Dadurch erweiterte sich das Kreditgeschäft der Banken, die Kredite an Haushalte vergaben, die keine ausreichende Bonität vorweisen konnte. Die sogenannte Sub-Prime-Krise war damit geboren. Nach seiner Amtszeit engagiert sich Clinton vor allem für seine AIDS-Stiftung. Und reist als Berater und gefragter Redner um die Welt. Quelle: dapd
George BushDie Finanzkrise 2008 erreichte ihren Höhepunkt während der Amtszeit von US-Präsident George Bush. Während Bill Clinton den Stein ins Rollen gebracht hatte, versäumte es Bush ihn mithilfe einer strengeren Regulierung des Finanzsektors aufzuhalten. Ökonom Nouriel Roubini, der nach der Krise den Spitznamen Dr. Doom erhielt, da er lange vor Ausbruch der Krise vor ihr gewarnt hatte, machte Bush den Vorwurf, seinem Nachfolger Barack Obama ein
Mervyn KingDer Wirtschaftswissenschaftler Mervyn King ist seit 2003 Gouverneur der Bank of England. Er setzte mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent den niedrigsten Zins der Nachkriegsgeschichte fest. Kritisiert wird, dass sich King zu lange an Greenspans Strategie des Niedrigzinsniveaus gehalten und zu spät die Risiken der sich aufblähenden Immobilienblase erkannt hatte. Später reflektierte King sein Verhalten in der Krise 2008 und sagte während einer Globalen Investment Konferenz in London:
Georg FunkeDer ehemalige Chef der Hypo Real Estate dürfte in die deutschen Wirtschaftsgeschichtsbücher eingehen. Viele machen ihn für das Milliardendesaster des Immobilienfinanzierers verantwortlich. Schließlich war unter seiner Führung ein Teil des toxischen Portfolios angesammelt worden, das den Steuerzahler heute Milliarden kostet. Auch der Kauf der Depfa stellte sich als fatal heraus. Funke meldete sich kürzlich aus Mallorca zu Wort - und zeigte wenig Schuldbewusstsein. Der Ex-Banker macht inzwischen auf Mallorca Immobiliengeschäfte. Vom ZDF ließ er sich interviewen und beklagte eine
Stefan OrtseifenWitwen- und Waisenpapiere nannte man einst die Aktien der IKB. Weil sie so sicher waren. Auch der ehemalige Chef der Düsseldorfer Bank, Stefan Ortseifen, dürfte mittlerweile wissen, dass dem nicht so war. Ortseifen ist bislang der einzige Bankvorstand, der im Zusammenhang mit der Finanzkrise verurteilt wurde. Er erhielt wegen vorsätzlicher Marktmanipulation eine zehnmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldbuße. Ortseifen habe die Schieflage der Bank 2007 bewusst geschönt und damit das Vertrauen von Anlegern missbraucht, so das Gericht. Der Manager hatte am 20. Juli 2007 noch die Gewinnprognose der Bank bestätigt. Quelle: dpa
Ingrid Matthäus-MaierIm Jahr 1999 legte Ingrid Matthäus-Maier ihr Bundestagsmandat nieder – aus der SPD-Politikerin wurde eine Bankerin. Matthäus-Meier wurde Vorstandsmitglied der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und rückte 2006 an die KfW-Spitze. Am 30. Juli 2007 geriet die IKB Deutsche Industriebank durch die Krise am US-Hypothekenmarkt in eine massive Schieflage. Durch Milliarden des Großaktionärs KfW wurde die IKB gerettet. Matthäus-Meier wurde scharf kritisiert – und trat überraschend im April 2008 zurück. Zu den Vorkommnissen rund um die IKB äußert sie sich nicht mehr. Heute konzentriert sich die 66-Jährige auf Ehrenämter in Stiftungen und engagiert sich als Atheistin in der Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“. Quelle: AP

Der nun geschlossene Vergleich betrifft Aktionäre, die zwischen dem 26. Februar 2007 und dem 18. April 2008 Anteilsscheine erworben hatten. Alleine in dieser Zeit hatte sich der Kurs mehr als halbiert auf rund 250 Dollar - und ist bis heute nicht annähernd wieder so hoch gestiegen. Am Mittwoch legte das Papier 1 Prozent zu auf 29,70 Dollar. Die Bank erkannte mit dem Vergleich allerdings keine Schuld an. Die Citigroup wolle schlicht Unwägbarkeiten aus der Welt schaffen und weitere Kosten vermeiden, hieß es. „Wir sind zufrieden, diese Sache hinter uns zu lassen.“

Das Geld wird - nach Abzug der Anwaltsrechnung - unter den Aktionären aufgeteilt. Ein Richter muss dem Vergleich noch zustimmen.

Spektakuläre Urteile gegen Anlagebetrüger

Die Finanzkrise hatte im Jahr 2007 ihren Anfang genommen, als die Immobilienblase in den USA platzte. Da viele Investoren ihr Geld in Wertpapiere gesteckt hatten, die auf US-Hypotheken fußten, geriet das gesamte Finanzsystem aus den Fugen. Die Probleme gipfelten in der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.

Die Finanzkrise führte im Nachhinein zu einer regelrechten Klagewelle. Investoren fühlten sich von Banken betrogen, die einzelne Hauskredite zu komplexen Hypothekenpapieren gebündelt hatten. Der Vorwurf war immer der gleiche: Die Banken hätten gewusst, mit welchem Schrott sie handelten und es bewusst verschwiegen. Viele der beklagten Banken erlitten aber auch selbst hohe Verluste.

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