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FlowTex-Gründer Schmider muss wegen Geldwäsche ins Gefängnis

Der FlowTex-Skandal beschäftigt noch immer die Justiz: Ein Gericht in der Schweiz hat Gründer Manfred Schmider und seine Ex-Frau jetzt wegen Geldwäsche und Urkundenfälschung verurteilt - beide müssen ins Gefängnis.

FlowTex-Gründer Schmider Quelle: dpa

Erneute Haftstrafe für den ehemaligen Geschäftsführer der Betrugsfirma FlowTex: Das Bezirksgericht Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau hat den 66-jährigen Manfred Schmider am Donnerstag wegen Geldwäsche zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Die Hälfte davon könnte auf Bewährung ausgesetzt werden, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. Hinzu komme eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 200 Schweizer Franken (181 Euro). Schmider - Spitzname „Big Manni“ - wollte sich zunächst nicht zu dem Urteil äußern.

Schmiders Ex-Frau wurde als Hauptangeklagte ebenfalls wegen Geldwäsche sowie Urkundenfälschung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt - davon zwei Jahre auf Bewährung. Nach Entscheidung des Gerichts muss sie zudem eine Strafe von 260 Tagessätzen zu je 200 Schweizer Franken zahlen. Der Anwalt der Frau soll für zwei Jahre in Haft, zudem erhielt er eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je 400 Franken.

Der vor rund 15 Jahren aufgedeckte FlowTex-Skandal war einer der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Die von Schmider in Ettlingen bei Karlsruhe gegründete Firma hatte für Milliarden von D-Mark Spezialbohrgeräte für die unterirdische Rohrverlegung „verkauft“, von denen die meisten aber nur auf dem Papier existierten. Schmider saß in Deutschland sieben Jahre in Haft, 2007 kam er frei.

Wenn aus Pleiten Kriminalfälle werden
TeldafaxDie Insolvenz von Flextrom weckt Erinnerungen an Teldafax. Das Unternehmen, ebenfalls Stromanabieter, das auf Vorkasse setzte, war Im Sommer 2011 pleite gegangen. Viele Kunden hatten für ihren Strom Vorauszahlungen an Teldafax geleistet, für die sie nach der Pleite keine Gegenleistung mehr erhielten. Nun müssen sich drei frühere Vorstände des Stromdiscounters wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs vor Gericht verantworten. Nach 18 Monate dauernden Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Bonn im Februar Anklage erhoben. Quelle: dpa
Jürgen SchneiderZu den wohl bekanntesten deutschen Kriminalinsolvenzen zählt der Fall des Baulöwen Jürgen Schneider. Er besaß Dutzende teils historische Immobilien, darunter die Mädlerpassage in Leipzig, die Zeilgalerie in Frankfurt oder das Bernheimer-Palais in München. Doch er hatte sein Imperium auf einem gigantischen Schuldenberg errichtet. 5,4 Milliarden Mark hatten im Banken geliehen. Erst als sein Firmenkonglomerat 1994 kollabierte, wurde offenbar, dass sich Schneider die Kredite teils mit falschen Angaben erschwindelt hatte. Die Banken hatten seine Aussagen oft ungeprüft geglaubt. Nach spektakulärer Flucht und Ergreifung wurde der ehemalige zu knapp sieben Jahren Haft verurteilt. Quelle: AP
BelugaAuch der Schiffbruch der Beluga-Reederei im Jahr 2011 hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Bremen erhob im Februar Anklage gegen Niels Stolberg wegen Kreditbetruges in mehreren Fällen. Dem Reederei-Gründer wird vorgeworfen, zwischen 2006 und 2010 bei Schiffsneubaufinanzierungen die kreditgebenden Banken belogen zu haben. Stolbergs Sprecher verwies in der Vergangenheit darauf, dass es fraglich sei, ob den Banken ein Schaden entstanden sei, Stolberg habe sich nicht persönlich bereichert. Quelle: dpa
FlowtexÜber die skandalumwitterte Ettlinger Bohrtechnik-Firma Flow-Tex wurde beim Amtsgericht Karlsruhe das Insolvenzverfahren geführt. Flowtex hatte im großen Stil Erd-Bohrgeräte vermietet, die gar nicht existierten. Die Geschäftsführer des Unternehmens, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, wurden daher im Februar wegen des Verdachts auf Betrug, Kapitalanlagebetrugs und Steuerhinterziehung verhaftet. Die Gläubiger der Schwindelfirma, bei der sogar die Zahl der Beschäftigten gefälscht war, wurden angeblich um 2,5 Milliarden DM geprellt. Quelle: AP
HessDie börsennotierte Leuchtenfirma meldete Mitte Januar Insolvenz an und schnell geriet die Pleite zum Bilanzskandal. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Bilanzmanipulation gegen 15 Personen, darunter auch Geschäftspartner, die mutmaßliche Scheinrechnungen geschrieben haben sollen. Bislang weisen die beiden Hauptbeschuldigten, darunter der entlassene Vorstandschef und der Ex-Finanzvorstand, die Vorwürfe zurück. Quelle: dpa
Phoenix KapitaldienstVon 1992 an hatte der Finanzvertrieb Phoenix Kapitaldienst seinen Kunden Spekulationen auf den Terminmärkten angeboten. Das so eingesammelte Geld sollte in einem speziellen Produkt, dem „Phoenix Managed Account", angelegt werden. Das Geld der Kunden wurde angeblich bei dem Londoner Broker Man Financial verbucht. Doch das angebliche Konto dort gab es nie. Dennoch wies das Unternehmen phantastische Renditen teilweise von mehr als 20 Prozent pro Jahr aus. Spätestens ab 1994 sollen die Angaben reine Illusion gewesen sein. Im März 2005 brach das System zusammen, die Gesellschaft meldete Insolvenz an. Die Geschäftsführerin kam im Juni 2005 in Untersuchungshaft und wurde später wegen Untreue zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Quelle: dpa/dpaweb
SchleckerAuch die Schlecker-Pleite hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen den früheren Drogeriepatriarchen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Ermittler durchsuchten im vergangen Jahr Wohnungen und Büros und stellten umfangreiche Unterlagen und Dateien sicher. Ob das für eine Anklage reicht, bleibt abzuwarten. Quelle: dapd

Die beiden erwachsenen Kinder Schmiders wurden freigesprochen. Im Gegensatz zu ihren Eltern und dem Anwalt sei dem Sohn und der Tochter des Ex-Paares nicht bewusst gewesen, dass etwa eine Villa Schmiders in der Schweiz mit verbrecherischen Mitteln finanziert und umgebaut worden sei, sagte der Richter.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Parteien hätten nach deren Zustellung zehn Tage Zeit, Berufung einzulegen, sagte der Staatsanwalt. Der Prozess um die Veruntreuung von Millionen Euro mit Hilfe des deutschen Betrugsunternehmens FlowTex hatte im Oktober 2015 in Frauenfeld begonnen und rund 20 Verhandlungstage gedauert.

Mit den Urteilen bleibt das Bezirksgericht deutlich unter den Anträgen der Anklage. Die Staatsanwaltschaft wollte in dem Prozess beweisen, dass Vermögenswerte von rund 25 Millionen Franken aus dem im Jahr 2000 aufgeflogenen Betrugsfall rund um die Firma FlowTex in die Schweiz verschoben und dort gewaschen wurden. Für Schmider hatte die Anklage dreieinhalb Jahre Haft gefordert, für seine Ex-Frau fünf Jahre und fünf Monate.

Die Verteidigung hatten dagegen die Argumentation der Staatsanwaltschaft stark kritisiert und durchwegs Freisprüche gefordert.

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