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Fonds und Versicherungen EU plant neue „Beipackzettel“ für Anleger

Der Anlegerschutz bei Fonds und Versicherungen soll gestärkt werden. Dafür verlangt die EU eine Überarbeitung der „Beipackzettel“. Außerdem sollen Versicherungen ihre Provisionen offenlegen - ein kritischer Punkt.

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EU-Kommissar Michel Barnier legte ein Gesetzespaket zu den Plänen vor. Quelle: dapd

Brüssel/Frankfurt Die EU will die Verbraucherrechte bei Finanzanlageprodukten stärken. Ob Investmentfonds oder Versicherungen - die Kunden sollen künftig besser beraten und informiert werden, bevor sie über Geldanlagen entscheiden. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier stellte dazu am Dienstag in Straßburg ein Gesetzespaket vor.

Für die meisten Anlageprodukte sollen künftig verständliche Kurzinformationen erstellt werden. Versicherungen und ihre Vertreter müssten bei einer "ehrlichen und professionellen" Beratung Provisionen ausweisen. Die Versicherungswirtschaft kritisierte die Offenlegungspflicht. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz lobte hingegen das Gesetzespaket.

In der Finanzkrise sei das Vertrauen der Kunden in Geldanlagen schwer erschüttert worden, erklärte die EU-Kommission. Die Anbieter ließen die Verbraucher oft im Unklaren über Verlustrisiken, sodass diese zu den falschen Produkten griffen.

Als besonders gravierend gilt der Skandal um einen Luxemburger Fonds des amerikanischen Milliardenbetrügers Bernard Madoff, der die Anleger über ein Schneeballsystem um zig Milliarden Dollar prellte. Die Geschädigten hatten in Luxemburg erfolglos gegen die Depotbank UBS geklagt. Nach der jetzt vorgeschlagenen Verschärfung der Regeln zu Investmentfonds sollen die Verwahrstellen künftig stärker kontrolliert werden. Klagen gegen entsprechende Verluste durch Betrug werden erleichtert.

Verständlichere Informationen sind nach Ansicht der Brüsseler Behörde vor allem bei Versicherungen notwendig. Eine Umfrage ergab kürzlich, dass mehr als 70 Prozent der Verträge ohne ausreichende Beratung abgeschlossen werden. Das soll durch europaweite Standards verbessert werden. Die Vorschriften zum Vertrieb gelten künftig auch für die Versicherungen selbst und nicht länger nur für Makler. Versicherungsvermittler müssen nach Barniers Entwurf den Kunden künftig Einblick in ihre Vergütung geben. Wer Provisionen für Kapitalanlageversicherungen kassiert, darf sich zudem nicht als unabhängiger Berater bezeichnen.


GDV gegen transparente Provisionen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist gegen Transparenz bei Vermittlerprovisionen. "Die Offenlegung ... halten wir für falsch, weil sie dem Kunden bei der Beurteilung eines Versicherungsprodukts nicht weiterhilft", erklärte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Dies verleite den Kunden dazu, ein Produkt mit geringerer Provision für das bessere zu halten. Der GDV bevorzugt die seit 2008 in Deutschland geltende Vorschrift, nach der die Gesamtkosten einschließlich der Provisionen angegeben werden müssen. Das Verbraucherschutzministerium begrüßte jedoch die schärferen EU-Anforderungen: "Jeder Schritt, der die Transparenz für die Verbraucher erhöht, geht in die richtige Richtung."

Alle komplexen Anlageprodukte sollen nach dem EU-Plan in einem übersichtlichen Beipackzettel verständlich erklärt werden. Barnier sagte, zu komplizierte, schwer lesbare Erläuterungen seien nicht akzeptabel. "Das Ziel ist, dass der Verbraucher das Produkt versteht", ergänzte er. Die KIDs ("Key Investment Documents") genannten Informationsblätter, die es für Investmentfonds schon länger gibt, sollen die Kunden über Risiken, Kosten und die zurückliegende Wertentwicklung aufklären, damit sie Produkte besser vergleichen können. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) lobte, dass künftig auch die Anbieter von Zertifikaten und Lebensversicherungen ihre Kosten ausweisen müssen.

In Deutschland müssen Banken und Fondsanbieter den Kunden schon heute "Beipackzettel" für alle Anlageprodukte aushändigen. Diese müssten jetzt überarbeitet werden, erklärte der Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Der Privatbankenverband BdB begrüßte die lange erwarteten Vorschriften, denen die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament zustimmen müssen. "Wir erwarten allerdings, dass die Neuerungen in Abstimmung mit den bereits bestehenden deutschen Informationsblättern geschehen, damit es europaweit einheitliche Regelungen gibt", forderte der Verband.

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