Forderung Kassen sollen Medikamente zur Rauchentwöhnung zahlen

Geht es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, so müssen die Krankenkassen in Zukunft Rauchern die Kosten für Arzneimittel erstatten, die bei der Rauchentwöhnung helfen sollen.

Mechthild Dyckmans Quelle: dapd

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), hat sich dafür ausgesprochen, dass Krankenkassen Rauchern künftig die Arzneimittel für die Tabakentwöhnung erstatten. Neben der ärztlichen Tabakentwöhnungsbehandlung sollen die Kassen dann auch Medikamente bezahlen, die die Sucht nach Nikotin unterdrücken, sagte Dyckmans der "Berliner Zeitung". "Die Kassen haben schließlich selbst einen großen Kostenvorteil, wenn ein Versicherter mit dem Rauchen aufhört", fügte sie hinzu.

Die gruseligsten Zigarettenschachteln der Welt
Die Europäische Kommission will, dass statt rund einem Drittel zukünftig zwei Drittel der Zigaretten-Verpackungsfläche Schockbilder und Warnhinweise tragen. Diese Regelung soll ab dem 20. Mai 2016 in Kraft treten und anschauliche Detailbilder ermöglichen. Diese sollen die Folgen des Rauchens für die Gesundheit bildlich darstellen. Quelle: Europäische Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher
Alle Bilder sollen neben einem dramatischen Bild gesundheitsbezogene Warnhinweise enthalten. Quelle: Europäische Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher
Die Gesundheitswarnungen kombiniert mit den Warnfotos sollen dann ab Mai nächsten Jahres mindestens 65 Prozent der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Tabakpackungen ausmachen. Quelle: Europäische Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher
Neben Warnhinweisen, die sich auf gesundheitliche Schäden beziehen, will die Europäische Kommission mit den neuen Bildern und Texten auch an das Gewissen der Raucher appellieren und thematisiert den Tod eines Rauchers als Unglück für Familie und insbesondere Kinder. Quelle: Europäische Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher
Die EU verfolgt eine umfassende Strategie gegen den Tabakkonsum, zu der neben den Rechtsvorschriften über Tabakwerbung, Sponsoring und Tabakerzeugnisse gehören, sowie die Unterstützung von Mitgliedstaaten und Sensibilisierungsmaßnahmen. Die Vorschriften zur Zigarettenschachtelgestaltung sind damit nur einer von vielen Punkten. Quelle: Europäische Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher
Der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, erklärte mit Blick auf das unveränderte Einstiegsalter der europäischen Raucher: "Die Zahlen zeigen, dass der Kampf gegen den Tabak noch nicht gewonnen ist, insbesondere bei den jungen Menschen. Es ist nicht akzeptabel, dass Europäerinnen und Europäer im Teenageralter das Rauchen immer noch attraktiv finden. Dies soll mit den neuen Bildern und Warnhinweisen anders werden.
Die neuen Richtlinien zur Verpackungsgestaltung betreffen nicht nur Zigaretten, sondern auch Tabak zum Selbstdrehen, Pfeifentabak, Zigarren, Zigarillos, rauchlose Tabakerzeugnisse, elektronische Zigaretten und pflanzliche Raucherzeugnisse. Quelle: Europäische Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher
Die EU-Staaten haben im Juni 2013 bereits auf Regeln zur Eindämmung des Rauchens geeinigt. Das Europaparlament muss den Vorgaben aber noch zustimmen. Vorgesehen sind unter anderem Schockfotos, zum Beispiel von Raucherlungen, die bis zu zwei Drittel der Packung bedecken. Geschmacksverändernde Aromen wie Menthol sollen als Zusätze künftig verboten werden. Die dünnen Slim-Zigaretten, die vor allem bei jungen Menschen und Frauen beliebt sind, sollen aber weiter erlaubt sein. Nach Zahlen der EU-Kommission sterben jedes Jahr in Europa 700.000 Menschen an Folgen des Rauchens. Vor zehn Jahren sahen deutsche Zigarettenpackungen noch so aus, wie auf dem Bild zu sehen. Der Warnhinweis der „EG-Gesundheitminister“ fand sich lediglich klein gedruckt am unteren Rand. Seit dem hat sich in der Gestaltung der Packungen weltweit viel getan. Quelle: AP
Ab 2003 wurden die Warnhinweise EU-weit größer und einheitlich gestaltet. Von abschreckenden Bildern war damals noch nicht die Rede - und bis heute ist das in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern auch noch nicht üblich. Ganz anders in Australien. Das oberste Gericht des Landes erklärte es heute für rechtlich zulässig, dass Zigarettenpackungen nicht nur mit abschreckenden Bildern und großen Warnhinweisen versehen werden müssen. Es darf zudem nur der Markenname des Herstellers in einfacher Schrift aufgedruckt sein. Quelle: dpa
Mit der Vorschrift zur einheitlichen und neutralen Gestaltung ist Australien derzeit Vorreiter. Die Packungsgestaltung gilt sein Dezember 2012. Quelle: dpa
Eine Übersicht der in Brasilien verwendeten Warnungen auf einen Blick. Es wird sowohl vor den Auswirkungen des Tabakkonsums auf die eigene Gesundheit als auch auf die Gesundheit von Passivrauchern, Kindern und ungeborenen Säuglingen hingewiesen. Quelle: Brasilianisches Gesundheitsministerium
Das australische Gesundheitsministerium hält eine breite Palette an Bildern bereit. Auch in anderen Ländern sind solche drastischen Abbildungen üblich, allerdings darf dort noch das Logo einer Marke verwendet werden. Quelle: dapd
In Neuseeland gilt seit 2008 bei der Bildwahl eine ähnliche Vorschrift wie in Australien. Hier versuchen die Packungsdesigner, Mitleid zu erwecken und so Käufer abzuschrecken. Quelle: Neuseeländisches Gesundheitsministerium
Kein medizinisches Sachbuch braucht sich hinter den neuseeländischen Abbildungen zu verstecken. Ironischerweise trägt die Webseite des Gesundheitsministeriums eine Warnung vor dem Schockpotenzial der Bilder. Im Laden fehlt ein solcher Hinweis jedoch. Quelle: Neuseeländisches Gesundheitsministerium
Etwas weniger drastisch fällt die Bebilderung in Spanien aus. Doch damit ist das südeuropäische Land schon eine Stufe weiter als die bislang in Deutschland üblichen, rein schriftlichen Warnungen. Quelle: dpa
Das Bild aus einem thailändischen Kiosk stammt bereits aus dem Jahr 2005 - Warnungen im Bild waren damals dort schon üblich. Quelle: AP
In Singapur schrecken mindestens seit 2006 bereits Bilder die Käufer ab - und dazu noch die Preise. Über sieben Euro kostet eine Schachtel. Quelle: dpa

Die FDP-Politikerin lehnte es zugleich ab, die Pläne der EU-Kommission zur Eindämmung des Rauchens auf nationaler Ebene noch zu verschärfen, beispielsweise durch die in Australien vorgeschriebenen Einheitsverpackungen oder ein Verbot des Herstellerlogos.

"Ein Verbot von suchtfördernden Zusatzstoffen und auffällige Warnhinweise sind aus meiner Sicht geeignete Schritte, damit künftig weniger Menschen zur Zigarette greifen", betonte sie. Einheitsverpackungen seien dagegen nicht erforderlich, um das Ziel zu erreichen, dass weniger Menschen rauchten.

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg hatte Mitte vergangener Woche in Brüssel Änderungen der seit 2001 geltenden Tabakrichtlinie vorgeschlagen. Demnach sollen unter anderem Zigaretten und Tabak mit charakteristischen Aromen wie Menthol verboten werden. Zudem sollen künftig drei Viertel der Verpackungsfläche vorn und hinten mit aus Bildern und Text bestehenden Warnhinweisen versehen sowie die Packungen etwa in ihrer Größe vereinheitlicht werden. Die Kommission will es den EU-Staaten freistellen, ob sie nach dem australischen Vorbild Einheitsverpackungen einführen.

Grünen-Politikerin Bärbel Höhn hatte den Vorschlag der EU-Kommission gelobt. Sie sei notwendig, um die Suchtprävention voranzubringen, sagte Höhn der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vergangenen Donnerstag. Wenig Chancen räumte sie möglichen Klagen der Tabakindustrie ein: "In der aktuellen Situation, in der Australien mit neutralen Verpackungen voran geht, ist es nicht wahrscheinlich, dass sich europäische Gerichte von den Enteignungsrufen der Tabakindustrie beeindrucken lassen." Die Bundesregierung rief sie auf, sich nicht den "Lobbyinteressen" zu beugen. Gesundheitsschutz müsse Vorrang vor Wirtschaftsinteressen haben, sagte sie.

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