Gbureks Geld-Geklimper

Was in der Bargeld-Diskussion schief läuft

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

An den Haaren herbeigezogene Argumente und ein Schlupfloch-Gesetz: Das Niveau der Beiträge zum Thema Bargeld, ja oder nein, führt in die Irre. Cui bono?

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen
Nova Kreditna Banka Maribor Quelle: dpa
Nova Ljubljanska banka Quelle: REUTERS
Bank of Cyprus Quelle: AP
Dexia Quelle: dpa
Banco Populare di Vicenza Quelle: AP
Banca Populare di Milano Quelle: AP
permanent tsb Quelle: dpa

Warum ist die Diskussion über den „Anachronismus“ der Geldscheine und Münzen („Wirtschaftsweiser“ Peter Bofinger) und über die Abschaffung großer Geldscheine (US-Ökonom Kenneth Rogoff) gerade zuletzt wieder entbrannt? Nur weil nach Schweden bald auch Dänemark den massiven Kampf gegen Bares aufnehmen will? Das ist gedanklich viel zu kurz gesprungen. Andere Begründungen kommen da schon etwas plausibler daher: Weil Banken und Handel vom teuren Umgang mit Bargeld entlastet würden. Weil digitale Vorreiter, von großen Konzernen wie Apple und Alibaba bis zu kleinen Fintech-Klitschen, Vorteile vom bargeldlosen Zahlen hätten. Weil – so das weit verbreitete Totschlagargument Nummer eins – Schwarzarbeit und Drogenhandel unterbunden werden könnten. Und weil – Nummer zwei – der Kampf gegen den Terrorismus erleichtert würde.

Wo die Deutschen gerne mit dem Smartphone zahlen würden

Doch dieses Sammelsurium an Argumenten bringt uns nicht wirklich weiter. Allein schon deshalb, weil es interessengetrieben ist und zum Teil an der Realität vorbei zielt. Da passt es ganz gut, dass Rogoff uns mit einem seiner weiteren akademischen Vorschläge auf eine heiße Spur führt: Die EZB könnte uns in bargeldlosen Zeiten zum Konsum zwingen, indem sie auf Kontogeld Strafzinsen erhebt. Aha, Enteignung auf amerikanische Art. Jenseits des Großen Teichs hat die Verteufelung des Bargelds ja schon mehrfach geklappt: Musterung mit einem schiefen Blick durch die Kassiererin, wenn man einen Einkauf über mehr als 50 Dollar bar bezahlen möchte. Oder, noch schlimmer, Verdacht auf Geldwäsche, sobald jemand einen hohen Betrag im Bankschließfach lagert.

George Orwell lässt grüßen

 Rogoffs Spur ist deshalb heiß, weil er ausgerechnet zu einem Zeitpunkt laut wurde, als in Europa die Renditen der Staatsanleihen schlagartig nach oben schossen und der Goldpreis sich erholte. Diese beiden Entwicklungen sprechen dafür, dass das scheinbar blinde Vertrauen, das man bis März dieses Jahres in das Management staatlicher Schulden hatte, dem Misstrauen in alles weicht, was gemeinhin als Papiergeld bezeichnet wird: neben Kontogeld auch Anleihen aller Art, auf ihnen basierende Fonds, Kapitallebens- und Rentenversicherungen, der weit überwiegende Teil der Riester-Renten und sonstige Systeme der Altersvorsorge.

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Auch Geld in der Brieftasche, im Portemonnaie oder unter der Matratze ist natürlich Papiergeld. Es hat im Vergleich zum nicht baren Papiergeld allerdings mindestens die vier folgenden Vorteile: stetige Verfügbarkeit; Annahmezwang im Laden, an der Tankstelle oder Theaterkasse; keine Abhängigkeit von Plastikteilen und Geldautomaten (zuletzt in Griechenland immer wieder ein Problem); kein Hinterlassen von Spuren und damit Schutz der Privatsphäre. Durch den Zwang zum Bezahlen mit den anderen Papiergeld-Varianten müsste man einen Großteil der Privatsphäre letzten Endes dem Staat preisgeben. Den Rest hat George Orwell in seinem epochalen Werk mit dem Titel „1984“ weit vorausschauend schon vor Jahrzehnten beschrieben.

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