Geheimliste zur Kreditwürdigkeit Was die Schufa noch immer verschweigt

Die Schufa ist Deutschlands größte Auskunftei. Um ihre geheimnisvollen Methoden zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit ist nun eine neue Diskussion entbrannt. Offenbar werden Verbraucher nicht ordnungsgemäß informiert.

Ein Formular für eine Schufa-Bonitätsauskunft. Eine vertrauliche Liste bringt Licht ins Dunkel der Schufa-Scores. Quelle: dpa

Wie transparent ist die Schufa? Um diese Frage ist am Donnerstag eine neue Diskussion entbrannt. Spannend an der geheimen Liste über die Scores der Schufa, die dem NDR vorliegt, ist die nach wie vor gut gehütete Wertung der einzelnen Faktoren, aus denen die Schufa auf die Kreditwürdigkeit einer Person schließt. Denn dabei sind überraschenderweise die Häufigkeit von Krediten, ihre Laufzeit oder sogar eine eventuelle Privatinsolvenz weniger wichtig, als man bislang angenommen hatte. Viel stärker geht nach den NDR-Informationen etwa in die Formel ein, wie lange ein Bankkonto existiert oder wie lange eine Person an ein und demselben Wohnort wohnt. Dem Bericht nach stehen solche Daten auf der Schufa-Liste ganz oben.

Die Berechnung des sogenannten Scores hütet die Schufa so streng, wie etwa Coca Cola sein Brause-Rezept - diesen Vergleich strengte Schufa-Chef Michael Freytag in der Vergangenheit immer wieder an. Die Auskunftei weigert sich unter Berufung auf das Geschäftsgeheimnis, offenzulegen, wie ihre Verbraucherbewertungen im Einzelnen zustande kommen.

Der Bundesgerichtshof hatte dem Unternehmen hier in diesem Jahr in einem Urteil recht gegeben, laut dem Auskunfteien den Verbrauchern zwar mitteilen müssen, welche Daten sie für ihre Wertungen heranziehen - nicht aber, wie sie die Note berechnen. Politiker und Datenschützer fordern die Schufa dennoch seit langem zu mehr Transparenz auf.

Schufa-Ranking der Bundesländer (Stand: April 2013)

Die Liste, auf die sich der NDR bezieht, wurde im Vorfeld eines Treffens von Schufa-Vertretern mit den Datenschutzbehörden im Sommer 2010 erstellt. Auf ihr sind 18 Punkte aufgeführt, die die Auskunftei bei der Errechnung der Scores berücksichtigt. Die Liste der Faktoren wurde aus der Auswertung von fast 42 Millionen Fällen früherer Jahre erstellt und zeigt, wie häufig einzelne Variablen dabei verwendet wurden. Laut der Liste gibt es nicht "den einen Schufascore", sondern 140 verschiedene, bei denen branchenspezifisch jedes Mal andere Daten miteinander kombiniert werden.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%