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Geldwäsche Geldwäscheverdacht beim Luxuskauf

Die Bundesregierung verschärft den Kampf gegen Geldwäsche, um Terrorismus und organisierter Kriminalität den Geldhahn abzudrehen. Verkäufer hochwertiger Produkte macht sie zu Hilfssheriffs.

Eine Frau steht auf einer Yacht Quelle: dapd

Wer ein Collier von Tiffany, eine C-Klasse von Daimler oder eine schnittige Jacht kaufen möchte, muss künftig auf die Frage „Sind Sie ein Pep?“ vorbereitet sein. Pep steht für politisch exponierte Person, und als verdächtig gelten Minister, Staatssekretäre oder Botschafter aus fremden Landen. Ziel der Abfrage – zu der neben Juwelieren, Auto- und Schiffshändlern auch Verkäufer von Flugzeugen oder Kunstwerken verpflichtet sind – ist es, die Gaddafi- und Camorra-Clans dieser Welt davon abzuhalten, ihr schwarzes Geld in Deutschland weißzuwaschen.

Die Verstecke der Schwarzgeld-Schmuggler
"Haben Sie Bargeld dabei?"Zöllner kontrollieren stichprobenartig, ob Reisende hohe Bargeldsummen im Gepäck haben. Die Kontrollen können direkt am Grenzübergang stattfinden, aber auch durch mobile Einsatztrupps, die einige Kilometer im Landesinneren lauern. Wer mehr als 10.000 Euro dabei hat, muss dies den Zöllnern mitteilen. Wenn Reisende schweigen und die Ermittler trotzdem hohe Summen finden, informieren sie per Kontrollmitteilung das Finanzamt des Betroffenen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Schmuggelroute Bregenz - Lindau: Besonders häufig sind die Zöllner an den Grenzen zu Luxemburg und der Schweiz unterwegs. Zahlreiche Bargeldfunde melden traditionell die Beamten aus der Region Lindau am Bodensee. Dort - im Dreiländereck Schweiz-Österreich-Deutschland - kommen zahlreiche Steuerflüchtige vorbei, die ihr Schwarzgeld zurück in die Heimat schmuggeln wollen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Daten-CD's schrecken Hinterzieher auf: 2010 war für Deutschlands Bargeld-Fahnder ein Rekordjahr. Die Tatsache, dass der deutsche Fiskus eine CD mit Kundendaten der Schweizer Großbank Credit Suisse gekauft hatte, schreckte zahlreiche Hinterzieher auf. Viele entschieden sich für eine strafbefreiende Selbstanzeige beim Finanzamt, andere versuchten, ihr Geld heimlich zurückzuholen. Aber längst nicht allen Steuersündern gelang es, durch die Zollkontrollen zu schlüpfen. Quelle: Reuters
Angst vor dem Abkommen:Auch 2011 blieb die Angst vor Entdeckung groß - vor allem wegen des Steuerabkommens, über das Deutschland und die Schweiz verhandeln. Es sieht eine engere Kooperation der eidgenössischen Banken mit deutschen Steuerfahndern sowie eine pauschale Strafsteuer für Schwarzgeld vor. Ob das Abkommen in Kraft tritt, steht aber noch nicht fest, da die SPD Nachbesserungen fordert. Quelle: dapd
Scheine ohne Ende: Allein die Fahnder im Großraum Lindau (Bodensee) stellten 2011 rund drei Millionen Euro Bargeld sicher und fanden in den Unterlagen von Reisenden Konto- und Depotauszüge, die auf ein Auslandsvermögen von satten 500 Millionen Euro hindeuten. Schätzungen zufolge dürften sich daraus Steuernachzahlungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich für den deutschen Fiskus ergeben - allein durch Funde in Lindau und Umgebung, wohlgemerkt. Quelle: dpa
Schlechtes Versteck im Koffer:Nur selten liegt das Bargeld ganz offen im Koffer wie im Fall dieses Krimi-Fans, den die Lindauer Zöllner kürzlich schnappten. Die meisten Schmuggler lassen sich bessere Verstecke einfallen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Cash am Körper: Großer Beliebtheit erfreuen sich Taschen, die unter der Kleidung ganz eng am Körper getragen werden. Anfang März erwischten Zöllner am Grenzübergang Bietingen einen 59-jährigen Metzgermeister aus Bayern, der 147.000 Euro in zwei Bauchtaschen schmuggelte. Wegen Nichtanmeldens des Bargeldes muss er nun ein Bußgeld zahlen, zudem wird sein Heimatfinanzamt informiert - dem er dann erklären muss, woher das Geld stammt. Quelle: Hauptzollamt Ulm

Mittlerweile gelten für die Wirtschaft hierzulande verstärkte Sorgfaltspflichten. Damit verschärft die Bundesregierung den Kampf gegen die Geldwäsche – auch um selbst nicht auf die schwarze Liste solcher Länder zu kommen, die Terroristen, Diktatoren und Mafiosi bewusst oder fahrlässig unterstützen.

Rüge für Deutschland

Tatsächlich steht Deutschland unter besonderer Beobachtung der westlichen Staatengemeinschaft. Die Geldwäsche-Task-Force FATF der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte Berlin vor zwei Jahren gerügt. In diesem Jahr muss die Bundesregierung zum Rapport und über ihre Fortschritte berichten.

„Ein Großteil der Monita dürften mit den neuen Gesetzen behoben sein“, heißt es in einem Papier des Bundesfinanzministeriums. Noch ist allerdings offen, wie die vor Ort zuständigen Bundesländer die Vorschriften umsetzen. Fest steht allerdings, dass auf die Wirtschaft zusätzliche Kosten für Schulungen, Zuverlässigkeitsprüfungen und Geldwäschebeauftragte zukommen, sagt Hildegard Reppelmund, Rechtsexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

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