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Gerichtsurteile Wie die Justiz Jagd auf Börsenbetrüger macht

Insiderhandel und Kursmanipulation sind vor Gericht schwer nachweisbar. Aber die Justiz hat sich in den vergangenen Jahren im Wettrennen gegen Kriminelle an den Finanzmärkten Boden gut gemacht. Die spektakulärsten Urteile.

Der inzwischen verurteilte Anlagebetrüger Bernard Madoff bei seiner Verhaftung in New York Quelle: REUTERS

Für die Kläger war es ein großer Tag. Gut anderthalb Jahre nach den Verhaftungen und nahezu vier Jahre nachdem Anleger durch die Verbrechen der Angeklagten geschädigt wurden, fiel in München das Urteil in einem spektakulären Fall organisierter Kursmanipulation.

Seit einer Razzia im Herbst 2010 saßen die ehemaligen Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Markus Straub und Tobias Bosler in Untersuchungshaft. Das Gericht kam nun früher als erwartet zu einer Entscheidung. Straub bekam zwei Jahre Haft sowie ein Bußgeld von 36.000 Euro. Der Mitangeklagte Tobias Bosler – der gemeinhin als der Organisator der Börsenmanipulationen gilt – wurde zu drei Jahren Haft und 27.000 Euro Bußgeld verurteilt. Zusammen müssen sie 160.000 Euro aus ihrem Privatvermögen an Wertersatz zahlen. Beide Angeklagte kamen nach dem Urteil auf freien Fuß.

Urteil und Strafmaß klingen zunächst recht milde. Die Ermittlungen gegen ein kriminelles Netzwerk aus Aktionärsvertretern und Finanzredakteuren bezeichneten Behörden jedoch als den größten Schlag gegen organisierte Kursmanipulationen in Deutschland. Tatsächlich waren Verurteilungen noch vor zehn Jahren die große Ausnahme. Dabei gab es insbesondere nach dem Platzen der Dotcom-Blase und dem Absturz des Neuen Marktes zahllose Klagen von Aktionären, die sich von Unternehmen und vermeintlichen Börsengurus geprellt sahen. Die Verfahren dauern zum Teil heute noch an, wie etwa im Fall der Deutschen Telekom, oder beanspruchten die Rechtsprechung viele Jahre lang, wie etwa im Fall Em.TV. Damals Aufsehen erregende Verfahren wie gegen den Börsenbrief-Herausgeber Egbert Prior wegen des Verdachts der Kursmanipulation wurden aus Mangel an Beweisen oder gegen Zahlung eines kleinen Bußgelds eingestellt.

Öffentlichkeit ist sensibilisiert

Spektakuläre Urteile gegen Anlagebetrüger

Dass die Gerichte gegen Anlagebetrüger und Finanzmarkt-Hasardeure schneller zu Verurteilungen gelangt, ist vor allem dem öffentlichen Druck zu verdanken. Insbesondere seitdem die Finanzkrise auch die Öffentlichkeit für dunkle Machenschaften an den Kapitalmärkten sensibilisiert hat, widmen Staatsanwälte diesen Fällen viel Zeit und scheuen auch großangelegte Ermittlungen nicht. Die Wut der Bürger über gierige Banker und Vermögensverwalter gibt den Behörden den nötigen Rückenwind.

Dieses Phänomen ist vor allem in den USA zu beobachten. Unvergessen der Fall von Bernie Madoff, der zu 150 Jahren Haft wegen Anlagebetrugs verurteilt wurde, oder Hedgefondsmanager Raj Rajaratnam, der für elf Jahre ins Gefängnis geschickt wurde, weil er Insiderhandel im großen Stil betrieben hatte.

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Am 29. Februar kündigte sich nun auch in Deutschland der nächste große Fall an. In einer international koordinierten Aktion mit Schwerpunkt in Deutschland durchsuchten Fahnder Büros und Wohnungen. Die Großrazzia betrifft erneut Finanzjournalisten, einen Börsenbriefherausgeber und eine Investmentbank und steht im Zusammenhang mit den Verfahren gegen ehemaligen SdK-Funktionäre. Es geht wieder um den Vorwurf der Kursmanipulation - und der Umfang der Manipulation soll noch größer sein, als in den abgeschlossenen Verfahren.

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