Grund-, Grunderwerb- und Gewerbesteuern Einwohner büßen für kommunale Schulden

Viele Kommunen und Bundesländer sind hoch verschuldet - und erhöhen deshalb ihre Steuersätze. Betroffen sind vor allem Hausbesitzer, Mieter und Gewerbebetriebe. Mit fatalen Folgen.

Diese Kosten können Vermieter absetzen
AnschaffungskostenVermieter können Ausgaben für Reparaturen und Renovierung als Werbungskosten absetzen, da sie mit der Vermietung ihrer Immobilie Einnahmen erzielen. Schon beim Kauf einer Immobilie lassen sich Steuern sparen. Eigentümer, die das Gebäude vermieten möchten, können nicht nur den Gebäudekaufpreis und die Kosten für die Suche der Immobilie, sondern auch Notarkosten, Grunderwerbsteuer und Gebühren für den Eintrag ins Grundbuch als Werbungskosten geltend machen. Da diese in den Bereich der Herstellungskosten fallen, müssen sie jedoch über die Nutzungsdauer der Immobilie abgeschrieben werden, bei Häusern, die nach dem 31. Dezember 1924 fertiggestellt wurden, sind das 50 Jahre. Die Kosten für das Grundstück zählen jedoch nicht. Quelle: dpa
Außenanlagen und GartenpflegeWer um die Immobilie herum einen Garten anlegt und den Außenbereich mit Zäunen, Hecken und Kopfsteinpflaster gestaltet, kann die Kosten dafür absetzen. Allerdings müssen sich Vermieter auch hier nach der gewöhnlichen Nutzungsdauer richten und die Aufwendungen über zehn Jahre abschreiben. Die Kosten für einen Gärtner können jedoch im jeweiligen Jahr sofort komplett abgesetzt werden – es sei denn der Eigentümer wohnt selbst auf dem Grundstück, dann muss er einen Teil der Kosten alleine zahlen. Quelle: ap
BeratungskostenWer eine Immobilie vermietet und für die Steuererklärung einen Steuerberater engagiert, kann zumindest einen Teil der Beraterkosten absetzen. Quelle: Yuri Arcurshb. com
Bürokosten und ComputerWer keinen Makler engagiert und sich selbst um die Vermietung seiner Immobilie kümmert, kann beispielsweise Kosten für Telefon, Porto, Schreibmaterial und Mustermietverträge bei der Steuer geltend machen. Auch der Computer kann teilweise abgeschrieben werden. Quelle: dpa
GebührenRund um das Haus fallen zahlreiche Gebühren an. Neben der wöchentlichen Müllabfuhr muss beispielsweise auch in regelmäßigen Abständen der Kamin ausgekehrt werden. Auch Kanalreinigungen können anstehen. Diese Kosten können direkt abgesetzt werden. Quelle: dpa
GrundsteuerWer ein Haus hat, muss dafür auch eine jährliche Grundsteuer zahlen – zumindest noch, denn aktuell wird diskutiert, ob diese Steuer verfassungswidrig ist. Die Steuer kann jedoch in voller Höhe abgesetzt werden. Quelle: dpa
Haus- und GrundbesitzervereinVermieter, die Mitglied in einem Verein für Haus- und Grundbesitzer sind, können die Mitgliedsbeiträge komplett als Werbungskosten geltend machen. Quelle: dpa
Instandhaltungskosten und -rücklageKosten für Reparaturen, Sanierung und Modernisierung können Hauseigentümer, die ihre Immobilie selbst nutzen, nur als Handwerkerleistungen geltend machen. Die Materialkosten werden aber nicht anerkannt. Das ist bei Vermietern anders. Sie können die Kosten komplett als Werbungskosten absetzen. Wenn sie jedoch innerhalb von drei Jahren nach Anschaffung eines Gebäudes noch einmal Ausgaben von 15 Prozent des Gebäudepreises haben, müssen diese über 50 Jahre abgeschrieben werden. Quelle: dpa
InventarWer ein Haus oder eine Wohnung samt Inventar vermietet, kann die Kosten für Möbel und Ähnliches nicht in einem Jahr komplett absetzen, sondern muss sie über eine Nutzungsdauer von zehn Jahren abschreiben. Quelle: dpa
KontoführungWer Mietzahlungen bekommt, braucht auch ein Bankkonto. Die Gebühren dafür lassen sich absetzen. Quelle: dpa
MaklerprovisionWer sich nicht selbst um die Suche nach neuen Mietern kümmern möchte und dafür einen Makler engagiert, kann die Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. Quelle: dpa/picture alliance
ProzesskostenNicht selten kommt es zwischen Mietern und Vermietern zu Streitigkeiten, die vor Gericht enden, so zum Beispiel, wenn der Mieter seine Miete nicht zahlt. Die Kosten dafür können als Werbungskosten abgesetzt werden. Quelle: dpa
ReisekostenFür den Weg zur vermieteten Immobilie, kann der Vermieter Reisekosten abrechnen, auch Wege die im Zusammenhang mit der Immobilie stehen, wie Fahrten zum Baumarkt gehören dazu. Quelle: dapd
SchuldzinsenWer für seine Immobilie noch einen Kredit abzahlen muss, kann die anfallenden Zinsen in dem jeweiligen Jahr absetzen. Quelle: dpa
VersicherungenRund um das Haus müssen Vermieter auch zahlreiche Versicherungen abschließen. Absetzbar sind die Prämien für Feuer-, Gas-, Leitungswasser-, Sturm- und Grundstücksrechtsschutz. Quelle: dpa
VerwaltungskostenWer einen Hausmeister oder Haus- und Wohnungsverwalter engagiert, kann die Kosten als Werbungskosten absetzen. Quelle: dpa
ZweitwohnungssteuerFür Ferienwohnung können Zweitwohnungssteuern anfallen. Auch diese können als Werbungskosten angerechnet werden. Quelle: dpa/picture alliance

Es sieht fast aus wie ein Krebsgeschwür: Auf einer Landkarte hat das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen 34 Kommunen rot markiert, die wegen ihrer desolaten Finanzlage am sogenannten „Stärkungspakt“ teilnehmen müssen. Außerdem sind 27 finanzschwache Städte und Gemeinden in den erweiterten Kreis des Zuschussprogramms des Landes aufgerückt und auf der Karte rosa eingefärbt.

Städte, die die Finanzhilfen des Landes in Anspruch nehmen, verpflichten sich, mit einem harten Sparkurs bis zum Jahr 2021 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Betroffen sind Großstädte wie Duisburg, Oberhausen, Wuppertal, Leverkusen und Mönchengladbach. Die Kommunen sollen bis 2020 insgesamt knapp 5,8 Milliarden Euro aus der Landeskasse erhalten, teilweise finanziert über den umstrittenen „Kommunal-Soli“, eine Art Solidaritätszuschlag, den wohlhabende Städte im Land zahlen müssen. Mehr als zwei Drittel der Mittel stammen jedoch aus dem Landeshaushalt.

Finanziell stehen im Vergleich der öffentlichen Haushalte die Städte in Deutschland besonders schlecht da. Das gilt vor allem, aber nicht nur für Nordrhein-Westfalen. In Hessen gibt es einen ähnlichen Ausgleichsfonds, auch die Kommunen in Rheinland-Pfalz sind zum Teil hoffnungslos überschuldet.

Doch nicht nur die Schuldenkrankheit grassiert anscheinend flächendeckend - auch das vermeintliche Heilmittel ist stets dasselbe: Steuern erhöhen. Da die Steuerhoheit der Kommunen aber ziemlich enge Grenzen hat, trifft ihre Schuldenkrise vor allem zwei Gruppen: die Häuslebauer und die Unternehmer. Das aber dürfte mittelfristig fatale Folgen haben.

Schröpfen der Hausbesitzer und Mieter

In den vergangenen Jahren hat sich der Trend zur Steuererhöhung massiv verschärft, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft EY belegt. Demnach haben zwischen 2010 und 2013 60 Prozent der Städte die Grundsteuer B erhöht, die auf privaten und gewerblichen Grund- und Immobilienbesitz erhoben wird. Die Gewerbesteuer haben 43 Prozent der Kommunen erhöht. Gesenkt hat die beiden Steuersätze hingegen nur ein Prozent der Kommunen.

Insbesondere die Grundsteuer B, die auf bebaute und bebaubare Grundstücke und Gebäude erhoben wird, ist für Kommunen in der Durchsetzung unproblematisch. Denn die Immobilienbesitzer stellen eine Minderheit der Bevölkerung dar und haben keine Chance haben, der Steuerpflicht zu entgehen.

Gleiches gilt für die Grundsteuer A, die für land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen fällig wird, deren Aufkommen allerdings gerade mal drei Prozent der Einnahmen aus der Grundsteuer B entspricht. Insgesamt spülen beide Grundsteuerarten rund zwölf Milliarden Euro in die deutschen Stadtkassen.

Grunderwerbsteuersätze der Länder

Laut EY-Analyse hat sich die höhere Besteuerung von Immobilien in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt. Neben der Erhöhung der Grundsteuerhebesätze sind außerdem die Grunderwerbsteuern deutlich gestiegen. Lag der Steuersatz bis 2006 noch bundeseinheitlich bei 3,5 Prozent des Immobilienkaufpreises, haben die meisten Bundesländer in der Folge ihre Steuerhoheit hemmungslos zur Einnahmeverbesserung genutzt.

Heute ist eine Grunderwerbsteuer von fünf Prozent üblich, nur die Länder Bayern und Sachsen halten bislang an den 3,5 Prozent fest. In Schleswig-Holstein sind bereits 6,5 Prozent beim Haus- und Grundstückskauf fällig, Nordrhein-Westfalen und das Saarland erhöhen zum Jahresbeginn 2015 auf den gleichen Satz.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%