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Hundesteuer Fahnder verfolgen illegale Fifis

Hunderttausende Bürger hinterziehen Hundesteuer. Die Kommunen kontrollieren verschärft – und erhöhen die Steuer.

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Hund Quelle: dpa

Mancher Hundehalter hofft derzeit inständig, dass sein Tier stillhält, wenn es an der Haustür klingelt. Ein Bellen im falschen Moment kann alles verraten – und teuer werden. Zum Beispiel im nordrhein-westfälischen Viersen: Dort gehen seit einigen Tagen unscheinbare Damen und Herren von Tür zu Tür, um Hunde aufzuspüren, die nicht bei der Stadtverwaltung gemeldet sind – und deren Herrchen keine Hundesteuer zahlen.

Zahlreiche bundesdeutsche Kämmerer haben in den letzten Wochen flächendeckende „Hundebestandsaufnahmen“ oder zumindest verschärfte Kontrollen angekündigt. Sie hegen den Verdacht, dass viele Einwohner ihre vierbeinigen Mitbewohner verschweigen und auf diese Weise die Hundesteuer hinterziehen. Gefahndet wird in Großstädten wie Stuttgart und Mönchengladbach und in der Provinz, so im niedersächsischen Emsbühren oder in Henstedt-Ulzburg in Schleswig-Holstein.

Kämmerer erfreut über Kontrollen

Parallel zu den schärferen Kontrollen steigen überall im Land die Abgabensätze. Die Hundesteuer, meist zwischen 100 und 200 Euro pro Tier und Jahr – Kampfhunde kosten oft zehnmal so viel –, rettet allein zwar keinen klammen Haushalt. Aber in größeren Städten winken jährlich Zusatzeinnahmen von mehreren Hunderttausend Euro.

Dass sich Kontrollen für die Kämmerer lohnen, zeigt das Beispiel Stuttgart. Die baden-württembergische Landeshauptstadt ließ im vergangenen Jahr 300.000 Haushalte von der Privatfirma „Springer Kommunale Dienste“ abklappern. „Uns hat stutzig gemacht, dass die Hundedichte mit 19,8 Tieren pro Tausend Einwohner deutlich unter dem Niveau anderer Großstädte lag“, sagt Sven Matis von der Stuttgarter Stadtverwaltung. Die Aktion trieb die offizielle Hunde-Population massiv in die Höhe. „2010 wurden rund 1700 Hunde neu angemeldet, sonst sind es nur 100 pro Jahr“, so Matis. Viele Besitzer seien bereits durch die Ankündigung der Hausbesuche zu Jahresbeginn aufgeschreckt worden – und durch das Info-Blatt, das die Kontrolleure hinterließen, wenn niemand öffnete.

Der schlagartige Zuwachs um rund 15 Prozent auf 13.400 Hunde bringt Stuttgart zusätzlich 200.000 Euro im Jahr. Und nicht nur im Schwabenland liegt der Anteil illegaler Hunde jenseits der Zehn-Prozent-Marke: Petershagen in Ostwestfalen meldete zu Jahresbeginn, dass Kontrolleure 300 Hunde entdeckt hätten – ein Plus von ebenfalls 15 Prozent. Viersen rechnet bei der aktuellen Zählung mit „10 bis 15 Prozent Neuanmeldungen“.

Auf 5,5 Millionen Hunde hochgerechnet, würden demnach die Halter von rund 800 000 Hunden keine Abgaben entrichten. Damit dürfte Hinterziehung von Hundesteuer deutlich weiter verbreitet sein als Steuerflucht in die Schweiz.

Halter, die ihre Hunde verschweigen, begehen zwar keine Steuerstraftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit. Trotzdem drohen Nachzahlungen für bis zu vier Jahre sowie Geldbußen, deren Höhe von Kommune zu Kommune variiert. In Stuttgart lag das höchste Bußgeld, das im Zuge der Bestandsaufnahme verhängt wurde, laut Matis bei 250 Euro. Doch bisweilen drohen höhere Summen: Emsbühren weist aktuell darauf hin, dass ein Verstoß gegen die Meldepflicht „mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro geahndet werden kann“. In anderen Kommunen sind laut örtlicher „Hundesteuersatzung“ maximal 1000 Euro fällig.

Massive Steuererhöhungen für Vierbeiner

Noch eins drauf setzte die Schweizer Gemeinde Reconvilier im Kanton Bern. Im Januar kündigte der Gemeinderat an, dass er plane, „Hunde, deren Besitzer die Hundesteuer nicht zahlen, einzuschläfern“. Die Kommunalpolitiker beriefen sich auf ein Uralt-Gesetz aus dem Jahr 1904. Nach heftigen Protesten aus aller Welt ruderten die Räte zurück. Sogar Morddrohungen militanter Tierschützer waren in dem beschaulichen Örtchen eingegangen.

Die Tiere dürfen also weiterleben, selbst wenn die Besitzer sich weigern, 50 Franken (rund 39 Euro) zu zahlen. Hierzulande ist die Steuer meist deutlich teurer, vor allem seit dem 1. Januar. Von Münster bis Donaueschingen haben Kommunen die Hundesteuer massiv erhöht. Mülheim an der Ruhr etwa nimmt neuerdings 160 statt 120 Euro pro Tier und Jahr .

Zudem machen die letzten Hundesteuer-Oasen dicht. Als letzte Gemeinde Nordrhein-Westfalens hat Hörstel im Münsterland 2011 eine Hundesteuer eingeführt. Mit 36 Euro für den Ersthund kommen Halter aber weiter deutlich günstiger davon als anderswo. n

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