WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Insiderhandel Marktmanipulation im großen Stil

Seite 2/2

Skandal um Kursmanipulation zieht weite Kreise

Marktmanipulation Quelle: dpa

Gegen Fiebach verhängte die 4. Strafkammer eine Haftstrafe von zwei Jahren zur Bewährung sowie eine Geldstrafe von knapp 5000 Euro wegen Marktmanipulation in 44 Fällen. In seinen Börsenbriefen hatte er seinen Lesern vor allem Aktien zum Kauf empfohlen, die er selbst besaß. „Die Veröffentlichungen waren geeignet, den Kurs zu beeinflussen und haben dies auch tatsächlich getan“, sagte die Vorsitzende Richterin Jutta Zeilinger. In den 44 Fällen ging es laut Anklage um Geschäfte aus den Jahren 2005 und 2006, an denen der 47-Jährige beteiligt war, wenn auch in einer „deutlich untergeordneten Rolle“. Meist handelten er und die anderen Angeklagten demnach mit recht unbekannten Aktien. Zu den bekannteren Firmen gehörten die Schnapsbrennerei Berentzen und der Film-Spezialist TV Loonland. Strafmildernd wertete das Gericht, dass Fiebach nichts an seinen Geschäften verdiente, weil ein hoher Verlust bei einem Aktiengeschäft alle seine Gewinne zunichte gemacht hatte.

Tripotage um Öfele

Der geständige Öfele war früher neben seinen Börsengeschäften auch Aufsichtsratschef des Fußballclubs 1860 München. Als seine Verwicklung in den Aktienskandal bekannt wurde, legte er den Posten bei den Löwen nieder. Im Gegenzug für das Geständnis stellte das Gericht dem Angeklagten eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren sowie eine Geldstrafe in Aussicht. Neben einer Geldstrafe in noch ungenannter Höhe soll Öfele eine Nebenstrafe von rund 220.000 Euro zahlen - was fast dem kompletten Vermögen entspricht, das der 43-Jährige im Verfahren angegeben hat. Ein Urteil könnte nach der Verständigung mit der Kammer und der Staatsanwaltschaft schon morgen, am zweiten Verhandlungstag, gesprochen werden.

Öfele hatte sich früher aktiv für den Aktionärsschutz eingesetzt. Für die SdK war er als Sprecher auf Hauptversammlungen aufgetreten, um den Kleinanlegern dort eine Stimme zu geben. Zudem war er als Sachverständiger für geschädigte Kapitalanleger tätig und prangerte auf seiner Website Anlageschutzarchiv.de unseriöse Kapitalanlageprodukte an.

Öfele hatte der Anklage zufolge im Jahr 2006 zusammen mit zwei Mitangeklagten eine Mehrheit an dem Pharmaunternehmen NascaCell gekauft. Vor dem Börsengang des Unternehmens trieben er und seine Komplizen den Kurs der Aktie mit falschen Informationen in Börsenbriefen in die Höhe. „Ohne diese Veröffentlichungen wären Einstandskurse von bis zu 11,50 Euro nicht zustande gekommen“, hieß es in der Anklage.

Querverbindungen im Dunkeln

Ihre Aktienpakete verkauften die drei Männer den Ermittlungen zufolge für rund 12,5 Millionen Euro und machten damit einen hohen Gewinn. Der Gewinnanteil für Öfele soll drei Millionen Euro betragen haben. In den Börsenbriefen war unter anderem von zahlreichen renommierten NascaCell-Kunden aus der Pharmabranche wie Aventis, Merck oder Boehringer Ingelheim die Rede, obwohl es diese nicht gab. Verfasst hatte die Berichte der nun verurteilte Fiebach. Im Fall NascaCell wurde er nach Einschätzung der Anklage aber bewusst von dem Hauptbeschuldigten Tobias Bosler getäuscht. Der muss sich von kommendem Montag an gemeinsam mit dem ehemaligen Vizechef der SdK, Markus Straub, vor Gericht verantworten. Beide sitzen seit einer groß angelegten Razzia im Herbst 2010 in Untersuchungshaft.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Das Verfahren ist richtungweisend. Weitere Klagen wegen Kursmanipulation – etwa beim Smartcard-Hersteller Wirecard – laufen noch, die Verfahren sind noch nicht eröffnet. Zahlreiche Querverbindungen zu möglicherweise ebenfalls manipulierten Aktienkursen müssen noch ans Tageslicht. Nicht nur die Aktionärsschützer von der SdK dürfen da gespannt sein.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%