Kalte Progression Wann Sie die Gehaltserhöhung besser ablehnen sollten

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Wann sich eine Gehaltserhöhung für Paare und Familien lohnt

3. Alleinverdiener-Paar ohne Kind

Auch Paare ohne Kind, bei denen nur einer verdient, leiden bei niedrigen Einkommen unter einer Grenzbelastung von zunächst 80 und ab 12.000 Euro dann 90 Prozent. Zwischen 14.000 und 22.300 Euro steigt die Belastung sogar auf 100 Prozent, sodass sich Gehaltserhöhungen überhaupt nicht lohnen. Danach sinkt die Belastung auf etwa 70 Prozent, bis sie beim Ende des Wohngeldanspruchs bei etwa 23.200 Euro kurzzeitig auf über 100 Prozent springt. Danach fällt sie dauerhaft auf einen Bereich zwischen 33 und 45 Prozent.

Zwischenfazit: Bis 14.000 Euro lohnen sich Gehaltserhöhungen für ein kinderloses Alleinverdiener-Paar kaum, bis zu einem Gehalt von 22.300 Euro dann sogar überhaupt nicht. An der Schwelle von 23.200 Euro zahlt das Paar für eine Lohnerhöhung sogar kurzzeitig drauf, danach bleibt von Lohnerhöhungen aber mehr im Portemonnaie als in den meisten anderen Szenarien.

4. Alleinverdiener-Paar mit zwei Kindern

Paare mit Kind leiden bis zu einem Einkommen von 15.700 Euro unter einer Grenzbelastung von erst 80, dann 90 Prozent. Danach fällt die Belastung zeitweise auf 50 Prozent, springt jedoch bei etwa 22.400 Euro abrupt auf 92 Prozent. Sie steigt schrittweise auf bis zu 95 Prozent, um bei einem Bruttoeinkommen von etwa 28.100 Euro wieder punktuell auf weit über 100 Prozent zu springen, weil hier der Kinderzuschlag ersatzlos wegfällt. Danach fällt die Belastung auf 60 bis 70 Prozent, steigt jedoch schrittweise auf bis zu knapp 80 Prozent. Bei einem Einkommen von 36.300 Euro überschreitet die Grenzbelastung erneut kurzfristig die 100-Prozent-Marke, da hier das Wohngeld ausläuft. Danach bewegt sie sich dauerhaft zwischen 32 und 48 Prozent.

Zwischenfazit: Für Alleinverdiener-Paare mit zwei Kindern lohnen sich Gehaltserhöhungen bis zu einem Einkommen von 15.700 Euro kaum. Auch zwischen 22.800 und 28.100 Euro bleibt von Lohnsteigerungen kaum etwas übrig und selbst bis zu einem Bruttoeinkommen von 36.300 Euro können Arbeitnehmer nur maximal 40 Cent von jedem dazuverdienten Euro behalten. An den Gehaltsschwellen von 28.100 Euro und 36.300 Euro zahlen sie sogar für die Gehaltserhöhung drauf. Nur zwischen 15.701 und 22.799 Euro sowie ab 36.301 Euro lohnen sich Lohnsteigerungen.

5. Doppelverdiener-Paar ohne Kinder

Bei Doppelverdiener-Haushalten geht das ZEW von einem Hauptverdiener und einem Nebenverdieners aus, wobei der Hauptverdiener drei Viertel des Einkommens bestreitet und der Nebenverdiener ein Viertel. In diesem Szenario liegt die Grenzbelastung bis zu einem Einkommen von 25.100 Euro stets über 80 Prozent, ab einem Einkommen des Erstverdieners von 19.200 Euro sogar auf 95 Prozent. Bei den Schwellen von 7200 Euro und 21.600 Euro springt die Belastung auch hier kurzzeitig über 100 Prozent. Ab 25.200 Euro bleibt die Grenzbelastung in einem Bereich zwischen 36 und 51 Prozent.

Zwischenfazit: Für Doppelverdiener ohne Kinder lohnen sich Lohnerhöhungen unter den angenommenen Bedingungen erst ab einem Haushaltsbruttoeinkommen von 25.200 Euro.

6. Doppelverdiener-Paar mit zwei Kindern

Deutlich weniger übersichtlich ist die Situation, wenn das Doppelverdiener-Paar zwei Kinder hat. Bis zu einem Einkommen von 16.300 Euro liegt die Belastung bei mindestens 80 Prozent, um danach auf knapp über 40 Prozent zu sinken. Grund ist, dass die Familie nun statt Hartz IV Kinderzuschläge und Wohngeld bezieht. Mit steigendem Gehalt sinken diese Bezüge überproportional, sodass die Grenzbelastung schrittweise ansteigt, um bei 21.600 Euro punktuell auf über 100 Prozent zu springen. An dieser Schwelle wird der Zweitverdiener sozialversicherungspflichtig. Danach liegt die Grenzbelastung zwischen 54 und 60 Prozent, um bei 24.800 Euro auf 90 Prozent zu springen, weil hier der Kinderzuschlag wegschmilzt. Bei 32.000 Euro fällt er ganz weg, sodass die Belastung auf über 100 Prozent springt. Danach fällt sie auf 70 bis 72 Prozent, um bei 37.800 Euro wieder auf über 100 Prozent zu springen, da hier das Wohngeld wegfällt. Danach bleibt die Grenzbelastung dauerhaft zwischen 40 und 48 Prozent.

Zwischenfazit: Für Doppelverdiener ohne Kinder gibt es zwei Bereiche, in denen sich Gehaltserhöhungen lohnen: bei einem Haushaltsbruttoeinkommen zwischen 16.301 und 24.799 Euro sowie ab 32.001 Euro mit Ausnahme der Einkommensgrenzen von 21.600 Euro und 32.000 Euro, bei denen für die Gehaltserhöhung sogar draufgezahlt werden muss. Zudem bleiben im Bereich von 32.001 bis 37.799 nur 20 bis maximal 30 Cent pro zusätzlich verdientem Euro im Portemonnaie, der Nutzen ist also vergleichsweise gering. Erst wenn das Familieneinkommen mehr als 37.900 Euro beträgt, bleibt mindestens die Hälfte jedes hinzuverdienten Euros auch in der Haushaltskasse.

Fazit

Die Einkommenssituation ist für die Szenarien ohne Kinder deutlich übersichtlicher als für die mit. So lohnen sich Gehaltserhöhungen für Singles „richtig“ – das heißt, sie können von jedem zusätzlichen Euro mindestens 21 Cent behalten –, wenn sie mehr als 17.000 Euro verdienen. Bei Alleinverdiener-Paaren liegt die Schwelle bei 23.201 Euro, bei Doppelverdiener-Paaren bei 25.101 Euro.

Kommen Kinder ins Spiel, gibt es einen Korridor, in dem sich Zuverdienste zeitweise lohnen. Bei einem Alleinerziehenden mit Kind liegt der bei zwischen 14.101 und 16.099 Euro, bei einem Alleinverdiener-Paar mit zwei Kindern zwischen 15.701 und 22.799 Euro und bei einem Doppelverdiener-Paar mit zwei Kindern zwischen 16.301 und 24.799 Euro. Dann gibt es einen Einkommensbereich, in dem Gehaltserhöhungen von wegfallenden Sozialleistungen aufgefressen werden.

Lohnerhöhungen kommen beim alleinerziehenden Elternteil wieder an ab einer Grenze von 23.801 Euro, beim Alleinverdiener-Paar bei 28.101 Euro (mit Ausnahme des Gehalts von exakt 36.300 Euro) und beim Doppelverdiener-Paar bei 32.001 Euro (mit Ausnahme des Gehalts von exakt 38.800 Euro), wobei bis 38.799 Euro weniger als 30 Cent pro Euro tatsächlich in der Haushaltskasse ankommen.

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