Kritik an Steuerplänen Wirtschaft warnt vor Aus von Betriebsfesten

Die Weihnachtsfeiern in Unternehmen stehen bevor - für das nächste Jahr aber sehen Wirtschaftsverbände die Firmenpartys in Gefahr. Hintergrund sind Pläne von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Die Flirtfallen auf der Weihnachtsfeier
flirten Quelle: REUTERS
Für die Gesprächsthemen gilt dementsprechend: Werden Sie nicht zu privat - Proseccolaune hin oder her. Bedenken Sie, dass Sie mit den Menschen zusammen arbeiten, denen Sie hier von irgendwelchen amourösen Eskapaden erzählen. Also lieber ungefährlichen Smalltalk betreiben, anstatt sich für die nächsten zwölf Monate zum Betriebsgespött zu machen. Quelle: Fotolia
In ihrem Buch "Kollege kommt gleich" (Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf) gibt Miriam Kaefert Tipps zum Flirt auf der Weihnachtsfeier. Zum Beispiel diesen hier: Egal, wen Sie beeindrucken wollen, kleiden Sie sich unter keinen Umständen zu sexy. Bleiben Sie elegant. Und behalten Sie Ihre Klamotten auch nach dem Digestiv an! Quelle: Fotolia
Sie sind sicher, dass Sie mit dem Chef beziehungsweise der Chefin flirten wollen? Ist denn auf der gesamten Weihnachtsfeier wirklich niemand sonst, der Ihr Interesse weckt? Die Autorin Miriam Kaefert rät in ihrem Buch für diesen Fall zu ganz dezenten Anmachversuchen: Plaudern und Wimpernklimpern sind okay, baggern, tatschen, füßeln nicht. Quelle: Fotolia
Dass Sie sich auf der Weihnachtsfeier nicht besaufen sollen, dürften Sie wissen. Wenn Sie aber unbedingt an diesem Abend Herzen erobern wollen, ist ein Gläschen Sekt zum locker werden gar nicht verkehrt. Eins. Keine Flasche. Oder greifen Sie zur Weinschorle statt zum puren Wein. Und füllen Sie den oder die Angebetete um Gottes Willen nicht ab. Quelle: dpa
Wenn die Weihnachtsfeier in die heiße Phase geht und geschwoft wird, denken Sie bitte daran: Sie sind keine 16 und Sie sind nicht in einer Disco: Die Hand gehört auch beim Engtanz auf den Rücken der Dame, nicht auf den Hintern und die Damen reiben ihre Hüften bitte nicht am Abteilungsleiter. Quelle: dpa
Bei allem was Sie tun, denken Sie daran, dass Sie am nächsten Tag wieder mit den Kollegen im Büro sitzen müssen. Verzichten Sie auf wildes Geknutsche beim Essen - am besten verzichten Sie darauf ganz. Wenn es unbedingt sein muss, wechseln Sie die Location. Aber unauffällig. Quelle: dpa
Nein, nein, nein! Mit einem Locationwechsel ist keineswegs die Toilette des Festsaals gemeint. Unterstehen Sie sich, zum Knutschen, Fummeln oder Schlimmerem aufs Klo zu gehen. Noch mal: Sie sind KEIN Teenager und Sie sind NICHT in einer Discothek. Quelle: dpa
Es ging schief und Sie haben Ihre guten Flirtvorsätze im Wein ertränkt? Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Sie verändern Ihr Äußeres und Ihren Namen, verlassen die Stadt und suchen sich einen neuen Job in einer anderen Branche - oder Sie müssen da jetzt durch. Autorin Kaefert rät: locker bleiben oder zumindest so tun. Laden Sie die Kollegen, die sie brüskiert haben, auf ein gemeinsames Aspirin-Frühstück ein. Nächstes Jahr macht sich sicher jemand anderes zum Depp. Quelle: Fotolia
Sollten Sie es nicht völlig versaut und der Chefin an den Hintern gegrapscht haben, bietet sich der Katertag nach der Weihnachtsfeier an, um das Flirtopfer auf einen Kaffee einzuladen. Oder zum Mittagessen. Dann lässt sich auch feststellen, ob das Interesse über einen Feier-Flirt hinausgeht. Quelle: dpa

Der Bundesfinanzminister will Zuwendungen von Unternehmen an Arbeitnehmer auf Betriebsveranstaltungen wie Feiern und Ausflüge steuerlich zu regeln. In einer Stellungnahme für eine Anhörung des Bundestags-Finanzausschusses an diesem Montag warnen Verbände, dass Arbeitgeber künftig darauf verzichten könnten. „Die vorgesehenen Änderungen im Bereich der Betriebsveranstaltung gehen mit erheblichem ... Aufwand einher“, heißt in dem gemeinsamen Papier, das auch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und dem Magazin „Focus“ vorliegt. Die Auswirkungen seien nicht akzeptabel.

Bereits Anfang September war bekanntgeworden, dass nach dem Gesetzentwurf die bisherige Freigrenze von 110 auf 150 Euro angehoben, zugleich aber die Bemessungsgrenze erweitert werden soll. Bei der Prüfung der Freigrenze sollen sämtliche Kosten einbezogen werden. Auch ist geplant, anteilige Kosten der Begleitperson wieder Arbeitnehmern zuzurechnen.

Wie es deutsche Unternehmen mit Weihnachtsfeiern halten
Weihnachtsfeiern sind wichtig fürs BetriebsklimaLaut einer Umfrage der Personalberatung LAB & Company halten deutsche Topmanager Weihnachtsfeiern für eine schöne Tradition (15 Prozent) und wichtig fürs Betriebsklima (42 Prozent). Viele Führungskräfte halten die Feiern am Ende des Jahres außerdem für eine wichtige Anerkennung für die Arbeit der Belegschaft (32 Prozent). Nur zwölf Prozent der befragten 376 Manager stehen Weihnachtsfeiern eher miesepetrig gegenüber. So sagen sechs Prozent, dass Weihnachtsfeiern für sie bloß eine lästige Pflicht sind, vier Prozent sprechen von einer unnötigen Belastung in der Vorweihnachtszeit und zwei Prozent halten die Feier für eine Verschwendung von Zeit und Geld. Quelle: Fotolia
Weihnachtsfeier zeigt Wertschätzung"Die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern drückt sich auch in solchen Veranstaltungen aus", sagt Klaus Aden, Geschäftsführender Gesellschafter von LAB & Company. "Kleine und mittlere Unternehmen besitzen vielfach ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung solcher Gesten - nicht nur zur Weihnachtszeit", so Aden. Quelle: dpa
So häufig fallen die Feiern ausTrotzdem veranstaltet knapp jedes vierte deutsche Unternehmen dieses Jahr keine Weihnachtsfeier. Bei den kleinen Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern verzichten neun Prozent auf Punsch & Co., bei den Firmen mit mehr als 1000 Angestellten sind es zehn Prozent. Einige Unternehmen setzten jedoch auf die Alternative zum prunkvollen, vom Chef organisierten Fest: So lassen 21 Prozent der befragten Manager ihre Mitarbeiter die Weihnachtsfeier selber planen und bezahlen. Bei den kleinen Betrieben sind es drei Prozent, die eine Mitbring-Weihnachtsfeier veranstalten, bei den Großunternehmen sind es schon elf Prozent. Quelle: obs
So viel lassen sich Unternehmen die Feier kostenAuffällig ist, dass sich kleine Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern die Weihnachtsfeier deutlich mehr kosten lassen, als Großkonzerne. 40 Prozent der kleinen Betriebe geben mehr als 80 Euro pro Mitarbeiter aus. Soviel spendiert von den Großunternehmen weniger als die Hälfte (19 Prozent). Bei ihnen werden die Lebenspartner auch nur in neun Prozent aller Fälle mit eingeladen - bei den Kleinunternehmen macht dies mehr als jede dritte Firma (37 Prozent). Soviel lassen sich Unternehmen ihre Weihnachtsfeier pro Mitarbeiter kosten Bis 30 Euro 30-50 Euro50-80 Euro 80-100 EuroÜber 110 EuroFirmen bis 50 Mitarbeiter11 Prozent24 Prozent24 Prozent25 Prozent15 Prozentmehr als 1.000 Mitarbeiter 26 Prozent33 Prozent22 Prozent14 Prozent5 ProzentGesamt Firmen 18 Prozent31 Prozent25 Prozent18 Prozent8 Prozent Quelle: dpa
Unzufriedenheit mit der KnauserigkeitViele der befragten Manager kritisieren massiv das Sparverhalten ihrer Arbeitgeber: "Traurig, wenn noch nicht einmal im Jahr Zeit und Geld für die Menschen vorhanden ist", sagt etwa ein Teilnehmer. Andere berichten, dass in ihrem Unternehmen Führungskräfte von der Unternehmensführung genötigt werden, Feiern für ihre direkten Mitarbeiter auf eigene Kosten auszurichten. In anderen Fällen seien Zuschüsse von lediglich zehn bis 15 Euro für einfache Mitarbeiter üblich, für die Weihnachtsfeiern der obersten Führungsebene würden hingegen die Gesamtkosten übernommen. "Solche Sparbrötchen gehen nach hinten los", kommentiert einer der Befragten. Quelle: dpa
Weihnachtsfeiern können als geldwerter Vorteil geltenAllerdings müssen Chefs und Angestellte beim verteilen von Weihnachtsgeschenken und opulenten Feiern vorsichtig sein. Für das Finanzamt zählt so etwas schnell als geldwerter Vorteil. Das ist dann der Fall, wenn die Aufwendungen des Arbeitgebers 110 Euro (inklusive Umsatzsteuer) pro Feier und Mitarbeiter übersteigen, oder es mehr als zwei Betriebsfeiern im Kalenderjahr gibt. Gehen die Aufwendungen für die Betriebsfeier über den Freibetrag hinaus, muss der Arbeitnehmer den gesamten Beitrag versteuern, nicht nur den Teil, der darüber hinaus geht. Alternativ können Arbeitnehmer und -geber deshalb vereinbaren, dass die Mitarbeiter einen Teil der Kosten (beispielsweise für die Getränke) selber zahlen, um nicht über den Freibetrag hinauszukommen. Quelle: Fotolia
Geschenke auf der WeihnachtsfeierAuch wer seinen Mitarbeitern an der Weihnachtsfeier kleine Geschenke machen möchte, sollte dabei an den Fiskus denken, Alles, was die 40 Euro-Grenze übersteigt (inklusive Mehrwertsteuer) gilt als geldwerter Vorteil und muss versteuert werden. Das gilt auch für Gewinne, falls es auf der Weihnachtsfeier eine Tombola oder ähnliches gibt. Quelle: dpa

Es geht um die Besteuerung geldwerter Vorteile, die Arbeitgeber Arbeitnehmern im Rahmen von Betriebsveranstaltungen gewähren. Die höhere Freigrenze soll nur gelten, wenn die Veranstaltung allen Mitarbeitern offenstehe. Die Weihnachtsfeier einer Abteilung fiele nicht darunter. Auch darf der Fiskus alle Aufwendungen addieren. Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine sagte „Focus“: „Es ist zu befürchten, dass dann deutlich mehr Arbeitnehmer wegen geldwerter Vorteile zusätzlich Steuern zahlen müssen, nur weil sie zur Weihnachtsfeier gefahren sind.“

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