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Kritik an Testergebnissen Stiftung Warentest zunehmend unter Druck

Erst Ritter Sport, jetzt Holzspielzeug-Hersteller. Die Kritik gegen Produkttests mit negativen Urteilen der Stiftung Warentests werden immer lauter. Die Stiftung bleibt gelassen, Schadensersatz musste sie noch nie zahlen.

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Diese Holzspielzeuge bergen laut Stiftung Warentest Risiken für Kinder. Viele Hersteller üben lieber lautstark Kritik als gerichtlich dagegen vorzugehen. Quelle: Presse

Die Stiftung Warentest wurde schon von vielen kritisiert: Unternehmen, Verbänden, Ministern. Wem ein negatives Urteil von der Stiftung Warentest bescheinigt wird, wehrt sich in der Regel. Selbst Noch-Gesundheitsminister Daniel Bahr ließ sich im April in einem Interview dazu hinreißen, die Methoden der Stiftung Warentest als "unsachlich und unseriös" zu bezeichnen. Klar, wer ein Produkt verkaufen möchte - im Fall des Ministers ging es um seinen sogenannten Pflege-Bahr -, kann kein negatives Urteil brauchen.

Doch so laut die Kritik, so selten können die geprüften Unternehmen etwas gegen das Urteil der Stiftung unternehmen. Die Verbraucherorganisation verweist auf ihre umfangreichen internen Prüfungsmechanismen. "Wir müssen bereit sein, jedes Testurteil vor Gericht zu verteidigen", sagt Warentest-Sprecherin Heike van Laak. "Deshalb haben wir überhaupt nichts zurückzunehmen." Nächstes Jahr wird die Stiftung 50 Jahre alt. Sie musste immerhin noch nie Schadensersatz zahlen.

Ritter Sport hat sich jetzt trotzdem vorerst gegen die Stiftung durchgesetzt. Seit Montag darf die Verbraucherorganisation ihre Testergebnisse laut einer einstweiligen Verfügung nicht mehr verbreiten. Sämtliche Online-Publikationen, die das Testurteil betreffen, hat die Stiftung vorerst von ihrer Website genommen. Die Stiftung hat bereits angekündigt, dass sie Widerspruch gegen die Verfügung des Landgerichts München I einlegen wird.

Vernichtendes Urteil

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    Das Warentest-Urteil über die Sorte "Voll-Nuss" war vernichtend: "Mangelhaft". Und das, obwohl die getestete Schokolade in den Kategorien Geschmack und Qualität als gut bewertet wurde. Knackpunkt war das auf der Verpackung angegebene "natürliche Aroma". Das Aroma bezieht Ritter Sport von der Firma Symrise. Die Stiftung bewertete die Schokolade als mangelhaft, weil das Aroma angeblich synthetisch hergestellt werde - und somit nicht natürlich sei. Die Angabe auf der Verpackung sei somit irreführend und führe zu der drastischen Bewertung.

    Unternehmensvertreter kritisierten das Urteil als falsch und verwiesen auf eine Garantieerklärung ihres Zulieferers Symrise, wonach es sich um natürliches Aroma handele. Aus der gewählten Analysemethode sei nicht feststellbar, ob das Aroma synthetisch hergestellt worden sei. Die Verbraucherschützer seien vom schlechtesten Fall ausgegangen, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Die Stiftung Warentest weist die Kritik zurück. Inhaltlich darf sie sich nicht mehr zu dem Fall äußern.

    Unternehmen wollen Rechtsstreit vermeiden

    Eine Mitarbeiterin der Symrise AG mischt im Werk in Holzminden (Niedersachsen) Duft- und Aromastoffe. Laut Garantieerklärung hat das Unternehmen für Ritter Sport natürliche Aromen geliefert. Quelle: dpa

    Dass Unternehmen vor Gericht gegen die Stiftung Warentest zu Felde ziehen, komme immer seltener vor, hat van Laak beobachtet. Selbst der Bundesverband der Deutschen Industrie rate seinen Mitgliedern, lieber die Öffentlichkeit zu suchen als die Stiftung zu verklagen. Die Erfolgsaussichten sind erfahrungsgemäß gering.

    Nach Ritter Sport hat auch die Fachgruppe Holzspielzeug, die nach eigenen Angaben 22 Holzspielzeug-Hersteller vertritt, die Stiftung Warentest kritisiert. Laut einem Testergebnis der Verbraucherschützer seien mehr als die Hälfte der 30 geprüften Holzspielzeuge gefährlich für Kinder. Der Verband lehnte das Testergebnis mit der Begründung ab, das Testverfahren der Stiftung weiche stark von den allgemein anerkannten Verfahren ab. Lediglich IKEA akzeptierte das Testurteil und nahm seine Bauklötze Mula aus dem Sortiment.

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