Krötenwanderung

Heizen oder nicht heizen?

Anke Henrich
Anke Henrich Freie Autorin, Mittelstands-Expertin

Das ist ab 1. Oktober wieder die Frage zwischen Mieter und Vermieter. Diese Regeln gelten:

So teuer wird das neue Gesetz für die Mieter
Reform des MietrechtsMieter müssen sich auf zahlreiche Änderungen einstellen – meist zu ihrem Nachteil. Ziel der Neuerungen ist es, die energetische Sanierung von Häusern und Wohnungen für die Eigentümer und Vermieter attraktiver zu machen. Der Deutsche Mieterbund übt deutliche Kritik an dem Entwurf des sogenannten Mietrechtsänderungsgesetzes, der am Donnerstag bereits durch die erste Lesung des Bundestags gegangen ist. Das Gesetz könnte schon im kommenden Januar in Kraft treten. Quelle: dpa
Keine Mietminderung bei SanierungBei energetischen Modernisierungen, die dazu dienen, dass in einem Haus weniger Energie verbraucht wird, soll das Mietminderungsrecht für drei Monate ausgesetzt werden. Der Deutsche Mieterbund übt daran scharfe Kritik: Durch eine Sanierung könne es zum Ausfall der Heizung kommen, das Haus könne komplett eingerüstet sein und Mieter könnten wochenlang mit Lärm und Dreck leben müssen. Dennoch sollen sie 100 Prozent der Miete zahlen. Der Mieterbund zweifelt daran, dass ein Hauseigentümer eine Investition, die 100.000 Euro kosten könne, von dem Mieterrecht auf Mietminderung abhängig macht. Kritik kam auch von dem SPD-Abgeordneten Ingo Egloff: die Grenzen zwischen energetischer Sanierung und allgemeiner Modernisierung seien fließend. Das geplante Verbot der Mietminderung "eröffnet doch dem Mietstreit Tür und Tor". Die Grünen-Parlamentarierin Daniela Wagner warf der schwarz-gelben Koalition vor, sie wolle "im Hauruck-Verfahren" Mieterrechte abschaffen. Quelle: dpa
Energetische Modernisierung wird neu definiertDer Begriff „energetische Modernisierung“ wird in dem Gesetzesentwurf erweitert. So fallen darunter die Verbesserungen der Mietsache, durch die nachhaltig Energie gespart, effizienter genutzt oder das Klima geschützt wird. Der Mieterbund jedoch beklagt, dass es ohnehin die Pflicht des Vermieters sei, eine wirtschaftliche Heizungsanlage zu betreiben. Zudem dürfte es keine Mieterhöhungen geben, wenn der Mieter dadurch nicht auch Heizkosten spare. Quelle: gms
Verkürzte Frist für HärtegründeDer Vermieter muss die Modernisierung wie bisher spätestens drei Monate vor Beginn ankündigen. Der Mieter hat künftig aber nur noch einen Monat Zeit, sich auf Härtegründe zu berufen. Der Mieterbund kritisiert, dass Vermieter auf diese Frist nicht hinweisen müssen. Quelle: dpa
Mieterhöhung zählt nur bedingt als HärtegrundDie zu erwartende Mieterhöhung ist künftig kein Härtegrund mehr, wenn es um die Duldung der Modernisierung geht. Erst bei der Festsetzung der konkreten Mieterhöhung könne die finanzielle Härte wieder von Bedeutung sein. Der Mieterbund bezweifelt jedoch, dass der Härtegrund noch eine Rolle spiele, wenn die Maßnahme erst einmal abgeschlossen sei. Quelle: dpa
Elf Prozent der Kosten entfallen auf den MieterSchon bisher gilt: Elf Prozent der Modernisierungskosten dürfen auf die Jahresmiete aufgeschlagen werden. Daran ändert sich auch künftig nichts, obwohl die Mieterhöhungen erheblich sein können. Der Mieterbund rechnet vor: Wenn auf die Mietwohnung Modernisierungskosten in Höhe von 20.000 Euro entfallen, führe dies zu einer monatlichen Mieterhöhung von 183 Euro. Seine Kritik: Die Regelung habe zur Folge, dass die Wohnung umso teurer würde, je mehr die Modernisierung koste. Sinnvoller sei dagegen: Je effizienter die Maßnahme sei, desto mehr dürfe die Miete steigen. Quelle: dpa
Mietern droht fristlose KündigungAuch abseits der Modernisierungen sieht der Gesetzesentwurf Veränderungen für Mieter vor. So soll der Vermieter künftig ein Recht auf fristlose Kündigung bekommen, wenn der Mieter die Kaution nicht zahlt oder mit zwei Monatsmieten in Verzug ist. Diese Regelung hält der Mieterbund für überflüssig, denn sogenannte Mietnomaden würden auch dadurch nicht verhindert. Quelle: dpa

Am Stichtag 1. Oktober beginnt die Heizsaison in Deutschland. Sie endet im April. So hat es nicht das Wetter, sondern der Gesetzgeber entschieden. Was aber nicht heißt, dass Vermieter nicht auch schon vorher einen Blick auf Thermometer werfen sollten. Denn sorgt ein kalter Spätsommer dafür, dass es an drei Abenden in Folge kühler als 12 Grad wird, muss der Vermieter den Heizkessel anwerfen.

Ab Oktober gilt dann: In einer vermieteten Wohnung muss in der Zeit von 6 Uhr bis 23 Uhr eine Temperatur von 20 bis 22 Grad erreicht werden können. Fällt die Nation ins Bett, reichen in der Nacht 18 Grad.  Aber nicht nur die Luft, auch das Wasser muss eine Mindesttemperatur haben. Nicht nur beim Duschen gelten 45 Grad Wassertemperatur nach maximal 10 Sekunden Vorlaufzeit als angemessen.

Bleibt die Bude aber kalt und der sofort informierte Vermieter kümmert sich trotzdem nicht, geht es ihm an den Geldbeutel. Der Mieter darf die Miete mindern, denn seine Wohnqualität ist ernsthaft beeinträchtigt. 

In Arbeit
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Als Faustregel gilt:

Wird ab Oktober die Wohnung nicht wärmer als 18 Grad, können bis zu  20 Prozent der Miete einbehalten werden.

Fällt die Heizung komplett aus, sind es 100 Prozent – anteilig nach Tagen an der Monatsmiete.

Übrigens kann auch das nächtliche, nervtötende Klopfen oder Knacken einer Heizanlage Grund für eine Mietminderung sein.

Mehr zum Thema Heizen und Mietminderung finden Sie hier: http://www.mieterbund.de/941.html

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