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Krötenwanderung

Wer haftet bei Wildschäden am Auto?

Anke Henrich
Anke Henrich Freie Autorin, Mittelstands-Expertin

Die Herbstdämmerung kommt und das Reh steht paralysiert am Straßenrand – wer haftet bei Wildschäden am Auto?

Wenn der Blitz einschlägt und Hagelkörner randalieren
Gebäude und HausratEgal ob Blitzeinschlag, Sturmschäden oder Zerstörungen durch Hagelkörner: Wenn das Haus oder die Wohnung durch solche Unwetter in Mitleidenschaft gezogen wurde, übernehmen die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer die Kosten für die Schäden. Mieter halten sich an ihre Hausratversicherung, Vermieter an die Wohngebäudevariante. Kommt es zu Überschwemmungen durch Starkregen, brauchen Hausbesitzer und Mieter eine Elementarschadenversicherung. Die hat aber längst nicht jeder! Vorsicht auch beim Blitzeinschlag: Versichert sind meist nur dessen direkte Auswirkungen, nicht aber so genannte Überspannungsschäden. Das sind Schäden, die erst in zweiter Ableitung durch den Blitz verursacht werden. Quelle: dpa
AutosDie Teilkaskoversicherung übernimmt die Hagel-, Blitz- und Sturmschäden. Ist das Blech verbeult oder die Scheiben kaputt, werden die Reparaturkosten für gewöhnlich in voller Höhe erstattet. Vorher gilt es für Voll- und Teilkaskoversicherte aber nachzurechnen: Was bedeutet die Kostenübernahme für den künftigen Schadenfreiheitsrabatt? Fahrzeughalter, deren Auto durch ein Unwetter beschädigt wurde, sollten die Schäden mit einer Kamera dokumentieren und diese binnen einer Woche dem Versicherer melden. Quelle: dpa
Feld und ErnteLandwirte können ihre Felder gegen Hagel versichern. Fast acht Millionen Hektar sind so vor dem finanziellen Risiko eines Ertragsausfalls geschützt. Das entspricht in etwa der Größe von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammen. Quelle: dpa
SturmschädenFür Schäden nach Stürmen haften Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Allerdings: Stürmisch ist es aus Sicht der Versicherer es erst ab Windstärke acht. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 61 Kilometern pro Stunde. In Zweifelsfragen helfen die Verbraucherzentralen in den einzelnen Bundesländern. Dort erhalten Geschädigte auch viele Tipps. Im Bild: Ein Unwetter über Augsburg (Bayern). Die Hitze verabschiedete sich mit Gewittern und Hagelschlag. Quelle: dpa
Bloß nicht leichtsinnig werdenWer trotz polizeilicher Warnung sein Auto in einem durch Hochwasser gefährdeten Gebiet abstellt oder auch nur dorthin fährt, der riskiert, dass der Versicherer nur einen Teil des Schadens trägt oder sich auch ganz verweigert. Dies gilt insbesondere, wenn der Versicherte in einer Weise gehandelt hat, durch die der Schaden hervorgerufen wurde. Zumindest kann die Gesellschaft dann entsprechend der Schwere des Verschuldens ihre Leistung kürzen. Lediglich ein unkorrektes Verhalten, das als "leichte Fahrlässigkeit" betrachtet werden kann, bewahrt vor solchen finanziellen Einbußen. Im Bild: Ein Junge schiebt sein Fahrrad über eine überschwemmte Straße in Lohmar (Nordrhein-Westfalen). Heftige Gewitter haben in Nordrhein-Westfalen zu zahlreichen Rettungseinsätzen der Feuerwehr geführt. Quelle: dpa
Schäden durch BlitzschlagSchlägt der Blitz direkt in ein Haus ein, kommt der Gebäudeversicherer für Schäden am Gebäude auf. Schäden durch Überspannung werden nur ersetzt, wenn der Blitz direkt in das versicherte Grundstück oder Gebäude eingeschlagen ist. Sonstige Schäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss sind nur dann über die Gebäudeversicherung abgedeckt, wenn eine zusätzliche Klausel, die sogenannte Überspannungsklausel vereinbart wurde. Das gilt ebenso für die Hausratversicherung. Im Bild: Rettungskräfte versuchen Jungvieh aus einem Stall in Lamderdingen (Bayern) zu befreien, der nach einem Blitzschlag teilweise eingestürzt war. Quelle: dpa
Kaputter HausratWenn der Sturm mit Hausrat spielt, zahlt die Hausratversicherung – aber nur, wenn diese Dinge während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und beschädigt wurden. Eine Ausnahme gibt es für Mieter, wenn Antennen und Markisen außen am Gebäude angebracht sind und ausschließlich durch die Bewohner der versicherten Wohnung genutzt werden. Auch dann zahlt die Hausratversicherung den Schaden. Im Bild: Feuerwehrleute pumpen in Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) Wasser aus einer überfluteten Garage. Gewitterregen sorgten in weiten teilen von Rheinland-Pfalz für Überflutungen. Quelle: dpa

220.000 überfahrene Rehe, 12.000 Wildschweine, 200.000 Kaninchen und Hasen – das ist die jährliche ADAC-Wildwechsel-Opferstatistik.   Der Rat aller Experten für den Ernstfall ist so richtig, wie schmerzlich – vor allem für die Tiere: Weichen Sie dem Tier auf ihrer Fahrbahn nicht aus, sondern halten Sie darauf zu. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Autofahrer das Steuer verreißt und schlimmstenfalls in einen  Baum kracht.  

Wer aber einmal einen Wagen nach einem Schlagabtausch mit Wild sah, weiß welche massiven Schäden an einem Auto entstehen können, selbst bei einem Fuchs.  Aber auch wer das Tier nicht erwischt und dennoch ins Schleudern gerät, kann sein Auto ramponieren. Da aber ist der Nachweis für die Versicherung besonders  schwierig, denn das Tier hat sich vom Acker gemacht. Zudem gibt mancher halbseidene Unglücksfahrer auch nur an, er sei heldenhaft einem Tier ausgewichen, in Wirklichkeit aber hat er unaufmerksam das Lenkrad verrissen.  

Im Schnitt entsteht ein Schaden von 2000 Euro. Da schauen die Kfz-Versicherungen  bei der Schadenabwicklung schon genauer hin. In der Regel kommt die Teilkasko für den Schaden auf, vorausgesetzt Haarwild hat ihn verursacht.  Darunter fällt nicht nur, was ein Fell trug, sondern auch Murmeltiere, Fischotter und Seehunde.

Anders sieht es aus bei Federvieh: Da verweigert sich die Versicherung. Das gilt auch für Katzen, Hunde oder Kühe. Die Begründung: Das sind nicht Wildtiere, sondern Haus- oder Nutztiere.  Kann man verstehen, muss man aber nicht.

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Wer Vollkasko versichert ist, hat Glück. Sie trifft laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft diese Unterscheidung nicht, sondern übernimmt jeden Schaden verursacht durch ein Tier auf Abwegen. Dafür zahlt der Unglücksfahrer aber mit seinem Schadenfreiheitsrabatt und das will gut durchgerechnet sein.

Wer ein Wildtier auf die Hörner nimmt, der muss nach der Sicherung der Unfallstelle sofort die Polizei rufen.  Zudem gilt es sofort alle Schäden, Haar- und Blutreste und so möglich das Tier zu fotografieren. Das tote Tier einfach mitzunehmen ist strafbar und gilt als Wilderei!

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