Neues Baurecht So wird der Traum vom Eigenheim nicht zum Albtraum

Ein neues Gesetz soll die Rechte von Bauherren stärken. Trotzdem sollten Häuslebauer einige Expertentipps beachten.

Schlüsselfertige Immobilien: Neues Baurecht bringt mehr Rechte und Transparenz für Bauherren. Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Abgeordneten des Bundestags haben kürzlich den Weg frei gemacht für ein neues Bauvertragsrecht. Es soll die Rechtsposition von Verbrauchern stärken. Das ist eine gute Nachricht für alle, die den Traum vom Eigenheim in Form eines selbst beauftragten Neubaus wahr machen wollen. Wer das tut, hat zwar bei der individuellen Gestaltung des Wohnraums die Zügel in der Hand. Er muss aber auch Verantwortung für die Planung übernehmen oder diese so geschickt und verbindlich an Architekten oder Bauunternehmen delegieren, dass nichts schief geht.

Doch oft geht es schief, schließlich sind auch kleine Bauprojekte komplex. Zudem sind Privatleute Laien, die ausgebufften Bauprofis gegenüberstehen. Wer hier wen über den Tisch zieht, falls er Gelegenheit dazu bekommt, dürfte also in den meisten Fällen klar sein.

Der Eigentümerverband Haus & Grund begrüßt daher die geplante Reform des Bauvertragsrechts, warnt aber gleichzeitig davor, sich achtlos in Bauvorhaben zu begeben. Privatleute setzen bei solchen Projekten den Großteil ihres Vermögens ein und müssen sich daher gegen existenzbedrohende Risiken absichern. Wer das vernachlässigt, für den kann der Traum vom Eigenheim zum Albtraum werden.

Welche Schäden Hausbesitzer am meisten fürchten
Albtraum 1: FeuerViele Immobilienbesitzer glauben, ausreichend gegen Naturgefahren abgesichert zu sein, sind es aber nicht. Das ergibt eine repräsentative Befragung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherer und des GfK. Grund dafür ist auch, dass einige Risiken unterschätzt werden. Albtraum Nummer 1 der deutschen Immobilienbesitzer sind Brände: 39 Prozent betrachten die Absicherung gegen Feuer als wichtig, gut die Hälfte findet sie „eher wichtig“ und nur zehn Prozent unwichtig. Quelle: DPA
Albtraum 2: LeitungswasserEbenfalls gefürchtet sind Schäden durch Leitungswasser, etwa nach Rohrbrüchen. Zwar halten nur fünf Prozent die Absicherung gegen Leitungswasserschäden für wichtig, immerhin 57 Prozent aber für „eher wichtig“. Keine Sorgen über Leitungswasserschäden machen sich 38 Prozent. Quelle: DPA
Albtraum 3: Sturm, HagelFür die Hälfte der Immobilienbesitzer spielen Sturm und Hagel keine große Rolle, sie finden eine Absicherung gegen solche Schäden eher unwichtig. Nur vier Prozent finden die Absicherung hier wichtig, 46 Prozent „eher wichtig“. Quelle: DPA
Albtraum 4: ElementarschädenHier wird die Gefahrenlage besonders unterschätzt: Mit 88 Prozent hat die große Mehrheit der deutschen Immobilienbesitzer keine Angst vor Starkregen, Überschwemmung, Schneedruck und Co. Nur elf Prozent finden eine Absicherung hier eher wichtig und ein Prozent hält sie für wirklich wichtig. Quelle: DPA
Nahezu alle fühlen sich abgesichertWährend die Mehrheit gegen Schäden durch Feuer, Sturm und Hagel (je 95 Prozent) und Leitungswasser (92 Prozent) versichert sind, sieht es bei Schäden durch Überschwemmung eher mau aus: Gegen sie sind nur 48 Prozent abgesichert. Trotzdem fühlen sich nahezu alle Immobilienbesitzer rundum abgesichert: 93 Prozent schätzen ihre eigene Absicherung gegen Naturgefahren aller Art als sehr gut oder gut ein. Nur ein Prozent fühlt sich weniger gut oder schlecht abgesichert. Quelle: obs
Unwetter 2016Selbst Berichte über aktuelle Extremwetter haben kaum Einfluss auf die eigene Risikowahrnehmung: Vor dem Unwetter im Mai 2016 in Südbayern und Baden-Württemberg nahmen 21 Prozent der Befragten an, dass Starkregen in ihrer Wohngegend zu stärkeren Überschwemmungen führen kann. Nach dem Unwetter sind es mit 28 Prozent nur unwesentlich mehr. Vor dem Unwetter schlossen 66 Prozent Starkregenschäden in ihrer Gegend aus, nach dem Unwetter sind es immer noch 58 Prozent. Quelle: DPA
Gründe gegen eine ElementarschadenversicherungWieso entscheiden sich Immobilienbesitzer gegen eine Elementarschadenversicherung? Die meisten fühlen sich schlicht nicht bedroht: 89 Prozent der Nichtversicherten halten das Risiko für überschaubar. 67 Prozent geben an, ihr Versicherungsschutz sei auch so ausreichend. Gut die Hälfte hält die Versicherungsprämien für zu hoch und 27 Prozent nehmen an, ihr Gebäude sei nicht versicherbar. Quelle: dpa

Mehr Transparenz, erleichterter Widerruf

Welche Verbesserungen soll das neue Baurecht bringen? Aus dem mehr als 100 Seiten umfassenden Gesetzentwurf sind folgende Punkte hervorzuheben: So erhalten Verbraucher ein 14-tägiges Widerrufsrecht nach dem Abschluss von Bauverträgen. Zudem werden Bauunternehmer verpflichtet, das Bauprojekt und den Auftrag gegenüber Verbrauchern detaillierter zu beschreiben und die voraussichtliche Bauzeit festzulegen. Bauherren sollen Änderungswünsche am Projekt außerdem leichter umsetzen können, per Anordnungsrecht des Bestellers, wie es im Juristendeutsch heißt. Dabei wird auch geregelt, wie sich Änderungen am ursprünglichen Auftrag auf den Endpreis auswirken.

Hier ist Bauland in Deutschland am teuersten
Platz 15: Sachsen-Anhalt Kaufinteressenten, die ihr Grundstück besonders günstig erwerben wollen, sollten in Sachsen-Anhalt suchen: Dort gibt es Land zum Bauen schon für durchschnittlich 38,44 Euro – das gibt es nirgendwo sonst in Deutschland. (Die Daten für Bremen sind von der Auswertung ausgeschlossen.) Quelle: dpa
Platz 14: Thüringen Den 14. Platz belegt das vergleichsweise kleine Bundesland mit der Landeshauptstadt Erfurt: Im Freistaat Thüringen liegt der Kaufpreis für einen Quadratmeter Bauland im Schnitt bei 44,53 Euro. Quelle: dpa
Platz 13: Mecklenburg-VorpommernDas Land hoch im Norden verdankt den Ostseeinseln Usedom und Rügen zu Recht seinen Ruf als beliebtes Urlaubsziel. In Mecklenburg-Vorpommern zahlen Kaufinteressenten für baureifes Land im Schnitt 49,53 Euro für einen Quadratmeter. Quelle: dpa
Platz 12: Sachsen Den zwölften Platz belegt wieder ein Freistaat – und erneut einer im Osten Deutschlands: In dem an Polen und die Tschechische Republik grenzenden Bundesland kostet ein Quadratmeter baureifes Land im Schnitt 57,86 Euro. Quelle: dpa
Platz 11: Brandenburg Es umschließt das Land Berlin und hat Potsdam als Landeshauptstadt: Brandenburg ist reich an Seen, Wassergebieten und Wäldern. Wer bauen will, zahlt für baureife Grundstücke durchschnittlich 67,59 Euro pro Quadratmeter. Quelle: dpa
Platz 10: Niedersachsen Nach Bayern ist Niedersachsen flächenmäßig das zweitgrößte Bundesland und besteht 82 Prozent aus Wald- und Landwirtschaftsflächen. Obwohl mit Hannover, Braunschweig Oldenburg oder Osnabrück eine ganze Reihe beliebter Großstädte zum Land gehören, zahlen Käufer mit durchschnittlich 78,29 Euro für den Quadratmeter einen vergleichsweise moderaten Preis für Bauland. Quelle: obs
Platz 9: SaarlandIm Südwesten von Deutschland liegt das kleinste Flächenland und belegt bei den Baulandpreisen den neunten Platz: das Saarland. Ein Quadratmeter baureifes Grundstück kostet in dem bevölkerungsgeringen Bundesland durchschnittlich 88,02 Euro. Quelle: dpa
Platz 8: Schleswig-Holstein Den achten Platz belegt ein Land zwischen den Meeren Nord- und Ostsee: Schleswig-Holstein. Im nördlichsten Bundesland befinden sich nur zwei Großstädte: Kiel und Lübeck. Dennoch zahlen Baulandkäufer hier im Schnitt 111,42 Euro für einen Quadratmeter. Quelle: dpa
Platz 7: Rheinland-Pfalz Den siebten Platz belegt ein waldreiches, aber auch von Großstädten besiedeltes Bundesland: Rheinland-Pfalz. Wer Bauland rund um Eifel, Taunus oder Städte wie Mainz und Koblenz erwirbt, zahlt für den Quadratmeter im Schnitt 122,44 Euro. Quelle: dpa
Platz 6: Nordrhein-Westfalen Den sechsten Platz belegt das bevölkerungsreiche Bundesland Nordrhein-Westfalen. 29 deutsche Großstädte liegen in diesem Land – der durchschnittliche Kaufpreis liegt bei 145,86 Euro pro Quadratmeter. Quelle: dpa
Platz 5: Baden-WürttembergBauherren müssen im Süden von Deutschland tief in die Tasche greifen. In Baden-Württemberg kostet ein Quadratmeter Bauland im Schnitt 190,35 Euro. Quelle: dpa
Platz 4: HessenDieses Bundesland gehört zu den waldreichsten Ländern in Deutschland, aber auch Großstädte wie Frankfurt am Main, Wiesbaden und Darmstadt liegen in Hessen. Durchschnittlich kostet ein Quadratmeter Bauland in dieser Region 213,16 Euro. Quelle: dpa
Platz 3: Bayern Obwohl München als Stadt selbst unangefochten Platz 1 der Kaufpreise für baureifes Land belegen würde, belegt das Bundesland Bayern als Flächenstaat insgesamt den dritten Platz. Im Schnitt bezahlt ein Käufer 235,17 Euro für den Quadratmeter. Der Grund dafür ist, dass die ersten beiden Plätze von Stadtstaaten belegt werden. Quelle: dpa
Platz 2: BerlinMit großem Abstand belegt das Bundesland mit der bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands den zweiten Platz: In Berlin zahlt ein Käufer 518,70 Euro für einen baureifen Quadratmeter. Quelle: dpa
Platz 1: HamburgIn Deutschland ist mit großem Vorsprung in Hamburg das Bauland am teuersten. In dem nördlichen Stadtstaat bezahlt ein Käufer 726 Euro für einen Quadratmeter – und damit mehr als dreimal so viel wie in Bayern. Der Grund: Durchschnittspreise ebnen die Unterschiede zwischen Stadt und Land in einem Flächenstaat wie Bayern ein. Im direkten Vergleich zwischen Hamburg und München läge die Bayernmetropole klar vorn: Dort kostet ein Quadratmeter baureifes Land sage und schreibe 1.963,38 Euro. Quelle: dpa

Wenn das Gesetzgebungsverfahren wie geplant abgeschlossen wird, treten die neuen Regeln ab Januar 2018 in Kraft. Wer in den Genuss der für Verbraucher günstigeren Vorschriften kommen will, sollte sich durchaus überlegen, mit dem Vertragsschluss für sein Bauprojekt bis zum Inkrafttreten zu warten.

Unabhängig davon, ob der Auftrag unter neues oder altes Baurecht fällt, sollten Häuslebauer sich vor einigen Fußangeln hüten.

„Oft schließen private Bauherren keine Verträge mit den Bauunternehmen, doch das sollten sie unbedingt tun“, schärft die Chefjustiziarin des Eigentümerverbands Haus & Grund, Inka-Marie Storm, Verbrauchern ein.

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