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Preiserhöhungen So wehren Sie sich gegen den Stromanbieter

Zum Jahreswechsel erhöhen viele Stromanbieter die Preise. Das müssen sich Kunden aber nicht gefallen lassen, denn die Alternativen am Markt sind vielfältig und der Wechsel einfach. So kündigen Sie Ihrem Stromanbieter.

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Stromzähler Quelle: dpa

Die Strompreise steigen und steigen. In diesen Tagen bekommen besonders viele Stromkunden Post von ihrem Stromanbieter. Denn Versorger, die ihre Preise zum ersten Januar ändern wollen, müssen ihre Kunden bis zum 20. November darüber informieren. Als Grund für die Verteuerung nennen viele Anbieter die Erhöhung der EEG-Umlage für Ökostrom und höhere Kosten für die Nutzung von Stromnetzen.

Das Vergleichsportal Verivox verzeichnet bislang 240 Anbieter, die ihre Preise zum Jahreswechsel erhöhen wollen. Bei einer Gesamtzahl von knapp tausend Anbietern klingt das noch vergleichsweise wenig. „Es kommen aber ständig neue Anbieter dazu“, sagt Dagmar Ginzel von Verivox. Und diesmal steigen die Preise besonders stark: „Bislang belaufen sich die Preiserhöhungen im Durchschnitt auf knapp zwölf Prozent“, sagt Ginzel. Zwischen Dezember 2011 und November 2012 sind die Preise dagegen nur um vier Prozent gestiegen.

Wie schnell Stromkunden handeln müssen, wenn sie eine Mitteilung ihres Anbieters bekommen, hängt davon ab, ob sie einen Grundversorgungs- oder Sonderkundentarif haben. Grundsätzlich gilt: „Bei Preiserhöhungen haben alle Kunden ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht“, sagt Verbraucherschützer Jürgen Schröder, Energieexperte und Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. Sie können den Vertrag dann ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen und den Anbieter wechseln.

Einige Stromanbieter verwenden in ihren Tarifen für sogenannte Sonderkunden allerdings Preiserhöhungsklauseln, die das Kündigungsrecht ausschließen, wenn die Preise aufgrund gestiegener staatlicher Umlagen, Abgaben oder der Erhöhung der EEG-Umlage angehoben werden. Sonderkunden sind all jene, die mit ihrem Grundversorger einen besonderen Tarif vereinbart oder einen Vertrag mit einem anderen Stromanbieter geschlossen haben. „Unserer Auffassung nach sind solche Preiserhöhungsklauseln unwirksam“, sagt Schröder.

Deshalb sein Rat: Trotz dieser Klauseln sollten Sonderkunden jetzt schnell prüfen, ob sich der Wechsel zu einem anderen Anbieter lohnt und gegebenenfalls umgehend kündigen - so dass die Kündigung spätestens am 31. Dezember beim Versorger eingeht. Die Verbraucherzentrale NRW stellt dafür einen Musterbrief zur Verfügung. In der Regel übernimmt zwar der neue Anbieter die Kündigung für den Kunden. Wenn die Frist allerdings kurz ist und bald abzulaufen droht, sollte der Verbraucher selbst kündigen.

Flexible Kündigung beim Grundversorger

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa


Kunden im Grundversorgungstarif haben es einfacher: Sie können jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen – unabhängig von aktuellen Preisänderungen – und das sogar auf den Tag genau, nicht etwa erst zum Monatsende. Doch Grundversorgungstarife sind meist teuer als Sonderkundentarife. Dafür hat der Kunde aber auch einen gesetzlichen Anspruch auf Belieferung. Wer in eine neue Immobilie einzieht, wird zunächst automatisch vom örtlichen Grundversorger mit Strom beliefert, meist sind das die Stadtwerke oder ein großes Verbundunternehmen wie etwa RWE, Eon, EnBW oder Vattenfall.

Die größten Stromfresser und wie man sie ausschaltet
Ab September müssen Staubsauger ein Energielabel tragen, so wie Waschmaschine und Kühlschrank auch. Die EU-Regelung soll es einfacher machen, energiesparende Geräte zu erkennen. Ab September dürfen die Geräte maximal 1600 Watt verbrauchen, bis 2017 soll diese Grenze auf 900 Watt herabgesetzt werden. Zusätzliche hinweise auf dem Label informieren den Kunden, für welchen Bodenbelag der Sauger geeignet ist. Wichtig ist für Experten allerdings nicht nur die Watt-Zahl, sondern auch die Saugleistung. Muss länger gesaugt werden, ist die Energieersparnis durch geringeren Stromverbrauch hinüber. Deshalb sei das Label kaum mit den Energieeffizienzklassen anderer Geräte zu vergleichen. Wenn Sie vorhaben, sich einen neuen Staubsauger anzuschaffen, achten Sie nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf die Saugleistung. Diese wird durch die Art des Motors, Saugrohr und vorhandene Filter beeinflusst. Viele Händler bieten mittlerweile "Versuchsparcours" an, auf denen man die Staubsaugermodelle testen kann. Staubsauger, die bis Ende des Monats in den Handel kommen, werden das Label vorerst nicht bekommen und dürfen auch ohne dieses verkauft werden. Quelle: dpa
Für Filter-Kaffeemaschinen mit einer Isolierkanne soll der EU zufolge eine Wartezeit von fünf Minuten gelten. Bei Maschinen ohne Isolierbehälter ist eine Wartezeit von maximal 40 Minuten geplant. Die Hersteller können der Kommission zufolge aber entscheiden, ob sie es den Verbrauchern ermöglichen, die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion wieder abzustellen. „Die Einschränkungen für den Verbraucher sind sehr, sehr gering. Kaffee, der 40 Minuten in der Glaskanne steht, schmeckt ohnehin nicht mehr“, sagte Scholz. Vorteile für die Verbraucher seien Einsparungen beim Stromverbrauch und damit bei den Kosten. Der Bund der Energieverbraucher schätzt die Einsparungen auf etwa 60 Euro im Jahr, wenn täglich drei Kannen Kaffee gekocht und diese insgesamt acht Stunden warmgehalten werden. „Existierende Modelle, die automatisch abschalten, kosten kaum so viel wie der Warmhaltestrom eines Jahres“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters der dpa. „Wir bekommen die Energiewende nicht hin, ohne Strom zu sparen.“ Quelle: dpa
Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Wer geben zehn Tipps, wo und wie Sie in Zukunft Strom im Haushalt sparen können. Quelle: dapd
Eco-Programme beim Spülen benutzenMit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10 der größten Stromfresser im Haushalt. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens trotzdem günstiger als Handspülen: Im Geschirrspüler werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird und dass das Geschirr nicht zusätzlich von Hand vorgespült wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie. Bei geringerer Temperatur wird das Geschirr dank längerer Spülzeiten genauso sauber wie in "Normal"-Programmen. Datengrundlage des Rankings: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.Tipps zum Energiesparen: Eigene Recherche und Umweltbundesamt-Broschüre "Energiesparen im Haushalt", die als PDF heruntergeladen werden kann. Quelle: dpa
Moderne Umwälzpumpen lohnen sichDie elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit durchschnittlich 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen. Von den Stromkosten abgesehen (ein Sonderfall sind alte Nachtstromspeicheröfen) macht das Heizen mit 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch des HAushalts den größten Anteil aus. Ohne große Investitionen in eine neue Heizungsanlage kann man auch hier mit einigen Tricks viel Energie sparen. Ihre Heizung sollten Sie im Idealfall nicht durch Möbel zustellen. Achten Sie beim Lüften darauf, die Heizung immer aus zu machen. Die Raumtemperatur sollte zudem auf maximal 20 Grad Celsius eingestellt sein - jedes Grad weniger spart Energie. Moderne Thermostatventile können die Raumtemperatur auch konstant auf dem gewünschten Wert halten, wenn mal die Sonne durchs Fenster scheint. So wird ein überheizen der Räume und Verlust teurer Heizenergie durch zusätzliches Lüften vermieden. Laut Umweltbundesamt können so vier bis acht Prozent Heizenergie gespart werden. Quelle: dpa
Trocknen: Nichts ist preiswerter als Sonne und WindBeim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für Sie erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen, das so auf Rang acht landet. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden. Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet, also zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen. Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft. Beim Trocknen der Wäsche im Raum gilt: Der Raum muss unbeheizt und gut gelüftet sein - sonst droht Schimmelbefall. Wäsche im beheizten Wohnraum zu trocknen, ist nicht sinnvoll, denn durch das zusätzliche Stoßlüften um die Feuchtigkeit abzutransportieren geht viel wertvolle Heizenergie verloren. Quelle: dpa
Alte Haushaltsgeräte durch neue ersetzen Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalt-Stromverbrauchs aus und landen sie auf Platz sieben der größten Stromfresser. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Ab 2014 kommen auch Energieeffizienzklassen-Kennzeichnungen für Staubsauger. Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz aber auch Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd. In der Regel gilt die Devise: Setzen Sie die Verschwender vor die Tür. Gerade bei Haushaltsgeräten macht es sich in Sachen Strombilanz bezahlt, alte Geräte gegen neue Technologien einzutauschen. Quelle: dapd

Selbst Sonderkunden, die ihre Kündigung ordnungsgemäß einsenden, müssen damit rechnen, dass der Anbieter sich auf seine Preiserhöhungsklauseln beruft und eine Kündigung nicht anerkennt. Wenn das passiert, kann sich der Kunde kostenlos an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Auch bei der Verbraucherzentrale bekommt er Hilfe. Eine Klage kann dagegen höchstens Verbrauchern mit Rechtschutzversicherung empfohlen werden.

Als Alternative zu einer Kündigung können Stromkunden einer Preiserhöhung auch widersprechen und die erhöhten Preise unter Vorbehalt zahlen. „Das empfiehlt sich für Sonderkunden, die ihren Vertrag nicht kündigen wollen“, sagt Jürgen Schröder. Zudem können Kunden ihren Widerspruch gegen die Jahresrechnung richten und so später noch Geld aus einer unberechtigten Preiserhöhung zurückzuverlangen. Auch dazu bietet die Verbraucherzentrale einen Musterbrief.

Tarifoptionen für Stromkunden und was sie bringen

Dieser Widerspruch stützt sich darauf, dass eine Preiserhöhung sachlich gerechtfertigt sein und plausibel begründet werden muss. „Manche Versorger nehmen die gestiegene EEG-Umlage und andere Steuern zum Anlass für Preiserhöhungen, ohne dass die Erhöhung tatsächlich gerechtfertigt ist und ohne dass gesunkene Kosten eingerechnet werden“, sagt Schröder. „Dagegen sollten sich Verbraucher wehren.“

Trotz dieser Hürden ist der Wechsel des Stromanbieters vergleichsweise einfach. Der Kunde läuft dank Grundversorgung nicht Gefahr, plötzlich im Dunkeln zu stehen. Wenn sein vertraglich vereinbarter Anbieter ausfällt, wird der Verbraucher unverzüglich zum Grundpreis vom örtlichen Anbieter versorgt. Auch ein Gutachten des Bundesverbraucherministeriums zeigt: Gut zwei Drittel der Stromkunden, die bisher ihren Anbieter gewechselt haben, sind zufrieden.

Wichtig ist jedoch die sorgfältige Auswahl des Tarifs, denn der Strommarkt ist hart umkämpft und Billiganbieter haben zahlreiche Tricks, um ihre Tarife günstiger erscheinen zu lassen. Sie ködern beispielsweise mit Bonuszahlungen, durch die der Tarif im ersten Vertragsjahr günstig ist, ab dem dreizehnten Monat aber sehr teuer wird.

Tarife sorgfältig vergleichen

So setzt sich der Strompreis zusammen
Traditionelle Erzeuger Quelle: dapd
Neue Energien Quelle: REUTERS
Strombörse Quelle: dpa
Verschiedener Strom Quelle: dpa
Die Endverbraucher Quelle: dpa
EEG-Umlage Quelle: dpa

Auch bei Preisgarantien sollten Kunden genau hinschauen, denn es gibt verschiedene Arten von Preisgarantien. Auf der niedrigsten Sicherheitsstufe wird dem Kunden lediglich versprochen, dass der Energiepreis, also quasi der Einkaufspreis, den der Stromanbieter selbst für die Energie zahlt, nicht steigt. „Diese Garantie ist praktisch wertlos, denn die Einkaufspreise sind derzeit ohnehin sehr stabil“, sagt Schröder.

Etwas besser ist da schon eine Garantie, die neben den reinen Energiekosten auch die Netzentgelte einbezieht. Eine tatsächliche Preisgarantie hat der Kunde aber nur dann, wenn alle Preisbestandteile unverändert bleiben und sich der Anbieter lediglich vorbehält, Mehrwertsteueränderungen oder Änderungen bei Strom- und Erdgassteuern an den Kunden weiterzugeben. Damit ist er auch vor der Erhöhung der EEG-Umlage geschützt. Denn diese könnte nach Einschätzung der Netzbetreiber weiter steigen: Wie seit Oktober bekannt, müssen die Bürger 2013 knapp 5,3 Cent je Kilowattstunde für die Förderung erneuerbarer Energien über den Strompreis bezahlen; für 2014 gehen die Netzbetreiber von einer Umlage zwischen 4,89 und 5,74 Cent je Kilowattstunde aus.

Laughlins Thesen zur Energiezukunft

Vorsicht ist auch bei Paketpreisen geboten. Denn der Kunde legt sich bereits bei Abschluss des Vertrages auf einen konkreten jährlichen Kilowattverbrauch fest. Verbraucht er weniger, muss er den vereinbarten Preis trotzdem zahlen. Ist der Verbrauch dagegen höher, fallen für die zusätzlichen Kilowattstunden häufig sehr hohe Preise an. Solche Angebote sind deshalb nur für Kunden geeignet, die ihren Stromverbrauch sehr genau einschätzen können. Hinzu kommt, dass sich auch bei Paketangeboten die Preise während der Laufzeit ändern können.

Von Tarifen mit Vorauszahlungen raten Verbraucherschützen entschieden ab. „Im schlimmsten Fall gibt man dem Unternehmen Geld, bekommt aber nichts zurück, weil der Anbieter zwischenzeitlich Pleite geht“, warnt Schröder. Dieses Szenario ist für Kunden des Anbieters Teldafax 2011 Realität geworden. Und auch der neueste Bericht zum Zahlungsverhalten des Anbieters Flexstrom gegenüber den Stromkonzernen kann beunruhigen. Von „diversen Unregelmäßigkeiten“ und „Auffälligkeiten“ im Zahlungsverkehr ist da die Rede.

Deutschland



„Völlig problemlos funktioniert im Energierecht aktuell leider nichts“, sagt Verbraucherschützer Schröder. Trotz dieser Unsicherheit sollten sich Verbraucher aber nicht davon abhalten lassen, den Stromanbieter zu wechseln. „Kein Strompreis bleibt konstant, deshalb sollten Kunden zumindest einmal im Jahr ihren Verbrauch prüfen und nachsehen, ob es günstigere Anbieter als den aktuellen gibt“, sagt auch Isabel Wendorff von Check24.

Wer unbedingt den Grundversorger behalten möchte, sollte sich beim Versorger zumindest nach der Möglichkeit eines Tarifwechsels erkundigen. Die Information bekommen Kunden im Internet, telefonisch oder im Kundencenter des Stromanbieters. Auch die Verbraucherzentrale hilft bei der Tarifwahl, in NRW kostet die Beratung beispielsweise neun Euro.

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