WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Prokon Das Verfahren ist eröffnet

Heute hat das Amtsgericht Itzehoe das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Verwalter möchte den Kernbereich Windenergie erhalten. Für die Anleger rückt die Stunde der Wahrheit näher.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Verblichene Werbe-Schilder für Prokon: Das Insolvenzverfahren ist eröffnet. Quelle: dpa

Nun ist es amtlich: Der Windparkbetreiber Prokon ist insolvent. Das Amtsgericht Itzehoe hat am Donnerstag das Regel-Insolvenzverfahren eröffnet.

Als Verwalter hat es Dietmar Penzlin bestimmt, der bereits das vorläufige Insolvenzverfahren betreut hat. Damit wird es ernst – sowohl für die rund 480 Mitarbeiter als auch für die 75.000 Genussrechtsinhaber. In dem Verfahren wird sich klären, wie viel die Anleger von ihrem Einsatz wiedersehen. Die rund 340 Beschäftigten wiederum bangen um ihren Job. Allein am Standort Itzehoe sind mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Bereits im Vorfeld des Insolvenzverfahrens hatte Penzlin gegenüber dem Handelsblatt erläutert, er wolle das Unternehmen fortführen, zumindest das Kerngeschäft. Die Windparks gelten als stabilste Einnahmequelle, die Projektierung neuer Parks und der Weiterbetrieb der bereits laufenden Parks würden damit unter Prokon erhalten bleiben.

Auch ein Großteil der Arbeitsplätze in Itzehoe wäre damit gesichert. Allerdings müsste für etwa hundert Vertriebsleute eine Lösung gefunden werden, die jetzt nicht mehr für den Verkauf von Genussscheinen gebraucht werden. Damit dürfte es auch eine Transfergesellschaft geben. Solche Transfergesellschaften sollen von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeitern im Rahmen einer auf ein Jahr befristeten Beschäftigung den Übergang zu einer neuen Beschäftigung erleichtern. Der Vorteil: Es gibt noch Kurzarbeitergeld vom Staat, der Zeitrahmen bis zum Verlust des Arbeitsplatzes ist länger. Die Windparks sind zwar das Kerngeschäft, liefern aber im Vergleich zu anderen Geschäftsbereichen wie der Ölmühle in Magdeburg und dem Palettenwerk HIT Torgau deutlich weniger Umsatz.

Hohe Abschreibungen

Die Frage ist nun, ob die Ölmühle verkauft wird, und inwieweit das Palettenwerk zumindest einen Teil des aufgelaufenen Kredits zurückzahlen kann. Bislang hat HIT Torgau Verluste eingefahren. Ein Teil des Kredits von über 200 Millionen Euro an HIT Torgau muss mit Sicherheit abgeschrieben werden. Gerüchten, dass Anleger einen Totalverlust erwartet, tritt Insolvenzverwalter Penzlin allerdings entgegen.

Geldanlage



„Mutmaßungen, die Genussrechtsinhaber müssten mit einem Totalausfall rechnen, sind falsch“, sagte Penzlin schon Ende März. Die Genussrechtsinhaber müssten jedoch durchaus Verluste hinnehmen. Verlässliche Zahlen wird es voraussichtlich erst im Juli geben. Dann dürfte auch eine Gläubigerversammlung stattfinden, die über den weiteren Fortgang entscheidet. Denkbar wäre etwa, dass die Genussrechtsinhaber mit einer etappenweisen Rückzahlung ihrer Einlage einverstanden sind, oder dass es eine Quote geben wird, wenn sie das Geld sofort zurückhaben wollen.


© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%