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Schieferöl-Boom USA lockern das Öl-Exportverbot

Jahrzehntelang war es US-Energieunternehmen verboten, amerikanisches Öl im Ausland zu verkaufen. Die Regierung macht nun den Weg frei. Ursache ist der Fracking-Boom.

Mit der Fördertechnik Fracking wird bei Pennsylvania Erdgas gefördert Quelle: dpa

Der Export von unverarbeitetem Rohöl aus den USA ist verboten - und das soll auch so bleiben. Doch zumindest die Regelungen für eine Sorte ultraleichten Öls zweier Unternehmen werden gelockert. Das berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) auf seiner Internetseite.

In nicht-öffentlichen Beschlüssen hat das US-Handelsministerium demnach den Firmen Pioneer Natural Resources und Enterprise Product Partners getrennt voneinander die Erlaubnis erteilt, eine Sorte ultraleichten Öls an ausländische Käufer zu geben. Das Kondensat kann zu Benzin, Flugbenzin oder Diesel weiterverarbeitet werden.

Wer den Öl- und Gasmarkt dominiert
Stürmische Zeiten: Trotz der weltweiten Wirtschaftsflaute fahren die größten Ölkonzerne der Welt satte Gewinne ein. Der Energie-Informationsdienst Oilandgasiq hat die zehn größten Öl- und Gaskonzerne nach dem täglichen Fördervolumen zusammengestellt. Stand: Mai 2013 Quelle: REUTERS
Platz 10: Kuwait Petroleum Corporation (KPC)Den letzten Rang unter den Top-10 Ölkonzernen der Welt erreicht der staatliche Ölförderer von Kuwait. Die Kuwait Petroleum Corporation ging aus der Anglo-Persian Oil (heute BP) und Gulf Oil (heute Chevron) hervor. Die Kuwaitis beschäftigen 15.800 Menschen und fördern 3,2 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass oder Barrel entspricht rund 159 Litern. Im Golfkrieg in den 1990ern setzten irakischen Streitkräfte mehr als 700 kuwaitische Ölquellen in Brand. Quelle: PR
Platz 9: ChevronDie Wurzeln des drittgrößten Unternehmens der USA reichen bis 1879 zurück, als die Pacific Coast Oil Company gegründet wurde. Später schluckte Standard Oil das Unternehmen und nannte es SoCal. 1984 schlossen sich dann SoCal und Gulf Oil unter dem Namen Chevron zusammen. Die Kalifornier fördern 3,5 Millionen Barrel am Tag. Rund 62.000 Menschen arbeiten weltweit für den Konzern. Quelle: REUTERS
Platz 8: PemexMexiko verstaatlichte 1938 die gesamte Ölindustrie. Heute gilt der Energieriese als eines der größten Unternehmen Lateinamerikas und größter Steuerzahler Mexikos. Die 138.000 Mitarbeiter fördern 3,6 Millionen Fass Öl am Tag. Quelle: REUTERS
Platz 7: Royal Dutch Shell Der siebtgrößte Ölförderer der Welt entstand 1907 aus dem Zusammenschluss einer niederländischen und einer britischen Firma. Der weltweit bekannte Konzern setzte sich 2012 mit einer Marktkapitalisierung von 140 Milliarden Dollar an die Spitze des britischen Leitindex FTSE. Mit 87.000 Angestellten fördert der Multi 3,9 Millionen Barrel Öl am Tag. Quelle: REUTERS
Platz 6: BPAuf eine lange Historie blickt auch British Petroleum, kurz BP, zurück. Die Burmah Oil Company ging 1909 in der Anglo-Persian Oil Company auf, die später zur Anglo Iranian Oil und schließlich zu BP wurde. Einen schweren Schlag erhielt der Konzern, als eine Explosion auf der Plattform Deepwater Horizon 2010 mehrere Arbeiter töte. Das auslaufende Öl verseuchte den Golf von Mexiko und richtete eine der größten Umweltkatastrophen an. Der Konzern wurde zu Milliardenstrafen und Entschädigungen verurteilt. Weitere Prozesse laufen. BP beschäftigt 85.700 Menschen und fördert 4,1 Millionen Fass Öl am Tag. Quelle: dapd
Platz 5: PetrochinaDen fünften Rang unter den größten Energiekonzernen der Welt hat Chinas Petrochina erobert. Die Karriere des erst 1999 gegründeten Unternehmens ist steil. Der staatseigene Konzern fördert mit 550.000 Arbeitern 4,4 Millionen Barrel. Quelle: REUTERS

Erwartet wird, dass erste Lieferungen im August auf den Weg gebracht werden und vermutlich ein eher geringes Volumen haben, berichtet das "WSJ" unter Berufung auf Insider. Die Entscheidungen des Handelsministeriums beziehen sich vorerst nur auf die beiden Unternehmen, die um Erlaubnis gesucht hatten, ihr verarbeitetes Kondensat aus einem texanischen Schieferöl-Vorkommen zu exportieren. Andere Branchenvertreter könnten die Genehmigung als Anlass für eigene Anträge nehmen.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

In einer Stellungnahme teilte das Handelsministerium laut "WSJ" mit, dass sich "an der Politik zum Export von Rohöl nichts geändert habe". Anfang der Siebzigerjahre war das Exportverbot in Reaktion auf das arabische Ölembargo erlassen worden. Damals hatten sich die Ölpreise vervierfacht. Gemäß den US-Richtlinien darf unverarbeitetes Öl nur mit einer Sondergenehmigung und unter bestimmten Umständen exportiert werden.

Nach dem Erfolgszug des Fracking fördern die USA mittlerweile so viel Öl, dass die Preise für ultraleichtes Öl um teils mehr als zehn Dollar unter den Preis für herkömmliches Rohöl gefallen sind. Die Öl-Produzenten hatten daher stark darum geworben, das Exportverbot zu lockern, da sie im Ausland höhere Preise erzielen wollen.

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