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Schlechte Beratung & Abzocke EU will Schadenersatzklagen erleichtern

Kunden sollen Firmen künftig leichter auf Schadenersatz verklagen können. Das empfiehlt die EU-Kommission und setzt auf kollektive Klagen. Sammelklagen nach US-Vorbild soll es aber nicht geben.

So vermeiden Sie Abzocke per App
Bekannte NamenDie App "Chat for Google Talk Pro" klingt nach einem vertrauenswürdigen Google-Tool. Dahinter steckt jedoch ein Angebot vom Drittanbieter "iLegendSoft", der angeblich die Möglichkeit bietet, ganz unkompliziert zu chatten. Dabei funktioniert nicht einmal die Anmeldung über das Google-Konto. Gerne hängen sich gerade Drittanbieter an große Namen, in der Hoffnung den einen oder anderen Kauf mehr dadurch zu generieren. Wer das Original will, sollte sich die App also genau anschauen, ehe auf den Kaufen-Button geklickt wird. Quelle: REUTERS
DatenViele kostenlose Apps zahlen die Kunden mit ihren Daten, die für die Unternehmen bares Geld wert sind. So auch der Barcode-Scanner, der so praktisch daher kommt. Einfach an das Strich-Symbol halten und den Preis angezeigt bekommen. Wer diese App regelmäßig nutzt, gibt viel über sein Konsumverhalten preis. Ähnlich verhält es sich mit Foodspotting. Die Gratis-App hilft bei der Suche nach Restaurants. Mailadressen und Nutzungsstatistiken gehen direkt an den Analyse-Dienstleister flurry. Auch die Taschenlampe "Tiny Flashlight" verlangt permanenten Internetzugriff und liest Telefonnummern und die Geräteerkennung aus. Quelle: REUTERS
Extra-KostenVor allem bei Spielen lassen es sich die App-Anbieter nicht nehmen, nur eine einfache Version kostenlos anzubieten. Nur wer das erweiterte Spiel oder Extra-Elemente kauft, hat wirklich Spaß am Spiel. So funktioniert zum Beispiel die Monopoly-App und auch der "Oregon Trail". Quelle: dpa
FunktionslosSatte 1,59 Euro soll die Übersetzungs-App "En-De Offline" kosten, die schon bei simplen Sätzen keine Lösung mehr weiß. Auch die App "WordShot Pro" hält nicht, was sie verspricht. Angeblich soll sie abfotografierte Wörter übersetzen. Das funktioniert im Test fast nie. Dafür gewährt die App Zugriff auf Datendienste, die Musik- und Videobibliothek sowie die Geräteerkennung. Auch hier zahlt der Kunde wieder mit seinen Daten. Quelle: dapd
Spiele, die keine Spiele sindSpiele, mit denen man gar nicht spielen kann, sind eine besonders beliebte Art der Abzocke. So zeigt der Flight Simulator zum Beispiel nur Texttafeln mit Infos zum Spiel an. Dafür sollen die Kunden bereits 0,79 Euro zahlen. Und die Entwickler des Spiels "Angry Pigs" haben sich einfach an den großen Namen "Angry Birds" herangehängt. Wer nicht genau aufpasst, lädt sich mit der Schweine-Variante ein Spiel herunter, in dem keine Punkte vergeben werden und in dem es auch kein Ergebnis gibt. Kostenpunkt: 0,79 Euro. Quelle: REUTERS
Schlechter SoundVorsichtig sollten die Nutzer auch bei Streaming-Diensten sein. Nicht selten versprechen diese nicht das, was sie halten. So wirbt die App "Deutsch Premium-TV Radio" mit über 1000 Sendern für 0,79 Euro. Echte Sender findet man hier allerdings nicht, sondern lediglich freie Webstreams von schlechter Qualität. Quelle: dpa
Teure WerbebannerOft sind die in die kleinen Programme eher unscheinbare Werbebanner eingebaut, die teuer werden können. Wer aus Versehen darauf tippt, kann je nach Einstellungen automatisch ein kostenpflichtiges Abo aktivieren. Kassiert wird über die normale Mobilfunkrechnung, über die viele erstmals von dem angeblichen Vertragsschluss erfahren. Möglich macht die Masche das sogenannte WAP-Billing (WAP=Wireless Application Protocol), also das Bezahlen per Smartphone ohne die Angabe von Konto- oder Kreditkartendaten-Informationen. Bereits beim Antippen des Werbebanners wird die Rufnummer des Verbrauchers automatisch übermittelt. Mit der können die Abzocker den Mobilfunkanbieter ermitteln und einen Zahlungsvorgang für das angebotene Abo auslösen. Quelle: dpa

Verbraucher und kleine Firmen sollen in Europa leichter Schadenersatzforderungen gegen Konzerne durchsetzen können. Kollektive Schadenersatzklagen und Unterlassungsklagen sollen dies möglich machen. Die EU-Kommission hat die Staaten dazu aufgefordert, solche Klagen auf nationaler Ebene zu erlauben. Dann könnten etwa Verbraucherschutzverbände stellvertretend für die Opfer klagen. Beispiele sind Bürger, die Geld wegen schlechter Finanzberatung verloren haben, bei angeblichen Gewinnspielen abgezockt werden oder aber unter Nebenwirkungen von Brustimplantaten leiden. Sammelklagen nach US-Vorbild soll es aber nicht geben.
Allerdings sind die Leitlinien der EU-Kommission für die Regierungen nicht verbindlich, sondern stellen nur eine Empfehlung dar, die diese in den nächsten zwei Jahren umsetzen sollen. Das Thema europäische Sammelklagen wird auf EU-Ebene seit Jahren diskutiert. Heftiger Widerstand kam vor allem aus Deutschland und Frankreich.

Zehn Abzocker-Tricks im Internet
Trojaner und Co.Viren, Würmer und Trojaner können erhebliche Schäden auf dem PC anrichten. Beliebt bei Abzockern sind vor allem die Trojanischen Pferde, die vom Nutzer meist unbemerkt auf dem Rechner lauern und sensible Daten wie Passwörter abfangen, mit denen dann Schindluder getrieben werden kann. Wie kann man sich schützen?Bei allen Downloads aus dem Internet ist Vorsicht geboten. Das BSI warnt davor, dass sich in der Flut von Gratis-Programmen und Dateien unzählige Schadprogramme verstecken, die dann den Rechner infizieren. Manche davon verbreiten sich auch über USB-Sticks, weshalb man diese am besten nicht mit anderen austauschen sollte. Bemerkt man die Infektion, sollte man an einem "sauberen" PC umgehend alle wichtigen Passwörter, besonders von Online-Händlern oder Auktionshäusern, ändern. Die Kontoauszüge sollte man in der nächsten Zeit stets kritisch prüfen, da Betrüger an Kontodaten gelangt sein könnten und nun im Namen des Geschädigten Geschäfte tätigen. Quelle: REUTERS
PhishingDas Wort, das wie "Fischen" klingt, ist in aller Munde. Im Prinzip geht es auch genau darum: Abzocker werfen die Angelrute nach Passwörtern aus. Auf gefälschten Internetseiten, die etwa denen von sozialen Netzwerken oder Banken täuschend ähnlich sind, geben ahnungslose Nutzer ihre Daten ein - und sind sie auch schon los. Die Betrüger sind auf Passwörter, persönliche Daten oder Kreditkartennummern aus. Wie kann man sich schützen?Grundsätzlich sollte man bei E-Mails, die etwa scheinbar von der Bank oder einer Firma kommen und die den Empfänger dazu auffordern, seine Daten zu aktualisieren, misstrauisch sein. Diese Mails werden massenhaft verschickt und die Angreifer spekulieren darauf, dass einige der Adressaten tatsächlich Kunde bei dem vorgegebenen Unternehmen ist. Um so einen gefälschten Link zu enttarnen, muss man mit der rechten Maustaste auf den angegebenen Link in der E-Mail klicken und dann "Quelltext anzeigen" auswählen, rät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). So kann man erkennen, was sich tatsächlich hinter dem "offiziellen" Link verbirgt. Quelle: dpa/dpaweb
Spam, Spam, SpamSpam- oder auch Junk-Mails sind nicht nur ärgerlich, weil sie den Posteingang zumüllen. Lädt man die Massen-Mails herunter, können dem Nutzer je nach Internet-Anbieter Kosten für den Datenverkehr entstehen. Laut BSI entstehen jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe für Versand, den Zeitverlust fürs Lesen, das Entfernen oder sogar Beantworten des elektronischen Schrotts. Wie kann man sich schützen?Egal wie sehr man sich ärgert, man sollte niemals auf ungewollte Newsletter oder Werbepost antworten - denn die Nachrichten werden oft vollautomatisch an Hunderttausende per Zufallsprinzip erstellte Mailadressen versandt. Reagiert der Adressat auf die unerwünschte Müllpost, zeigt er nur, dass ein realer Nutzer erreicht wurde, und erhält noch mehr Spam. Wird man immer vom gleichen Absender belästigt, kann ein Filter im Mail-Programm helfen, der den Spammer blockiert. Bei extremer Belästigung hilft oft nur noch die Aufgabe der Mail-Adresse und das Erstellen einer neuen - bei der man dann wesentlich vorsichtiger damit umgehen sollte, wo und wem man sie weitergibt. Quelle: AP
Geschenke und GewinnspieleWenn beim Surfen plötzlich ein Browserfenster aufgeht, dass man ein Handy oder gar eine tolle Kamera gewonnen hat, kann man sich doch freuen - oder? Mitnichten! Die Verbraucherzentralen warnen vor solchen vermeintlichen Geschenken, denn es sind nur fiese Köder, die zum Beispiel von den Kosten für das Gewinnspiel ablenken sollen. Oft sind die Betrüger aber auch hier einfach auf die intimen Nutzerdaten aus. Wie kann man sich schützen?Vorsicht bei verlockenden Gewinnspielen und angeblichen Präsenten von Anbietern zweifelhafter Seriosität - denn wer hat schon etwas zu verschenken? Die persönlichen Daten wie Name, Alter, Anschrift, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse landen meist nur bei Adressensammlern, die diese dann in Paketen weiterverkaufen und sich so die Taschen füllen. Das einzige, was sich beim Opfer füllt, ist dann der Anrufbeantworter oder das Mail-Postfach, und zwar mit nerviger, ungewollter Werbung. Im Zweifelsfall also lieber: Finger weg! Quelle: dpa
Betrug per AppSmartphones sind ja sehr praktisch. Auch unterwegs hat man nicht nur ein Telefon, sondern eben auch immer einen Zugang zum Internet dabei. Doch auch bei dieser neuen Spielerei finden natürlich Betrüger Mittel und Wege, um Nutzern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Abzocke per App, also einem kleinen Programm auf dem Handy, nimmt laut Verbraucherzentrale zu. In Spielen oder anderen Anwendungen, die erstmal gratis heruntergeladen werden können, verbergen sich meist kleine Werbebanner, etwa mit Hinweisen auf eine Erweiterung (zum Beispiel: "Hier gibt's neue Level" oder ähnliches). Berührt man die Stelle auch nur aus Versehen, kann das teuer werden, denn oftmals werden so über die Handynummer Käufe oder sogar Abos getätigt, die bis zu 60 Euro pro Monat kosten können. Wie kann man sich schützen?Die Verbraucherzentrale stuft einen Vertrag, der über das bloße Antippen eines Banners zustande kam, als ungültig ein. Die Bundesnetzagentur prüft derzeit einen Gesetzesverstoß. Geschädigte müssen sich selbst kümmern. Die Verbraucherzentrale rät dazu, den Vertragsabschluss gegenüber dem Mobilfunkprovider und der App-Firma zu bestreiten, und es zu kündigen. Vorbeugend können Smartphone-Nutzer eine sogenannte Drittanbieter-Sperre verhängen, die verhindert, dass dubiose Geschäftemacher über die Handyrechnung Geld einziehen können. Quelle: dapd
Lösegeld-ErpressungLösegeld-Erpressung? Ja, das gibt es auch im digitalen Bereich. Mit sogenannter Ransomeware wird der Rechner infiziert (zum Beispiel per E-Mail-Anhang oder auch per Facebook-Link), und der Nutzer kann auf einmal nicht mehr auf einzelne Dateien, Ordner oder gleich seine ganze Festplatte zugreifen. Für die Freigabe der Daten-Geiseln fordern die Schadprogramme Geld, das per anonymer Überweisung ins Ausland gehen soll. Berühmtheit erlangte der Bundespolizei-Trojaner, der Betroffenen vorgaukelte, eine offizielle Polizeibehörde habe den Rechner verschlüsselt, weil ungesetzliches Material (etwa Kinderpornografie) darauf gefunden worden sei. Wie kann man sich schützen?Alle Programme inklusive Antivirensoftware sollte immer auf dem neusten Stand gehalten werden. Vor allem gegenüber E-Mails von unbekannten Absendern, die Links oder Anhänge enthalten, sollte man misstrauisch sein. Ein beliebter Verbreitungsweg ist auch das soziale Online-Netzwerk Facebook: Hier verbreiten sich die Schadprogramme über Links in automatisch geposteten Videos oder Fragen, die zum draufklicken animieren (zum Beispiel: "Bist du das auf dem Foto?" oder "Total krasses Video!"). Hier heißt es wachsam sein, nachdenken und erst dann klicken. Hat man sich infiziert, sollte man auf keinen Fall zahlen und zudem Anzeige bei der Polizei erstellen. Quelle: dpa
berTeure AbofallenEigentlich wollte man doch nur über eine Website ein paar Gratis-SMS verschicken. Und nun flattert eine astronomische Rechnung ins Haus. Angeblich kostenfrei zu versendende Kurznachrichten oder Spiele, Logos und Klingeltöne, die man sich zu sagenhaft günstigen Preisen herunterladen kann, sind eine beliebte Abofalle. Nutzer übersehen das Kleingedruckte und schließen nichts ahnend ein teures Abonnement ab. Wie kann man sich schützen?Auch wenn es lästig ist: Man sollte auch bei scheinbar kleinen Beträgen für ein Onlinespiel oder vermeintlichen Gratis-Angeboten sehr genau darauf achten, was sich im Kleingedruckten versteckt. Man sollte sich genau durchlesen, welche Leistung verkauft wird und auf Schlagworte wie "wiederkehrende Leistung" achten - denn das ist nichts anderes als ein Abonnement, das richtig teuer werden kann. Quelle: gms

Die Brüsseler Behörde stellte ausdrücklich klar, dass sich die EU-Staaten nicht an US-Sammelklagen orientieren sollen, bei denen Verbraucher oft Millionensummen an Entschädigung einklagen. Vor solch „missbräuchlichen Klagen“ hatte vor allem die deutsche Wirtschaft gewarnt. In Deutschland sind Sammelklagen nicht möglich. Von den EU-Ländern haben bislang nur Portugal, die Niederlande und Dänemark ähnliche Rechtsinstrumente.
In Europa müssten sich laut EU-Empfehlung Geschädigte einer Kollektivklage aktiv anschließen. Strafen sollen sich an der Höhe des Schadens orientieren - und nicht wie in Amerika zur Abschreckung deutlich höher liegen. „Die Gefahr von mutwilliger Prozessiererei und Klagemissbrauch [werden] vermieden“, betonte EU-Justizkommissarin Viviane Reding.
Wer als Verbraucher überzogene Preise zahlt, weil Unternehmen ihre Monopolstellung ausnutzen oder bei verbotenen Kartellen mitmachen, soll in jedem Fall besser klagen können. Die EU-Kommission legte dazu am Dienstag parallel einen Gesetzesvorschlag vor.

Geschädigte - Firmen oder Einzelkunden - sollen mehr Möglichkeiten erhalten, Schäden nachvollziehbar vor Gericht zu belegen. So müssten künftig beklagte Firmen Beweismittel offenlegen; die Kläger erhielten Zugang zu den Akten der Kartellbehörden. Verjährungsfristen würden verlängert, die Regeln für die Haftung präzisiert. Allerdings will die EU-Kommission weiterhin keine konkrete Summe nennen, die den entstandenen Schaden für Kunden und Verbraucher beziffert. Dies sei Sache nationaler Gerichte. Bislang verlangen nur in jedem vierten EU-Kartellfall die Opfer Schadenersatz. Den Vorschlägen der EU-Kommission müssen EU-Parlament und die EU-Staaten noch zustimmen. Europas Verbraucherschützerverband Beuc kritisierte die Vorschläge als enttäuschende „Trippelschritte“. „Die Warnung, dass Sammelklagen Europas Wirtschaft in die Pleite treiben, ist Nonsens“, sagte Beuc-Präsidentin Monique Goyens.

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