Selbstanzeigen gestiegen Schweizer bunkern Schwarzgeld in Deutschland

Exklusiv

Schweizer Steuerhinterzieher haben ihr unversteuertes Vermögen auch in Deutschland versteckt – das offenbart jetzt eine Umfrage der WirtschaftsWoche bei zehn Schweizer Kantonen. Eine Exklusivmeldung.

Schweizer nutzen Fahrten nach Deutschland nicht nur zum Einkaufen, in Deutschland sollen sie auch große Schwarzgeldsummen horten. Quelle: dpa

Deutsche haben ihr unversteuertes Vermögen nicht nur wie einst Uli Hoeneß in der Schweiz gebunkert, sondern das Spiel funktioniert auch umgekehrt: Schweizer Steuerhinterzieher haben Schwarzgeld nach Deutschland gebracht. Das offenbart jetzt eine Umfrage der WirtschaftsWoche bei zehn Schweizer Kantonen.

In der Schweiz zeigen sich Steuerflüchtlinge derzeit vermehrt selber an, weil ihnen bald die Offenlegung ihrer unversteuerten Vermögen droht. So wollen die Schweiz und die Länder der Europäischen Union ab dem Jahr 2017 Kontodaten erheben und diese von 2018 an austauschen. Im Nachbarland gibt es deswegen gerade eine Welle von Selbstanzeigen. Das bestätigten der WirtschaftsWoche auch Schweizer Anwälte, die aktuell Mandaten mit Schwarzgeld betreuen.


Schweizer haben Konten, Depots und Immobilien in Deutschland

Das Steueramt im Kanton Aargau schätzt, dass bei 20 Prozent der Selbstanzeigen auch unversteuerte Vermögen im Ausland lagen. Ein Drittel davon betraf Konten und Depots in Deutschland. Vorzugsweise hätten Steuerpflichtige deutsche Banken in der Nähe der Grenze genutzt.

Verbände fordern Kalorienbomben-Steuer
Mit Blick auf die steigende Zahl von Diabetes-Erkrankungen in Deutschland haben Fachgesellschaften erneut höhere Steuern für ungesunde Lebensmittel wie Fast Food, Chips und Süßes gefordert. Ein sinnvoller Weg könnte der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf besonders kalorienreiche und ballaststoffarme Produkte sein, teilte die Deutsche Diabetes Gesellschaft in Berlin mit. Neben dieser Zucker-Fettsteuer sollten gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse dagegen bewusst gering besteuert werden. Für viele Lebensmittel gilt bisher ein Steuersatz von sieben Prozent. Nach Angaben der Gesellschaft ist die Zahl der Diabetes-Erkrankungen in Deutschland von 1998 bis 2011 um 38 Prozent auf über sechs Millionen gestiegen. Zu den Hauptgründen zählen falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Quelle: dpa
Seit Januar 2014 gilt in Berlin eine City-Tax. Pro Übernachtung sollen Besucher eine zusätzliche Steuer von fünf Prozent des Netto-Übernachtungspreises entrichten. Die Berliner Regierung erhofft sich Einnahmen in Höhe von 20 Millionen Euro. Quelle: dpa
Die Sexsteuer ist eine beliebte Einnahmequellen der Kommunen. Köln verlangt diese Vergnügungssteuer bereits seit 2003 von Bordell-Betreibern und Prostituierten. Seit Februar 2009 erhebt auch Oberhausen eine Vergnügungssteuer. Dort müssen Prostituierte pro Arbeitstag sechs Euro zahlen. Quelle: dpa
Eine kuriose Steuer haben sich die Kommunalpolitiker aus Fürth einfallen lassen: In der mittelfränkischen Stadt wird eine Luftsteuer erhoben. Die Politiker verlangen von den Betreibern von Zigaretten-, Kaugummi- oder Handykarten-Automaten Geld, wenn an Hausfassaden angebrachte Automaten mehr als 15 Zentimeter wegragen. Kritiker glauben nicht, dass sich der Aufwand lohnt. Ähnliches droht Bergisch Gladbacher Geschäftsleuten: Für Werbeanlagen und Leuchtreklamen vor Geschäften, die mehr als 30 Zentimeter in öffentlichen Verkehrsraum hineinragen, will die Stadt Sondernutzungsgebühren kassieren. Quelle: dpa
Reichlich umstritten, aber eine einträgliche Abgabe für den Staat: Die Kaffeesteuer spülte in den Jahren 2007 bis 2010 jeweils rund eine Milliarde Euro in die Bundeskasse. Für Röstkaffee beträgt die Steuer 2,19 Euro je Kilogramm für Kaffeepulver 4,78 das Kilogramm. Quelle: dpa
Dir Kuriosität der Mehrwertsteuer lässt sich besonders schön an der Curry-Wurst erläutern: Wer seine Curry-Wurst im Fast-Food-Restaurant ist, der zahlt den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, wer sie einpacken lässt und zu Hause verspeist zahlt nur sieben Prozent, also den ermäßigten Satz. Quelle: dpa
Hamburg hat zum 1. Januar 2013 eine Kulturtaxe eingeführt. Die Einnahmen sollen zu 100 Prozent in touristische, kulturelle und sportliche Projekte investiert werden. Der Steuersatz ist je nach Übernachtungspreis gestaffelt. Bei einem Preis von 46 Euro ergibt sich etwa eine Kulturtaxe von 1 Euro, informiert

Im Kanton Luzern legten Bürger neben Konten in Deutschland auch offen, dass sie hierzulande Immobilien besitzen, die sie bislang nicht deklariert hatten. Der Kanton Schaffhausen meldet Fälle „mit Guthaben bei deutschen Banken“, die Steuerverwaltung im Kanton Thurgau hat im Jahr 2015 „aufgrund der Nähe zu Deutschland und der relativ vielen Steuerpflichtigen mit deutschem Hintergrund“ auch „Vermögenswerte bei deutschen Bankinstituten“ registriert.

Steuerhinterzieher können sich in der Schweiz dank der straflosen Selbstanzeige „einmal in ihrem Leben selbst anzeigen, ohne für die Hinterziehungen bestraft zu werden. Sie werden ausschließlich nachbesteuert“, sagt das Eidgenössische Finanzdepartement. Ihm müssen die Kantone alle Selbstanzeigen melden, damit sich jeder Einwohner wirklich nur einmal im Leben straffrei selber anzeigen kann.

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So hat das Finanzdepartement bislang schon tausende Anzeigen gezählt – seit 2010 haben sich über 19.000 Schweizer selber angezeigt, die Zahlen aus dem Jahr 2015 sind dabei noch kaum verarbeitet. Hinzu kommen für das vergangene Jahr allein im Kanton Zürich 1500 Menschen, die sich den Steuerbehörden offenbart haben , – mehr als im Rekordjahr 2014. Sie mussten 86 Millionen Schweizer Franken nachzahlen.

Deutsche Banken geben Belege nur zögerlich heraus

Und noch etwas hat die Umfrage der WirtschaftsWoche ans Licht gebracht: Deutsche Banken sind offenbar nicht besser als die viel kritisierten Schweizer Geldhäuser, die gegenüber Steuerhinterziehern oft wenig hilfsbereit waren.

Auch deutsche Banken haben gemauert, wenn Schweizer fehlende Belege für ihre Selbstanzeige beschaffen wollten: So berichtet Marcel Gehrig, Chef vom Steueramt des Kantons Solothurn, dass deutsche Banken ihre Kunden „oft nur zögerlich, das heißt nach mehrmaliger Aufforderung durch ihre Kunden, unterstützen, was die Verfahren sowohl für die Steuerpflichtigen als auch für die Steuerämter unnötig verlängert und belastet“.

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