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Sparkasse Wie ein Ex-Unternehmer gegen seine Bank kämpft

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Kein Einzelschicksal

Stratmann ist überzeugt, dass die Bank Schuld trägt am Niedergang seiner Firma. Für Außenstehende ist es unmöglich, das zu beurteilen. Die Insolvenz könnte auch mit den Schicksalsschlägen zu erklären sein, wie sie eigentlich jeden tüchtigen Unternehmer treffen können.

Stratmann hat seinen Kampf gegen die Bank allein geführt. Ganz allein? Nein, seine neue Lebenspartnerin Ursula unterstützt ihn, seit die beiden sich kennengelernt haben – nicht nur emotional, sondern auch ganz handfest mit Geld für die hohen Gerichts- und Anwaltskosten.

Sparkasse in Zeiten von Minizins und Digitalisierung

Selbstlose Aufopferung wie die seiner Lebensgefährtin hat der krisengeprüfte Stratmann selten erfahren. Er ist ein Mensch, dem das Leben nicht auf halbem Weg entgegengekommen ist. Vieles musste er sich erkämpfen: Die Lehre beim mittlerweile untergegangenen Bergbaukonzern in seiner Geburtsstadt Bochum. Den Job als Einkaufschef bei einer Sparte des bekannten Batterieherstellers Varta in Hannover. Den Dienstrang des Reserveleutnants bei der Bundeswehr. Und schließlich die Gründung des eigenen Unternehmens, das lange gut lief, dann aber unter anderem an einer fehlenden Nachfolgelösung scheiterte.

Die Journalistin Erika Fehse erzählt die Geschichte des ehemaligen Unternehmers und seiner Partnerin weniger als Krimi, sondern eher als persönliche Schicksalsgeschichte eines späten Paares. Ihr TV-Beitrag mit dem Titel „Alt, verliebt und immer noch kämpferisch“ ist in der Reihe „Menschen hautnah“ am 4. Mai um 22.55 Uhr im WDR zu sehen. Wiederholungen laufen am 6. und 8. Mai unter anderem auf dem ARD-Digitalsender one. Die emotional packende Erzählung enthält dabei einen recht schnöden finanzwirtschaftlichen Kern.

Ein volkswirtschaftlicher Gesamtüberblick zu dem Phänomen fehlt noch, doch immerhin ergab eine parlamentarische Anfrage der Grünen an die Bundesregierung, dass zwischen 2007 und 2012 mehr als 800 Beschwerden von privaten und geschäftlichen Kreditnehmern über falsch abgerechnete Bankzinsen bei der Finanzaufsichtsbehörde Bafin eingegangen sind. Könnte auch Stratmann zu den Opfern solcher Praktiken gehören?

Mittlerweile hat sich die Finanzaufsicht Bafin des Problems angenommen. Ihr neu formuliertes Mandat für direkteren Verbraucherschutz machte den Weg dafür frei. Die Aufsichtsbehörde hat im vergangenen Jahr Fragebögen an eine ganze Reihe von Banken verschickt, in denen die angesprochenen Geldhäuser Stellung zu ihrer Praxis insbesondere bei variabel verzinsten Darlehen nehmen sollten. Der Verdacht: Die flexiblen Zinsen werden in vielen Fällen anders als vereinbart nicht korrekt den sinkenden Kapitalmarktzinsen angepasst.

Nach Auswertung des Rücklaufs ihrer Aktion geht die Bafin nun bei einigen Banken weiter in die Tiefe und prüft seit Anfang diesen Jahres, ob in Einzelfällen Vertragsklauseln gegen geltende Rechtsprechung verstoßen oder rechtliche Anforderungen nicht in vollem Umfang erfüllen.

Zwar handelte es sich in Stratmanns Fall um kein variables Darlehen, sondern um eine unternehmerische Kreditlinie mit fester Verzinsung. Doch auch hier wurden wohl höhere Zinsen abgerechnet als zwischen Bank und Kunde auf dem Papier vereinbart.

Dafür spricht auch ein Vergleich, den die Sparkasse mit Stratmann zumindest für einen zeitlich begrenzten Abschnitt der gesamten Kundenbeziehung schloss. Der Vergleich bezog sich noch auf die Zeit vor der Euroeinführung und führte dazu, dass die Bank Stratmann 232.000 DM Zinsen zurückzahlte.

Angesichts zahlreicher Fälle wie dem von Stratmann wird wohl etwas dran sein an dem Problem, das allerdings oft Bankkunden mit hohem Finanzbedarf betrifft, die ihre Konten zuweilen überziehen und in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Das macht es den Banken mitunter leicht, die Betroffenen als säumige Schuldner oder Querulanten darzustellen.

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