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Steuererklärung 2016 So holen Sie die maximale Steuerrückzahlung raus

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Gesundheitskosten – vorsorglich angeben und Einspruch einlegen

Wollen Steuerzahler Ausgaben für ihre Gesundheit, wie privat zu tragende Behandlungskosten oder Medikamente, steuermindernd einsetzen, können diese als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden. Dafür müssen die Ausgaben notwendig, angemessen und zwangsläufig zu tragen sein. Allerdings bleiben Ausgaben bis zu einer individuellen Grenze, der zumutbaren Belastung, unberücksichtigt.

Einige Steuerzahler wehren sich gegen diese Einschränkung. Sie fordern, dass die Ausgaben komplett angesetzt werden müssen. Der Bundesfinanzhof hat das abgelehnt. Nun ist eine Verfassungsbeschwerde anhängig (2 BvR 180/16). Werden Ausgaben nicht komplett berücksichtigt, können Steuerzahler daher Einspruch einlegen und mit Verweis auf das Aktenzeichen das Ruhen des Verfahrens beantragen. Bislang war dies nicht nötig, da das Finanzamt seit 2013 von sich aus den Steuerbescheid in diesem Punkt nur vorläufig ergehen ließ. Voraussichtlich wird dies bis zur endgültigen Entscheidung des Verfassungsgerichtes auch so bleiben - vorsichtshalber sollten Steuerzahler darauf achten, wenn sie ihren Steuerbescheid bekommen.

Das sind die wichtigsten Formulare

Als Nachweis, dass die Gesundheitsausgaben den steuerrechtlichen Anforderungen genügen, hilft in unstrittigen Fällen ein vorab ausgestelltes ärztliches Attest. Für Streit sorgen aber häufig Ausgaben für wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden. Um auch solche Kosten durchzubekommen, müssen Steuerzahler ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse einreichen. Dass eine Verordnung des Arztes nicht reicht, hat der Bundesfinanzhof bestätigt. Bei einem Kind, das schulpsychologisch betreut wurde, reichte auch ein Nachweis vom Arzt der öffentlichen Jugendhilfe nicht.

Was sich 2016 für Sie ändert
Grundfreibetrag: Der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer steigt um 180 Euro auf 8652 Euro. Das heißt, es werden bei einem Ledigen erst ab einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 8652 Euro im Jahr Steuern fällig. Bei Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnern verdoppelt sich der Betrag auf 17.304 Euro. Steuererklärung: Nichtarbeitnehmer – etwa Rentner oder Vermieter – müssen erst beim Gesamtbetrag der Einkünfte von mehr als 8652 Euro eine Steuererklärung abgeben, 2015 waren es 180 Euro weniger. Freibeträge: Freibeträge bei der Lohnsteuer-Ermäßigung sind zwei Jahre gültig. Erwarten Arbeitnehmer hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen, können sie beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen. Damit wird bereits bei der monatlichen Lohnsteuer ein zu hoher Steuerabzug vermieden. Ab 2016 sind diese Freibeträge zwei Jahre gültig. Bisher mussten sie jährlich neu beantragt werden.  Quelle: dpa
Kalte Progression: Um Mehrbelastungen der Steuerzahler durch das Zusammenspiel von Lohnsteigerungen, höheren Steuersätzen und Preiserhöhungen einzudämmen, werden die Eckwerte des Einkommensteuertarifs leicht verschoben. Das heißt, der sogenannte Grenzsteuersatz gilt jeweils erst bei einem etwas höheren Einkommen. Das dämpft den Effekt der „kalten Progression“, die Steuerzahler haben unterm Strich etwas mehr Geld in der Tasche. Quelle: Imago
Kinderfreibetrag: Der Freibetrag wird 2016 auf 4608 Euro im Jahr angehoben. Der Kinderfreibetrag steigt um 96 Euro pro Kind, 48 Euro für jeden Elternteil. Er wirkt sich laut Neuem Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) vor allem bei höherem Einkommen steuermindernd aus. Der Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung bleibt unverändert. Die Summe der Freibeträge beträgt damit 2016 pro Kind und Jahr 7248 Euro. Kindergeld: Das Kindergeld wird ab 2016 um weitere zwei Euro je Kind und Monat angehoben. Das Kindergeld für das erste und das zweite Kind beträgt damit monatlich jeweils 190 Euro, für das dritte Kind 196 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 221 Euro. Vom kommenden Jahr an muss die Steuer-ID des Kindes sowie des Elternteils, das Kindergeld erhält, angegeben werden. Kinderzugschlag: Der Kinderzuschlag für Geringverdiener steigt um 20 Euro auf 160 Euro. Quelle: Imago
Unterhalt: Mit Anhebung des Existenzminimums sind auch 180 Euro höherer Unterhalt als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Unterhaltszahlungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehepartner können laut Steuerzahlerbund bis zu einem Betrag von 13.805 Euro im Jahr als Sonderausgaben abgesetzt werden.
Sparer: Freistellungsaufträge sind nach Angaben des Steuerzahlerbundes nur noch mit Steuer-ID gültig: Ab dem 1. Januar 2016 seien Freistellungsaufträge nur noch wirksam, wenn die Steuer-Identifikationsnummer des Sparers vorliege. Laut Verband der Lohnsteuerhilfevereine läuft die Übergangszeit, für die bei Banken vor 2011 erteilte Freistellungsaufträge ohne Steuer-ID noch weiter gelten, Ende 2015 aus. Quelle: Imago
Altersvorsorge: Vorsorgeaufwendungen für das Alter können nach Darstellung des Steuerzahlerbundes steuerlich besser abgesetzt werden. Für die Berücksichtigung der Sonderausgaben gelte ein Höchstbetrag von 22.767 Euro (2015: 22.172 Euro). 2016 könnten maximal 82 Prozent (2015: 80 Prozent) abgesetzt werden. Das bedeute, Alleinstehende könnten 18.669 Euro, Ehepaare und eingetragene Lebenspartner 37.338 Euro geltend machen. Bei Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, werde allerdings der steuerfreie Arbeitgeberanteil von den Vorsorgeaufwendungen abgezogen. Quelle: gms
Gesetzliche Rente: Der Rentenbeitrag bleibt bei 18,7 Prozent. Die Renten dürften zum 1. Juli 2016 um knapp 4,4 Prozent im Westen und um rund fünf Prozent im Osten steigen. Genau entscheidet sich das im Frühjahr. Rentenbesteuerung: Der steuerpflichtige Rentenanteil steigt 2016 von 70 auf 72 Prozent. Somit bleiben nur noch 28 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Dieser Anteil gilt für im Jahr 2016 neu hinzukommende Rentnerjahrgänge. Bei Bestandsrenten bleibt der festgesetzte steuerfreie Rentenanteil bestehen. Quelle: dpa

Steuervorteil für Kinderwunsch-Behandlung

In Fällen von künstlicher Befruchtung sind die Chancen im vergangenen Jahr besser geworden, privat zu tragende Kosten steuerlich abzuziehen. So beteiligen sich gesetzliche Kassen bislang bei unverheirateten Paaren nicht an den Ausgaben. Bei der Steuer können die Ausgaben dann aber berücksichtigt werden. Auch eine Befruchtung mit fremden Samen ist unter Umständen absetzbar. Wird hingegen eine - in Deutschland verbotene - Befruchtung mit Eizellspende durchgeführt, bleiben diese Kosten unberücksichtigt, Revision beim Bundesfinanzhof läuft (VI R 20/15).

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    Vermieter – Leerstandskosten nur bei klarer Vermietungsabsicht

    Bei leerstehenden Immobilien gibt es schnell Streit darum, ob Vermieter ihre Ausgaben noch als Werbungskosten der Vermietung in der Steuererklärung eintragen dürfen. Haben Vermieter fest geplant, die Immobilie zu vermieten, ist das kein Problem. Berücksichtigt werden Abschreibungen, Kreditzinsen und laufende Kosten. Ein Steuerzahler hatte eine marodes Haus gekauft, die Mietverträge beendet und die Immobilie entkernt. Dann ließ er die Immobilie neun Jahre lang stehen, bevor er sanierte, neue Wohnungen vermietete. Für die neunjährige Stillstands-Phase sprach ihm der Bundesfinanzhof keinerlei Steuervorteile zu . Erst als der Eigentümer die Vermietung wieder gezielt vorangetrieben habe, sei von einer Vermietungsabsicht auszugehen.

    Eltern – Kinderbetreuung besser absetzbar

    Eltern können Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben absetzen. Diese werden zu zwei Dritteln berücksichtigt, maximal 4000 Euro pro Kind (bei Ausgaben von 6000 Euro).

    2015 haben Arbeitgeber mehr Spielraum bekommen, Angestellte steuerfrei bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Weiterhin bleiben Zuschüsse zur Unterbringung und Betreuung der Kinder generell steuer- und sozialabgabenfrei, wenn diese Kinder nicht schulpflichtig sind und zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn gezahlt wird.

    Seit 2015 darf nun aber auch die kurzfristige, beruflich veranlasste Betreuung von Kindern bis zum 14. Geburtstag mit bis zu 600 Euro pro Jahr steuerfrei unterstützt werden. Zahlungen für die Beratung zur Kinderbetreuung oder Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger und die Vermittlung von Betreuungspersonen bleibt generell steuerfrei.

    In beiden Fällen gilt die oben genannte Einschränkung: Der Arbeitgeberzuschuss muss zusätzlich zum normalen Arbeitslohn gezahlt werden.

    Steuern & Recht



    Handwerkerlohn und Haushaltsnahe Dienstleistungen

    Beliebt und besonders effektiv beim Steuernsparen sind Aufwendungen für Handwerker, die am oder im Haus tätig waren. Seit 2015 kann nicht mehr nur der Arbeitslohn von Fliesenleger, Klempner und Co. zu einem Fünftel direkt von der Steuer abgezogen werden, sondern auch der Schornsteinfeger. Dazu gehören auch die Kosten für die Feuerstättenschau. Auch wer seinen Blitzableiter kontrollieren, den Schnee auf dem Gehweg wegräumen oder eine Energieberatung vor Ort durchführen lässt, kann die Rechnung dafür angeben. Grundsätzlich beteiligt sich der Fiskus nur am Arbeitslohn, nicht an den Materialkosten. Die Rechnung muss per Überweisung beglichen worden sein, dann werden maximal 6000 Euro anerkannt - und damit 1200 Euro Steuerersparnis. Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen - etwa einer Pflegekraft oder einer Putzhilfe - können sogar 20.000 Euro geltend gemacht und so 4000 Euro Steuern gespart werden.

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