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Steuererklärung Endspurt für Steuerzahler

Die allermeisten Lohn- und Gehaltsempfänger müssen bis 31. Mai ihre Steuererklärung abgeben. Das geht elektronisch besonders schnell – und hat für Steuerzahler handfeste Vorteile.

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Steuererklärung am Computer Quelle: Marcel Stahn

Jahr für Jahr der gleiche verhasste Papierkram. Bei den meisten löst schon der Anblick des Formularstapels Unwillen aus, spätestens wenn Belege zusammengesucht, sortiert, kopiert und manchmal sogar kommentiert werden müssen, hört der Spaß auf. Nein, die Einkommensteuererklärung macht keinen Spaß, Vergnügen sieht anders aus. Selbst, wenn sich die Steuererklärung finanziell lohnt. Laut Statistik erhalten 90 Prozent derjenigen, die eine Steuererklärung abgeben, eine Rückerstattung vom Finanzamt – im Durchschnitt 800 Euro.

Wer mehr als 8004 Euro im Jahr verdient (Paare: 16008 Euro) oder staatliche Zahlungen wie Kurzarbeitergeld oder Elterngeld im abgelaufenen Jahr bezogen hat, kann es sich ohnehin nicht aussuchen: Bis zum 31. Mai muss die Steuererklärung im Finanzamt sein. Nur wer professionelle Hilfe vom Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein beansprucht, erhält Fristverlängerung - in der Regel bis 31. Dezember.

Typische Irrtümer und häufige Fragen zur Steuererklärung
Wenn die Steuererklärung einmal abgegeben ist, kann ich nichts mehr ändern.Das stimmt nicht. Solange noch kein Steuerbescheid ergangen ist, können alle Unterlagen und Belege beim Finanzamt nachgereicht werden. Auch, wer den Steuerbescheid bereits erhalten hat, kann grundsätzlich innerhalb eines Monats noch etwas nachreichen, erst nach dieser Frist wird der Bescheid bestandskräftig. „Danach wird es sehr kompliziert“, sagt Anita Käding, Steuerexpertin beim Bund der Steuerzahler. „Es gibt aber Fälle, in denen auch später noch etwas an der Steuererklärung geändert werden kann.“ Quelle: dpa
Wenn ich die Steuererklärung freiwillig abgegeben habe, kann ich mich vor einer Nachzahlung drücken.Das stimmt. „Steuerzahler können durch die freiwillige Abgabe einer Einkommensteuererklärung nur gewinnen“, sagt Anita Käding. Denn wer wider Erwarten keine Steuern zurückbekommt, sondern um Nachzahlung gebeten wird, kann den Antrag auf Einkommensteuerveranlagung wieder zurücknehmen. „Das funktioniert solange der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist, also innerhalb eines Monats, nachdem der Bescheid zugegangen ist“, so die Steuerexpertin. Einen Zwang zur Nachzahlung gebe es in der Regel nur dann, wenn der Arbeitgeber vorschriftswidrig zu wenig Lohnsteuer abgeführt hat. Wenn der Steuerzahler jedoch zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet ist, kann er einer etwaigen Nachzahlung nicht entkommen. Quelle: dpa
Wenn ich morgens zehn Kilometer ins Büro fahre und abends zehn Kilometer nach Hause, bekomme ich eine Entfernungspauschale für 20 Kilometer.Das stimmt nicht. Im Rahmen der Entfernungspauschale kann für den Arbeitsweg nur die einfache Entfernung berücksichtigt werden. Ein Entfernungskilometer entspricht also zwei Fahrtkilometern. Wenn die Arbeitsstelle zehn Kilometer von der Wohnung entfernt liegt, kann der Steuerzahler also pro Arbeitstag 10 x 0,30 Euro = 3 Euro als Werbungskosten bei der Einkommensteuererklärung geltend machen. Quelle: dpa
Wenn meine studierende Tochter Kosten für Fachbücher selbst nicht bei der Steuererklärung geltend machen kann, kann ich das tun.Das stimmt nicht. Grundsätzlich gilt: Das Finanzamt kann höchstens so viele Steuern erstatten, wie vorher gezahlt wurden. Wer also nur ein geringes Einkommen mit entsprechend niedrigen Abgaben hat, dem nutzen auch die höchsten Werbungskosten nichts. Eltern, deren Kinder hohe Ausgaben für das Studium haben, glauben deshalb häufig, sie könnten diese Ausgaben selbst geltend machen. Das funktioniert jedoch nicht. Quelle: dpa
Solange mein Kind noch nicht arbeitet, bekomme ich Kindergeld. Das stimmt nicht. Kindergeld wird maximal bis zum 25. Lebensjahr gezahlt. Bedingung dafür ist, dass sich das erwachsene Kind noch in der Ausbildung befindet. Anders herum gilt dies aber nicht. Besonderheiten gelten für erwachsene behinderte Kinder. Bei Kindern, die schon 25 Jahre alt sind, sich aber noch in der Ausbildung befinden, können gegebenenfalls Unterhaltszahlungen geltend gemacht werden. Quelle: dpa
Wenn Handwerker in meinem Haus Arbeiten verrichtet haben, kann ich das immer als Handwerkerleistung geltend machen.Das stimmt nur bedingt. Denn die erste Voraussetzung ist, dass die Arbeit wirklich vor Ort verrichtet wird. Nimmt ein Techniker die Waschmaschine zur Reparatur mit in seine Werkstatt, ist das keine typische Handwerkerleistung mehr. Außerdem darf die Rechnung nicht bar bezahlt werden, ansonsten erkennt das Finanzamt sie nicht an. Pro Jahr können 20 Prozent solcher Kosten, höchstens jedoch 1.200 Euro im Jahr als Steuerbonus anerkannt werden. Quelle: dpa
Wenn ich Studiengebühren bereits vergeblich in einer freiwilligen Steuererklärung geltend gemacht habe, kann ich das bei der nächsten Steuererklärung nicht noch einmal probieren.Das stimmt. Kosten, die beispielsweise im Jahr 2011 entstanden sind, können auch nur in der Steuererklärung für dieses Jahr geltend gemacht werden. „Die Annahme, Studienkosten könnten am Ende des Studiums gebündelt abgesetzt werden, ist ein Irrtum“, sagt Steuerexpertin Anita Käding. Da zu diesem Thema noch Gerichtsverfahren laufen, empfiehlt es sich, abzuwarten und die Steuererklärung – sofern man sie freiwillig macht – erst später abzugeben. „Ausfüllen sollte man die Formulare aber schon jetzt, denn im nächsten Jahr weiß man vielleicht nicht mehr so genau, welche Ausgaben man hatte“, empfiehlt Käding. Quelle: dpa

Wer die Steuererklärung bis jetzt vor sich hergeschoben hat, sollte sie nun schnell hinter sich bringen. Am schnellsten geht das mit einer Steuersoftware und der elektronischen Abgabe der Erklärung mittels „Elster“, der elektronischen Steuererklärung des Bundes. Wer sich unter www.elster.de registriert und Zugangsdaten angefordert hat, kann seine Steuerdaten rund um die Uhr von zuhause aus an das zuständige Finanzamt senden. Im vergangenen Jahr wurden bereits 9,5 Millionen Steuererklärungen mit Elster elektronisch an die Finanzämter übermittelt. Setzt sich der Trend der vergangenen zehn Jahre fort, dürften es in diesem Jahr mehr als zehn Millionen werden.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Nach einem etwas zähen Start bei der Einführung hat das Elster-Verfahren inzwischen viele treue Nutzer gewonnen. Hinzu kommt, dass Selbstständige und Gewerbetreibende – die im finanzdeutsch auch Bezieher von Gewinneinkünften genannt werden – zum elektronischen Verfahren verpflichtet sind. Gleiches gilt für Land- und Forstwirte sowie Arbeitnehmer mit Nebeneinkünften oberhalb von 410 Euro. Sie alle müssen ihre Steuererklärung laut Gesetz elektronisch übermitteln.

Aber die elektronische Steuererklärung ist nicht nur politisch gewollt, sondern hat auch handfeste Vorteile – allerdings auch ein paar Besonderheiten und Tücken.

Vor- und Nachteile der elektronischen Steuererklärung

Elster-Screenshot Quelle: AP

Vorteile

Zunächst einmal ist die Erstellung der Steuererklärung mittels einer Software grundsätzlich praktisch. Eine gute Steuersoftware weist einem den Weg durch den Formulardschungel, gibt Tipps zum Ausfüllen und erklärt, was sich hinter Begriffen wie Werbungskosten, Sonderausgaben und Vorsorgeleistung verbirgt. Zudem erhält der Steuerpflichtige eine Schätzung der Steuernach- oder -rückzahlung anhand der gemachten Eingaben, so manche Software gibt zusätzliche Tipps zum Optimierungspotenzial. Am Ende erhält der Steuerpflichtige einen vorausberechneten Muster-Steuerbescheid, den er mit dem Bescheid des Finanzamtes später abgleichen kann.

Ein weiteres Plus der elektronischen Steuererklärung: Steuerzahler kommen so deutlich schneller zu ihrem Steuerbescheid. Denn die Behörden können die Daten der Steuerzahler direkt weiter verarbeiten, ohne diese erst in die Systeme der Finanzbehörden zu übertragen. Zudem gibt es dabei nur noch stichprobenartige Kontrollen – etwa, wenn den Computern der Finanzbehörde allzu ungewöhnliche Zahlen auffallen. So kann es passieren, dass der Steuerbescheid schon nach zwei Wochen zugestellt wird - wahlweise wieder elektronisch per Elster, oder klassisch per Post.

Noch ein Vorteil: Das Einreichen von Belegen wird auf ein Minimum reduziert. Im Grunde muss der Steuerpflichtige nur Spenden, Mitgliedsbeiträge zu Parteien und Bescheinigungen von Banken dem Finanzamt schicken. Was das Amt sonst noch sehen will, fordert es gesondert an.

Das sind die wichtigsten Formulare

Nachteile

Durch die elektronische Steuererklärung ist es für Behörden einfacher, Daten zu verarbeiten und miteinander zu vergleichen. Das ist praktisch, Übertragungsfehler sind weitgehend ausgeschlossen. Aber andererseits setzen sich so einmal falsch gemachte Angaben leichter fest: Wer etwa absetzungsfähige Ausgaben fälschlicherweise unter dem Posten Sonderausgaben statt unter Werbungskosten macht, riskiert, dass sie unberücksichtigt bleiben, weil der Finanzbeamte solche Fehler nicht mehr unbedingt korrigiert. Eingabefehler sind nach Auffassung der Gerichte dem Steuerzahler anzulasten.

Tipps zur Steuererklärung

Umgekehrt kann es dennoch zur Übertragung unvollständiger Daten durch andere Stellen kommen. Daher sollten zum Beispiel die Daten über Arbeitslöhne, Rentenzahlungen oder Krankenversicherungsbeiträge kontrolliert werden, wenn der Steuerbescheid vorliegt. Der Bundesrechnungshof schätzte im Januar 2012, dass zwischen einem und zwei Drittel der Bescheide Fehler aufweisen.

Daher müssen Nutzer der elektronischen Steuererklärung besonders gewissenhaft vorgehen. Und je genauer die Angaben, desto weniger verzögern Rückfragen des Finanzamts die erhoffte Steuerrückzahlung.

Besonderheiten von Elster

Steuerhelfer im Vergleich
Screenshot Bild Steuer Quelle: Screenshot
Steuer easy Quelle: Pressebild
Screenshot von Tax Quelle: Screenshot
Screesnhot von Steuersparerklärung Quelle: Screenshot
Screenshot von QuickSteuer Quelle: Screenshot
Screenshot von Taxman Quelle: Screenshot
Screenshot vom WISO Steuer-Sparbuch Quelle: Screenshot

Neu ist übrigens auch, das den Finanzbehörden alle Lohnersatzleistungen direkt gemeldet werden. Wer also Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld oder ähnliches in 2011 bezogen hat, darf dieses in seiner Steuererklärung nicht verheimlichen. Denn fördert ein Datenabgleich die Aussparung dieser Angaben zutage, macht sich der Steuerzahler der Steuerhinterziehung schuldig – auch wenn die Lohnersatzleistungen grundsätzlich steuerfrei sind. Weil sie dem sogenannten Progressionsvorbehalt unterliegen, erhöht sich nämlich durch Lohnersatzleistungen der Steuersatz für das übrige zu versteuernde Einkommen.

Wer die Schwachstellen des elektronischen Verfahrens im Blick behält, sollte schnell und vergleichsweise bequem zu einer fristgerechten Steuererklärung gelangen. Bleibt die Frage nach der richtigen Software.

Diese Begriffe sollten Sie kennen

Am günstigsten ist die Elster-Software, die der Bund kostenlos zum Download anbietet. Dort gibt es nicht nur die Software für die Einkommensteuererklärung von Privatpersonen, sondern auch Tools für Arbeitgeber und Unternehmer, etwa für eine Einnahme-Überschuss-Rechnung oder die Umsatzsteuervoranmeldung. Wahlweise kann die gesamte Software auch im Paket heruntergeladen werden. Hier gibt es auch wichtige Versionshinweise und notwendige Updates zur Software.

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Alternativ bieten sich die populären Steuerprogramme an, die es in jeder Buchhandlung zu kaufen gibt. Die Preise liegen je nach Ausstattung der Programme zwischen 12 und 80 Euro. Zwar gibt es recht große Qualitäts- und Leistungsunterschiede, für einen Arbeitnehmer jedoch sind die Unterschiede nicht so gravierend. Wichtig ist vor allem eine integrierte Elsterschnittstelle für den direkten Versand der Erklärung aus dem Programm heraus sowie der Zugang zu regelmäßigen Aktualisierungen. Eine Plausibilitätsprüfung vor dem Verschicken und eine Vorausberechnung der zu erwartenden Nach- oder Rückzahlung erleichtern die Optimierung der Steuererklärung ungemein.

Und das beste an einer gekauften Software: Die Kosten dafür lassen sich von der Steuer absetzen.

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