WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Steuererklärung So retten sich Steuerzahler vor der Abgabefrist

Muss ich überhaupt? Und wenn ja: Wie schaffe ich die Steuererklärung in nur wenigen Tagen? Antworten auf die drängendsten Fragen rund um die Steuererklärung vor der Abgabefrist Ende Mai.

Teure Fehler bei der Steuererklärung
Steuerfehler Nummer 1: Ausgaben vergessenBeiträge zum Beispiel für die Riester- oder Rürup-Rente können Arbeitnehmer von der Steuer absetzen. Weil genau das beim Abschluss dieser Verträge meist als Verkaufsargument genannt wird, ist es vielen Bürgern bekannt – aber nicht unbedingt bewusst. „Aus der Praxis wissen wir, dass Steuerzahler oft vergessen, ihre Riester- und Rürup-Kosten in der Steuererklärung anzugeben“, so die Experten des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Sie haben sieben Fehler zusammengestellt, durch die sich Steuerpflichtige Rückzahlungen häufig entgehen lassen. Quelle: IMAGO
Steuerfehler Nummer 2: Rechnungen bar zahlenHandwerker, Putzfrauen oder auch Au-pairs haben gemeinsam, dass man die Kosten in vielen Fällen von der Steuer absetzen kann - entweder als sogenannte Handwerkerleistung oder als haushaltsnahe Dienstleistung. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass Steuerzahler voll auf den Kosten sitzen bleiben, wenn sie das Geld bar bezahlen. Da hilft es auch nichts, die Rechnungen aufzuheben. Ohne Kontonachweis keine Steuervorteile. Quelle: IMAGO
Steuerfehler Nummer 3: Hintertür zuschlagen und außergewöhnliche Belastungen nicht angebenDer Bundesfinanzhof (BFH) hat Ende 2015 in Bezug auf außergewöhnliche Belastungen entschieden, dass die Regel zur zumutbaren Eigenbelastung nicht zu beanstanden ist. Deshalb gilt weiterhin: Nur die Krankheits-, Pflegeheim- oder Scheidungskosten, die über der eigenen zumutbaren Belastungsgrenze liegen, kann man absetzen. Für diesen zumutbaren Eigenanteil hat der BFH aber im Januar 2017 eine neue Berechnungsregelung festgelegt. Die Richter gaben den Finanzämtern vor, dass künftig schrittweise die Prozentwerte je nach Einkommenshöhe angesetzt werden müssten (VI R 75/14). So seien von den ersten 15.340 Euro nur zwei Prozent aufzubringen (306,80 Euro), von den nächsten 35.790 Euro drei Prozent (1073,70 Euro) und erst darüber vier Prozent. Im Ergebnis sinkt die zumutbare Eigenbelastung gegenüber der alten Regelung. Viele Bürger sammeln gar nicht erst die Belege für das Zahnimplantat oder die Brille, weil sie denken, dass sie mit den Kosten sowieso nicht über die Zumutbarkeitsgrenze kommen. Aber es gibt noch eine Hintertür: Stehen außergewöhnliche Belastungen an, sollten Steuerzahler versuchen, sie in einem Kalenderjahr zu bündeln, um die Zumutbarkeitsgrenze sicher zu überschreiten. Quelle: IMAGO
Steuerfehler Nummer 4: Mietvertrag mit Angehörigen nicht wasserdicht gestaltenVermietungen unter Verwandten sind nicht ungewöhnlich. Der Mieter bekommt eine Immobilie zum günstigen Preis, der Vermieter kann – trotz geringerer Miete – seine Kosten für das Objekt voll absetzen. Das geht aber nur, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens, die monatliche Miete beträgt mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete. Das heißt so viel wie: Zu günstig geht nicht. Zweitens … Quelle: IMAGO
… muss die Durchführung des Mietvertrags einem Fremdvergleich standhalten. Das bedeutet: Die Miete wird überwiesen und nicht bar ausgezahlt, sie wird außerdem pünktlich überwiesen, es gibt eine jährliche Nebenkostenabrechnung und ähnliches mehr. Quelle: dpa
Steuerfehler Nummer 5: Einträge vertauschenSie haben eine Fortbildung selbst bezahlt, die Kosten dafür aber nicht bei Weiterbildung sondern bei allgemeinen Werbungskosten in der Steuererklärung angegeben? Oder Sie haben Handwerke rleistungen bei den außergewöhnlichen Belastungen eingetragen? So etwas passiert Laien immer wieder. Das Finanzamt streicht dann zwar die geltend gemachten Kosten aus den falschen Zeilen raus, trägt sie aber nicht in die richtigen ein. Die Rückzahlung, die Ihnen zustehen würde, bleibt einfach aus. Quelle: dpa
Steuerfehler Nummer 6: Fristen verstreichen lassenDas Finanzamt schickt Ihnen den Steuerbescheid und Sie sind froh, dass Sie keine Steuern nachzahlen müssen? Oder Sie bekommen eine Rückzahlung, die aber geringer ausfällt als von Ihnen erwartet? Die meisten unternehmen in solchen Fällen nichts. Das könnte allerdings ein teurer Fehler sein. Denn vier Wochen nach dem Bescheid verstreicht die Einspruchsfrist. So lange können Sie den Bescheid genauer unter die Lupe nehmen oder einen Profi engagieren, der nachträglich für Sie gegenüber dem Finanzamt eintritt und etwaige Fehler behebt. Quelle: Handelsblatt Online

Der 31. Mai naht - und damit die Abgabefrist für die Steuererklärung. Eigentlich ist es jährliche Routine und doch kommen jedes Jahr wieder viele Fragen auf: Kann ich mir die lästige Pflicht nicht schenken? Wie bekomme ich mehr Zeit? Wir liefern die wichtigsten Antworten und geben Ihnen mit unserem "Notausgang" für die Last-Minute-Steuererklärung das nötige Wissen und Handwerkszeug.

Gilt die Ende-Mai-Frist für mich?

Wie so oft im Steuerrecht lautet die Antwort: Es kommt drauf an. Die Frist 31. Mai greift nur, wenn Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind. Diese Pflicht besteht etwa dann, wenn jemand bei mehreren Arbeitgebern tätig war, einen Verlustvortrag aus den Vorjahren hat oder über 410 Euro steuerpflichtige Nebeneinkünfte beziehungsweise Arbeitslosen-, Kranken-, Kurzarbeiter- oder Elterngeld bezogen hat. Auch Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner, die die Steuerklassen III und V oder IV mit Faktor gewählt haben, müssen eine Steuererklärung abgeben.

Die Pflicht besteht auch bei Steuerzahlern, die bei Einkünften über 11.000 Euro (bei Ehepaaren 20.900 Euro) Freibeträge auf ihrer Lohnsteuerkarte eingetragen haben. Gleiches gilt, wenn Sie eigentlich abgeltungsteuerpflichtige Kapitalerträge erzielt haben, auf die bislang aber noch keine Abgeltungsteuer abgeführt worden ist.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Was passiert, wenn ich die Frist nicht einhalte?

Landet die Steuererklärung unentschuldigt zu spät beim Finanzamt, kann es teuer werden. Zwar greift bislang kein automatischer Verspätungszuschlag. Dieser ist zwar gesetzlich beschlossen (25 Euro pro angefangenem Monat Verspätung), aber er gilt erst für die Steuererklärung für das Jahr 2018. Im Gegenzug haben Steuerzahler in Zukunft dann generell auch zwei Monate mehr Zeit für die Steuererklärung.

Aber, wie gesagt, das gilt erst, wenn 2019 die Steuererklärung für 2018 abgegeben werden muss. Noch gelten folgende Regeln: Zunächst schickt das Finanzamt eine Mahnung und setzt eine neue Frist. Liegt die Steuererklärung auch dann noch nicht vor, schätzt der Bearbeiter das Einkommen und verschickt einen Steuerbescheid. Darüber hinaus drohen bis zu zehn Prozent Verspätungszuschlag auf die Steuer - maximal 25.000 Euro. Bei besonders langem Verzug können Zinsen anfallen.

Wie bekomme ich mehr Zeit?

Grundsätzlich mehr Zeit bekommen alle, die zwar eine Steuererklärung abgeben müssen, dabei aber auf die Unterstützung von Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein setzen: In diesem Fall muss die Steuererklärung für 2016 dem Finanzamt erst Ende 2017 vorliegen.

Als Abgabezeitpunkt gilt generell nicht der Poststempel, sondern die Abgabe beim Finanzamt. Wer spät dran ist, kann die Unterlagen also noch unmittelbar vor Fristablauf direkt abgeben oder die Steuererklärung elektronisch mit digitaler Unterschrift einreichen. Die zugehörigen Belege dürfen dann auch noch nach Fristablauf eingereicht werden.

Alle Steuerzahler, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, etwa weil sie als Alleinstehende nur Einkommen in Steuerklasse I von einem Arbeitgeber erhalten haben, können ihre Steuererklärung freiwillig abgeben. Dafür haben sie vier Jahre lang Zeit. Die Steuererklärung für 2016 darf in diesem Fall also noch bis Jahresende 2020 eingereicht werden.

Wenn Sie hingegen eine Steuererklärung abgeben müssen und dabei nicht von Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein unterstützt werden, gilt in der Regel die Frist Ende Mai (siehe erste Frage). Eine Ausnahme können Steuerpflichtige in Nordrhein-Westfalen und in Bayern nutzen: Registrieren sie sich auf www.elster.de und geben ihre Steuererklärung dann elektronisch und authentifiziert ab, bekommen sie zwei Monate mehr Zeit. Statt Ende Mai muss die Steuererklärung dann erst Ende Juli vorliegen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%