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Steuerfahndung Hoeneß hat offenbar mehr als 27,2 Millionen Euro Steuern hinterzogen

Die Summe, die Uli Hoeneß an Steuern hinterzogen haben soll, steigt immer weiter. Nicht 18,5 Millionen Euro, sondern mehr als 27,2 Millionen Euro sollen es sein. Das berichtet die Steuerfahnderin vor dem Münchner Landgericht.

Steuerhinterzieher im Ausland
Noch ist nicht sicher, ob und wie sich die Bedingungen für eine strafbefreiende Selbstanzeige in Deutschland in den nächsten Monaten verändern werden. Doch in manchen Fällen muss ein Steuersünder nicht nur dem deutschen Fiskus, sondern auch Finanzbehörden im Ausland Rechenschaft ablegen. Welche Regeln dabei zu beachten sind, hat Rechtsanwalt Tom Offerhaus, Partner der Steuerberatungsgesellschaft WTS Group, in einer Studie zusammengefasst. Diese ist im Elitebrief erschienen. Quelle: Elitebrief Quelle: dpa
BelgienSteuerliche und strafrechtliche KonsequenzenDie Verjährungsfrist bei Steuerhinterziehung beträgt sieben Jahre, Steuererhöhungen liegen zwischen 10 und 200 Prozent. Es drohen Geld- und Haftstrafen bis zu fünf Jahren und eine Anklage wegen Geldwäsche unabhängig von der Verjährungsfrist. Banken haben Anzeigepflichten gemäß der 3. EU-Geldwäsche-Richtlinie. Regelungen zur SelbstanzeigeBis zum 31.12.2013 gab es die Möglichkeit zur Selbstanzeige. Es wurden Geldstrafen in Höhe einer zusätzlichen Steuer von 15 Prozent für einen 7-Jahreszeitraum fällig sowie ein pauschaler Steuersatz in Höhe von 35 Prozent auf das steuerlich noch nicht verjährte Vermögen. Seit dem 1. Januar 2014 sind keine Selbstanzeigen mehr möglich. Ab 2014 wird eine vollständige steuer- und strafrechtliche Verfolgung erwartet. Quelle: dpa
ChinaSteuerliche und strafrechtliche KonsequenzenDie Besteuerung wird neu festgesetzt. Es droht eine Geldstrafe – nicht unter 50 Prozent und nicht mehr als der fünffache Betrag der nicht oder zu wenig entrichteten Steuer. Zudem kann es zu einer Haftstrafe kommen, wenn der Steuerzahler aktiv und vorsätzlich mittels bestimmter Maßnahmen Steuern hinterzieht. Regelungen zur SelbstanzeigeBei freiwilliger Nacherklärung ist eine Reduzierung der Strafe möglich, bei geringeren Vergehen auch eine Straffreiheit. Quelle: rtr
DänemarkSteuerliche und strafrechtliche KonsequenzenDas Einkommen wird um das Einkommen, auf das Steuern hinterzogen wurden, erhöht. Es droht eine Geldstrafe – abhängig von der Höhe der hinterzogenen Steuern sowie subjektiven Elementen in Höhe des halben, vollen oder doppelten Steuerhinterziehungsbetrags. Möglich ist auch eine Haftstrafe von bis zu acht Jahren. Regelungen zur SelbstanzeigeSteuerhinterziehung verjährt bei einem Betrag von weniger als 500.000 Dänischen Kronen nach fünf Jahren, bei höheren Beträgen nach zehn Jahren. Straffreiheit ist möglich bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz, sofern höchstens 100.000 Dänische Kronen hinterzogen wurden. Ein Vergleich oder eine Haftstrafe ohne oder mit Bewährung ist abhängig von der hinterzogenen Steuer. Quelle: dpa
DeutschlandSteuerliche und strafrechtliche KonsequenzenEs müssen die Steuerbescheide der letzten zehn Jahre verändert werden. Die hinterzogene Summe muss nachgezahlt werden, hinzu kommen sechs Prozent Zinsen pro Jahr. Es droht eine Geldstrafe sowie eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren, in schweren Fällen auch zehn Jahre. Regelungen zur SelbstanzeigeDie Zahlung der resultierenden Steuer zuzüglich Zinsen sowie gegebenenfalls einer zusätzlichen Gebühr von fünf Prozent bei hinterzogenen Steuern von mindestens 50.000 Euro für eine strafbare Handlung (zum Beispiel eine falsche Steuererklärung) kann zur vollständigen Straffreiheit führen. Quelle: dpa
EstlandSteuerliche und strafrechtliche KonsequenzenZinserträge von Banken der EWR-Länder sind einkommensteuerfrei. Pro Tag werden 0,06 Prozent Zinsen fällig. Neben einer Geldstrafe droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Regelungen zur SelbstanzeigeEs existieren keine Vorschriften zur Selbstanzeige. Steuerhinterziehung verjährt nach fünf Jahren. Die Selbstanzeige wirkt als strafmildernder Umstand bei Bestimmung der Geldstrafe. Quelle: dpa
FrankreichSteuerliche und strafrechtliche KonsequenzenDie Steuerschuld wird neu festgesetzt. Zusätzlich werden pro Monat Zinsen in Höhe von 0,4 Prozent fällig. Hinzu kommen Strafzahlungen von 40 oder 80 Prozent plus – bei Nichtoffenlegung des ausländischen Kontos - 1.500 beziehungsweise 10.000 Euro oder fünf Prozent, falls der Saldo mehr al 50.000 Euro beträgt. Es droht eine Geldstrafe von 500.000 bis 1.000.000 Euro sowie eine Haftstrafe von fünf bis sieben Jahren. Regelungen zur SelbstanzeigeDie Reduzierung der Geldbußen oder -strafen hängt von der Eigenschaft als passiver Steuerzahler (Schenkung, Erbschaft) oder aktiver Steuerzahler ab. Strafzahlungen können sich um 15 oder 30 Prozent reduzieren, Geldstrafen um 1,5 oder drei Prozent. Verjährung: Einkommensteuer 2006, Vermögensteuer 2007,Geldstrafe 2009. Quelle: AP

Die Steuerschuld von Uli Hoeneß liegt nach Angaben der Rosenheimer Steuerfahnderin vor dem Münchner Landgericht noch höher als vom Bayern-Präsidenten eingeräumt. Laut ihrer Aussage vom Dienstag schulde Hoeneß dem Fiskus mindestens 27,2 Millionen Euro und nicht 18,5 Millionen, wie er am Montag erklärt hatte.

Dennoch wird es im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß wohl nicht zu einer Urteilsverkündung an diesem Donnerstag kommen. „Es ist nicht mehr sehr wahrscheinlich, dass es so sein wird“, sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz am Dienstag und betonte: „Es ist durchaus davon auszugehen, dass weitere Termine erforderlich sein werden.“ Für Mittwoch ist ein Betriebsprüfer als zusätzlicher Zeuge geladen. Laut Titz ist zu erwarten, dass noch weitere Zeugen benannt werden. Außerdem habe Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei der Einreichung von Unterlagen in seinem Steuerverfahren mehrmals Fristen verstreichen lassen. Die Aussagen der am Dienstag vernommenen Rosenheimer Steuerfahnderin im Prozess vor dem Münchner Landgericht hätten ergeben, dass „über einen sehr langen Zeitraum gar keine Unterlagen nach Erstattung der Selbstanzeige eingereicht wurden“, berichtete Gerichtssprecherin Andrea Titz. Zudem habe die Zeugin dargestellt, dass „immer wieder neue Fristen“ gesetzt wurden und dass diese „jeweils wieder verstrichen sind, ohne dass Unterlagen eingereicht wurden“, erklärte Titz.

Die ersten neuen Dokumente nach Hoeneß' Selbstanzeige am 17. Januar 2013 seien am 27. Februar 2014 eingereicht worden. Diese Unterlagen seien „entgegen den ursprünglichen Bekundungen dann doch nicht vollständig“ gewesen, berichtete Titz. Am 5. März, also fünf Tage vor Verhandlungsbeginn, seien dann „nochmals neue weitere Unterlagen nachgereicht“ worden, erklärte die Gerichtssprecherin. Gehört wurde am Dienstag eine. Rosenheimer Steuerfahnderin Nach Angaben der Steuerfahnderin gaben die Behörden Hoeneß und seinen Beratern die Gelegenheit, die Selbstanzeige nachzubessern. Erst danach leiteten sie ein Ermittlungsverfahren ein und durchsuchten das Anwesen von Hoeneß am Tegernsee. Für den Mittwoch ist noch ein zusätzlicher Zeuge geladen. Es handelt sich um einen Betriebsprüfer, der Hoeneß, weil dieser Einkommensmillionär ist, regelmäßig überprüft.


Nach dem spektakulären Millionen-Geständnis von Uli Hoeneß hat der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen den Präsidenten des FC Bayern begonnen. Das Landgericht München II beschäftigt sich mit den umfangreichen neuen Unterlagen, die Hoeneß' Anwälte erst kurz vor dem Steuerstrafverfahren eingereicht hatten. Befragt wird eine Steuerbeamtin aus Rosenheim, die die 70 000 Seiten derzeit unter die Lupe nimmt. Die entscheidenden Fragen des Tages werden sein, ob die Sichtung dieses Aktenberges mehr Zeit benötigt. Darüber hinaus muss sich zeigen, was das Eingeständnis von Hoeneß zum Auftakt des Prozesses, insgesamt 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben, für den Bayern-Boss bedeutet.

Inhalt
  • Hoeneß hat offenbar mehr als 27,2 Millionen Euro Steuern hinterzogen
  • Stimmen zu Hoeneß
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