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Steuerhinterziehung Schwarzgeld-Schmuggler fliegen massenhaft auf

Wer sein geheimes Vermögen aus der Schweiz oder Luxemburg zurückholt, lebt gefährlich. Das belegt die Jahresstatistik des Zolls, die Finanzminister Wolfgang Schäuble heute stolz präsentiert hat.

Geldkoffer für den Schwarzgeld-Schmuggel Quelle: dpa

Deutschlands Steuerhinterzieher sind weiterhin hochgradig nervös: Auch im vergangenen Jahr haben sie reihenweise versucht, ihr Schwarzgeld aus Steueroasen wie der Schweiz und Luxemburg zurück in die Heimat zu schmuggeln. Das belegt die aktuelle Zollstatistik, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am heutigen Freitag in Berlin präsentiert hat. Demnach haben Zollbeamte 2011 Bußgeldbescheide gegen 2295 Personen verhängt, die Bargeldsummen von mehr als 10.000 Euro im Gepäck hatten und dies trotz Nachfrage nicht meldeten.

Damit übertrafen die Zöllner sogar das 2010er-Ergebnis von 2282 Bußgeldbescheiden. Die Zahl der Bargeldfunde lag somit weiter auf sehr hohem Niveau. Zum Vergleich: 2009 wurden  lediglich 1860 Bußgelder verhängt, 2008 sogar nur 699.

Die Verstecke der Schwarzgeld-Schmuggler
"Haben Sie Bargeld dabei?"Zöllner kontrollieren stichprobenartig, ob Reisende hohe Bargeldsummen im Gepäck haben. Die Kontrollen können direkt am Grenzübergang stattfinden, aber auch durch mobile Einsatztrupps, die einige Kilometer im Landesinneren lauern. Wer mehr als 10.000 Euro dabei hat, muss dies den Zöllnern mitteilen. Wenn Reisende schweigen und die Ermittler trotzdem hohe Summen finden, informieren sie per Kontrollmitteilung das Finanzamt des Betroffenen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Schmuggelroute Bregenz - Lindau: Besonders häufig sind die Zöllner an den Grenzen zu Luxemburg und der Schweiz unterwegs. Zahlreiche Bargeldfunde melden traditionell die Beamten aus der Region Lindau am Bodensee. Dort - im Dreiländereck Schweiz-Österreich-Deutschland - kommen zahlreiche Steuerflüchtige vorbei, die ihr Schwarzgeld zurück in die Heimat schmuggeln wollen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Daten-CD's schrecken Hinterzieher auf: 2010 war für Deutschlands Bargeld-Fahnder ein Rekordjahr. Die Tatsache, dass der deutsche Fiskus eine CD mit Kundendaten der Schweizer Großbank Credit Suisse gekauft hatte, schreckte zahlreiche Hinterzieher auf. Viele entschieden sich für eine strafbefreiende Selbstanzeige beim Finanzamt, andere versuchten, ihr Geld heimlich zurückzuholen. Aber längst nicht allen Steuersündern gelang es, durch die Zollkontrollen zu schlüpfen. Quelle: Reuters
Angst vor dem Abkommen:Auch 2011 blieb die Angst vor Entdeckung groß - vor allem wegen des Steuerabkommens, über das Deutschland und die Schweiz verhandeln. Es sieht eine engere Kooperation der eidgenössischen Banken mit deutschen Steuerfahndern sowie eine pauschale Strafsteuer für Schwarzgeld vor. Ob das Abkommen in Kraft tritt, steht aber noch nicht fest, da die SPD Nachbesserungen fordert. Quelle: dapd
Scheine ohne Ende: Allein die Fahnder im Großraum Lindau (Bodensee) stellten 2011 rund drei Millionen Euro Bargeld sicher und fanden in den Unterlagen von Reisenden Konto- und Depotauszüge, die auf ein Auslandsvermögen von satten 500 Millionen Euro hindeuten. Schätzungen zufolge dürften sich daraus Steuernachzahlungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich für den deutschen Fiskus ergeben - allein durch Funde in Lindau und Umgebung, wohlgemerkt. Quelle: dpa
Schlechtes Versteck im Koffer:Nur selten liegt das Bargeld ganz offen im Koffer wie im Fall dieses Krimi-Fans, den die Lindauer Zöllner kürzlich schnappten. Die meisten Schmuggler lassen sich bessere Verstecke einfallen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Cash am Körper: Großer Beliebtheit erfreuen sich Taschen, die unter der Kleidung ganz eng am Körper getragen werden. Anfang März erwischten Zöllner am Grenzübergang Bietingen einen 59-jährigen Metzgermeister aus Bayern, der 147.000 Euro in zwei Bauchtaschen schmuggelte. Wegen Nichtanmeldens des Bargeldes muss er nun ein Bußgeld zahlen, zudem wird sein Heimatfinanzamt informiert - dem er dann erklären muss, woher das Geld stammt. Quelle: Hauptzollamt Ulm

Die Summe des Schwarzgeldes, die die Fahnder insgesamt entdeckten, wird leider nicht veröffentlicht. Allerdings teilte das Bundesfinanzministerium mit, dass sie neben Bargeld auch Kontoauszüge und andere Unterlagen aufspürten, die auf ein Auslandsvermögen von 769 Millionen Euro hindeuten.

Anleger räumen Schweizer Konten

Besonders erfolgreich waren die Zöllner an der Schweizer Grenze. „Wir haben 2011 ein sehr gutes Ergebnis erzielt“, sagt Hagen Kohlmann vom Hauptzollamt Ulm, in dessen Bezirk eine der beliebtesten Schmuggelrouten für Bargeld liegt: das Dreiländereck Deutschland-Schweiz-Österreich rund ums idyllische Lindau am Bodensee. Allein in dieser Region, berichtet Kohlmann, hätten Zollbeamte im vergangenen Jahr drei Millionen Euro Bargeld entdeckt – ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2010.   

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